Leserbrief von J. Klein: Es ist Zeit, offen über die prekäre Situation von Familien in Mainz zu sprechen. Wer in dieser Stadt lebt, muss derzeit mitansehen, wie die Lebensqualität für viele Haushalte schleichend, aber stetig abnimmt. Was einst als liebenswerte Residenzstadt galt, entwickelt sich zunehmend zu einem Ort, der für junge Eltern und Kinder an Attraktivität verliert.
Mieten: Ein zentrales Problem sind die explodierenden Mieten. Die Situation auf dem Wohnungsmarkt hat sich mittlerweile zu einer existenziellen Bedrohung für den Mittelstand entwickelt. Familien finden kaum noch bezahlbaren Wohnraum, der ausreichend Platz für Kinder bietet. Wer heute versucht, eine Wohnung mit drei oder vier Zimmern zu finden, landet entweder in unbezahlbaren Preissegmenten, bei denen die Kaltmiete bereits ein Drittel des Haushaltsnettoeinkommens überschreitet, oder sieht sich mit einer erdrückenden Konkurrenz durch hunderte andere Bewerber konfrontiert. Diese Knappheit führt dazu, dass Familien gezwungen sind, in ungeeignete Wohnverhältnisse auszuweichen oder massive Abstriche bei der Wohnqualität zu machen. Dies zwingt viele dazu, entweder ihr gesamtes Einkommen für das Wohnen aufzuwenden oder ins Umland abzuwandern. Dass Mainz für Normalverdiener zunehmend unerschwinglich wird, ist eine gesellschaftliche Fehlentwicklung, die den sozialen Zusammenhalt und die soziale Durchmischung der Quartiere massiv gefährdet. Wer aus der Stadt verdrängt wird, der nicht über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügt, nimmt Mainz die Vielfalt, die eine lebendige Stadt eigentlich ausmacht.
Doch nicht nur finanziell, auch im täglichen Umfeld wächst der Frust
Sauberkeit: Viele Ecken im Stadtbild wirken zunehmend verwahrlost, was den allgemeinen Eindruck von Sauberkeit stark beeinträchtigt. Unsaubere Ecken sind in vielen Vierteln leider zum Dauerzustand geworden, anstatt dass öffentliche Plätze zum Verweilen einladen. Dies korrespondiert direkt mit einer sinkenden sozialen Kontrolle im öffentlichen Raum. Das Sicherheitsgefühl vieler Bürger – besonders in den Abendstunden – hat sich spürbar verschlechtert. Öffentliche Räume sollten Orte der Begegnung und Erholung sein, doch oft wird dieser Anspruch durch mangelnde Pflege, Vermüllung und eine zunehmende Verrohung des Umgangstons nicht erfüllt.
Familienfreundlich: Besonders kritisch ist die Unterversorgung mit Angeboten für Familien. Während Mainz gerne mit seiner Attraktivität wirbt, sind die Angebote für Familien zu niedrig. Es fehlen gerade in den Wohnvierteln verlässliche, niederschwellige Freizeit- und Betreuungsmöglichkeiten, die den Alltag entlasten. Spielplätze sind oft in schlechtem Zustand, marode oder mangelhaft ausgestattet, und die familienfreundliche Infrastruktur hält mit dem Wachstum der Stadt in keiner Weise Schritt. Wir vermissen Räume, in denen Kinder gefahrlos spielen und Familien sich austauschen können, ohne dabei auf kostspielige kommerzielle Angebote angewiesen zu sein.
Es ist eine dringende politische Aufgabe, diesen Abwärtstrend zu stoppen
Eine Stadt, die ihre Familien als Rückgrat der Gesellschaft betrachtet, darf diese nicht durch Untätigkeit bei Wohnkosten, Sauberkeit und Sicherheit aus dem Stadtbild verdrängen. Wenn man zudem bedenkt, dass einige im Mainzer Stadtrat medienwirksam von sozialer Gerechtigkeit sprechen, da fällt man schlichtweg vom Glauben ab.
Einkommen: Es gibt nicht wenige Mainzer Entscheidungsträger, die in lukrativen Aufsichtsräten oder anderen beratenden Tätigkeiten sitzen und dafür monatlich hohe vierstellige Summen beziehen. Dieses massive Gefälle zwischen politischer Rhetorik und der Lebensrealität vieler Mainzer Familien ist kaum noch zu ertragen. Mainz muss wieder ein Ort werden, an dem sich Familien wertgeschätzt und sicher fühlen können, anstatt sie durch politische Gleichgültigkeit in die Abwanderung zu treiben. Wenn wir nicht bald gegensteuern, verlieren wir den lebendigen Kern unserer Stadtgesellschaft an einen unaufhaltsamen Prozess der Entfremdung.
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