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Von Bad Kreuznach nach ganz Deutschland: Wie ein tauber Kater zur Geschäftsidee wurde

Nachrichten Bad Kreuznach: Eigentlich war Saskia Kanne überzeugt, dass sie keine Katzen mag. Heute entwirft die Bad Kreuznacherin Geschenkartikel für Katzenfans, die in rund 70 Geschäften in ganz Deutschland verkauft werden. Dazwischen liegt die Geschichte eines tauben Katers aus Bulgarien und eine Idee, die in der Kurstadt an der Nahe ihren Anfang nahm.

Corona, ein Shared Office und eine ungewöhnliche Idee

Angefangen hat alles 2020. Saskia Kanne und ihr Partner Sebastian, beide seit Jahren selbstständig im Online-Marketing, waren gerade in ein Shared Office in Bad Kreuznach gezogen, als Corona den Alltag lahmlegte. Gearbeitet wurde viel, privat war wenig los. Irgendwann kam Sebastian mit einem Vorschlag um die Ecke: ein Haustier.

Für einen Hund fehlte die Zeit, also brachte er eine Katze ins Spiel. Ausgerechnet. „Ich war felsenfest überzeugt, dass Katzen nichts für mich sind. Arrogant und eigensinnig, so hätte ich sie damals beschrieben“, erinnert sich Saskia Kanne. Dazu kam eine Katzenhaarallergie. Trotzdem ließ sie sich überreden, mit klarer Ansage: Das Katzenklo übernimmt er.

„Hallo, ich bin Misho“

Das Paar suchte online, über Vermittlungsplattformen und Kleinanzeigen, gezielt nach einer älteren, verschmusten Katze aus dem Tierschutz und schaltete schließlich selbst ein Gesuch. Schon am nächsten Tag kam eine Nachricht, die alles veränderte: „Hallo, ich bin Misho, ein tauber Kater, 7 Jahre, aus Bulgarien, und ich bin sehr anhänglich und verschmust.“

Geschrieben hatte eine Pflegestelle des Tierschutzvereins Fellnasenglück Grenzenlos. Misho war kurz zuvor aus Bulgarien geholt worden, nachdem sein Frauchen dort gestorben war. Taub ist der Kater durch eine Krebsoperation am Gehörgang, bei der ihm das Gehör entnommen werden musste. Beim Kennenlernen in Ludwigshafen war die Sache schnell entschieden, und wenig später zog Misho nach Bad Kreuznach. Weil er draußen weder Autos hören noch sich zuverlässig orientieren könnte, lebt er als reiner Wohnungskater.

Aus der Katzenskeptikerin wurde in Rekordzeit eine Katzennärrin. Sogar die Allergie verschwand. Später zog mit Tutti eine zweite Katze ein, eine ehemalige Straßenkatze aus Sofia, die im Gegensatz zu Misho mit Leib und Seele Freigängerin ist.

Aus Katzenliebe wird ein Unternehmen

Ein paar Jahre später wollte Saskia Kanne ein eigenes Projekt aufbauen, nach Jahren mit Marken für Bartpflege und Fitness bewusst eines, das zu ihr passt. Dass es um Katzen gehen sollte, lag auf der Hand. Nur der Markt für Katzenprodukte, von Futter bis Möbel, war längst von großen Anbietern besetzt. Also drehte das Paar den Gedanken um: keine Produkte für die Katze, sondern Geschenke für Katzenliebhaber, also für die Menschen dahinter.

Der Name war eine Eingebung auf der Couch. „Sebastian sagte fast nebenbei: Vielleicht so was wie eine typische Katzenmuddi. Da wusste ich sofort, das ist es“, erzählt Kanne. Die Domain wurde noch am selben Abend gesichert, und Katzenmuddi war geboren.

Sämtliche Motive entwirft die Gründerin selbst. „Mir war wichtig, dass jedes Design von mir stammt und man es nicht an jeder Ecke findet. Die meisten Katzenmotive da draußen waren mir zu brav und zu kitschig. Katzen sind lustige Tiere, das darf man auch zeigen“, sagt sie.

Vom Kühlschrankmagnet bis zum Löffel mit Pfote

Den Anfang machten Druckprodukte mit eigenen Illustrationen: Postkarten, Prints und Schreibblöcke. Inzwischen ist das Sortiment gewachsen. Dazu gehören Tassen mit Katzenmotiven, Lesezeichen, Löffel mit kleiner Pfote am Stielende sowie Anhänger fürs Auto und für den Christbaum. Alles Geschenkartikel für Katzenfans, meist im Preisbereich kleiner Aufmerksamkeiten.

Zum Bestseller haben sich die Katzenmagnete entwickelt, und deren Entstehung erzählt viel über den Anspruch der Marke. Die Idee lieferte Misho selbst: Bei jeder Onlinebestellung war er der Erste, der sich in den leeren Karton plumpsen ließ. Daraus wurde der Katze im Karton Magnet, eine kleine dreidimensionale Szene mit einer Katzenfigur im Miniatur-Versandkarton.

Weil die zugekauften Figuren qualitativ nicht überzeugten, ließ das Paar irgendwann eigene Katzenfiguren aus Kunstharz nach selbst erstellter 3D-Form gießen. Jede Figur wird von Hand bemalt, die kleinen Kartons werden exklusiv im eigenen Design bedruckt, und auf der Rückseite sorgt ein starker Neodym-Magnet dafür, dass am Kühlschrank auch wirklich etwas hängen bleibt. Erhältlich sind die Magnete in mehreren Fellfarben, auf Wunsch in einer Geschenkverpackung, die aussieht wie eine kleine Katzenfutterdose. „Der Moment, in dem jemand die Dose aufreißt und grinst, dafür machen wir das“, sagt Kanne.

Klinkenputzen statt Klickzahlen

Obwohl beide aus der Online-Welt kommen, ging Katzenmuddi zuerst in den Einzelhandel. „Wir sind wirklich von Laden zu Laden gezogen und haben unsere Produkte persönlich vorgestellt. Klinkenputzen im besten Sinne“, erinnert sich die Gründerin. Die Rechnung ging auf: Heute stehen die Produkte in rund 70 Einzelhandelsgeschäften in ganz Deutschland, von Conceptstores über Geschenkläden bis zu Souvenirgeschäften, dazu in mehreren Filialen des Mietregal-Anbieters ’s Fachl.

Ein eigenes Ladengeschäft gibt es dagegen nicht. Wer in Bad Kreuznach vor Ort stöbern möchte, findet einen Teil des Sortiments im Laden von schenk ebbes, verkauft wird ansonsten über den Onlineshop und die Handelspartner. Ein Weg, den auch andere kleine Marken gehen, während der stationäre Handel in vielen Innenstädten nach neuen Konzepten sucht.

Gut zu wissen: Misho ist bis heute das Gesicht der Marke. 2024 meldete sich der Krebs in einem Ohr zurück, das Ohr musste entfernt werden. Seitdem ist er der Einohrkater von Katzenmuddi, dem es nach der Operation wieder gut geht. Seine Geschichte erzählt die Gründerin auf ihrer Website und im eigenen Katzenblog weiter.

Was als Nächstes kommt

Nach dem Fundament im Einzelhandel will das Paar Katzenmuddi nun online und auf Social Media bekannter machen. Parallel wächst das Sortiment, auch um hochwertigere Produkte jenseits der 30-Euro-Marke. Die Inspiration dafür sitzt derweil zu Hause in Bad Kreuznach. Vermutlich in einem Karton.

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