StartMainzNeuer Kältebus für Mainz und Rheinhessen

Neuer Kältebus für Mainz und Rheinhessen

Initiatoren Lars, Claudio und Miriam

Ein neues Hilfsangebot soll ab kommenden Dezember die Nächte auf der Straße erträglicher machen. Ein dreiköpfiges Team plant den Einsatz eines mobilen Dienstes, um bedürftigen Menschen in den kalten Monaten direkt vor Ort zu helfen. Die Initiatoren Lars (31), Claudio (28) und Miriam (27) haben es sich zur Aufgabe gemacht, wohnungslose Menschen in der Region zu unterstützen. Neben warmen Getränken und einer festen Mahlzeit geht es dem Trio vor allem um direkte Kontakte auf der Straße und ein offenes Ohr für die Sorgen der Betroffenen.

BYC-News sprach mit Teammitglied Miriam über die Hintergründe der Initiative, die Hürden der Vorbereitung und die langfristigen Pläne für die Region.

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Wie genau sieht das Konzept für den neuen Kältebus aus?

Unser Hauptziel ist eine unkomplizierte Hilfe auf Augenhöhe. Wir möchten in den Abendstunden und in den späten Nachtstunden unterwegs sein, um heißen Tee, Kaffee und warme Speisen an Menschen zu verteilen, die draußen leben. Genauso wichtig wie die Verpflegung ist uns aber die menschliche Nähe. Viele Betroffene fühlen sich unsichtbar. Sie wünschen sich oft einfach jemanden, der ihnen aufmerksam zuhört, sie als Menschen wahrnimmt und ihnen mit Respekt begegnet.

Der endgültige Entschluss, das Projekt nun mit voller Kraft anzupacken, reifte in uns nach einer aktuellen Berichterstattung. Als wir den Bericht beim SWR über die massiven Probleme und Schwierigkeiten rund um den bisherigen Verein Rheinhessen-hilft sahen, wurde uns schlagartig klar, dass wir nicht länger warten dürfen. Es war der entscheidende Auslöser für uns, keine Zeit mehr zu verlieren und endgültig durchzustarten. Den Menschen auf der Straße darf das Versorgungsnetz nicht wegzubringen drohen. Wir wollen eine verlässliche, transparente und dauerhafte Anlaufstelle bieten, damit niemand in kalten Winternächten ungesehen bleibt.

Das Team besteht aktuell aus Lars, Claudio und Ihnen. Wie kam es zu dieser Konstellation?

„Uns verbindet alle der Wunsch, nicht mehr länger wegzuschauen. Wir haben in den letzten Jahren beobachtet, wie extrem die Wintermonate für obdachlose Menschen in der Region Rheinhessen sein können. Die nasse Kälte auf der Straße ist lebensgefährlich und die bestehenden Hilfsangebote stoßen in den eisigen Nächten oft an ihre personellen wie Kapazitären Grenzen. Genau an dieser Stelle wollten wir ansetzen und ein eigenes, flexibles Angebot auf die Beine stellen.“

„Jeder von uns bringt dafür ganz spezifische berufliche Stärken mit. Lars bringt viel organisatorisches Wissen mit als Speditionskaufmann und behält bei allen behördlichen Auflagen, den Fahrplänen und der strukturellen Routenplanung stets den Überblick. Claudio hat Erfahrung in der praktischen Logistik und kümmert sich um die täglichen Abläufe am Fahrzeug, die Lagerung der Hilfsgüter sowie die effiziente Materialbeschaffung. Ich kümmere mich stark um den Kontakt zu Partnern als ausgebildete Notfallsanitäterin und kann zudem bei Einsätzen vor Ort mögliche Kälteschäden oder gesundheitliche Notlagen direkt richtig einschätzen. Wir ergänzen uns im Alltag extrem gut und decken von der Organisation über die Logistik bis hin zur medizinischen Erstversorgung alle wichtigen Aufgaben im Team ab.“

Warum rollt der Kältebus erst ab Dezember 2026 durch Mainz und die Region?

„Der Zeitplan wirkt im ersten Moment vielleicht lang, aber er hängt mit vielen notwendigen Schritten zusammen. Zum einen müssen wir die innere Struktur der Organisation vollständig aufbauen. Das betrifft aufwendige bürokratische Auflagen und passende Versicherungen für das Fahrzeug sowie für das gesamte Team. Ein solches Projekt erfordert ein absolut solides rechtliches Fundament, damit sowohl die Helfer als auch die Hilfsempfänger optimal abgesichert sind. Dazu gehören unter anderem behördliche Genehmigungen, rechtssichere Statuten, Haftpflichtfragen und strikte Hygiene-Standards bei der Ausgabe von Lebensmitteln.“

„Zum anderen laufen derzeit noch wichtige Gespräche mit lokalen Gastronomen, die uns regelmäßig mit frischen Speisen unterstützen wollen. Es geht hierbei nicht nur um einmalige Spenden, sondern um verlässliche Routinen im Alltag. Wir müssen sicherstellen, dass die Logistik der Speisen von der Abholung bis zur Ausgabe lückenlos funktioniert. Parallel dazu sind weitere Verhandlungen mit Sponsoren und Partnern aus der Region aktuell noch voll im Gange. Um den Betrieb dauerhaft und finanziell unabhängig zu stemmen, brauchen wir starke Wegbegleiter an unserer Seite. Sämtliche Zahnräder müssen perfekt ineinandergreifen, bevor der Kältebus den ersten Einsatz fährt.“

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Wie reagiert die Gastronomie bisher auf Ihre Anfrage?

„Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Viele Betriebe würden gerne spontan helfen, aber auch dort muss die Logistik stimmen. Wir müssen genau klären, wie die Lebensmittel hygienebedingt transportiert und warmgehalten werden können. Diese Abläufe testen wir derzeit intensiv.“

„Erfreulicherweise bleibt das Interesse keineswegs nur auf die Gastronomie beschränkt. Es haben sich bereits weitere Unterstützer aus den unterschiedlichsten Branchen gemeldet und ihre Hilfe zugesagt. Unter den Partnern befinden sich regionale Logistikunternehmen, Handwerksbetriebe sowie lokale Dienstleister, die uns mit Material, Fahrzeugtechnik oder fachlicher Beratung zur Seite stehen wollen. Diese breite Rückendeckung aus der regionalen Wirtschaft zeigt uns, wie groß die Hilfsbereitschaft ist und dass unser Projekt auf vielen starken Schultern ruhen wird.“

Rheinhessen umfasst ein recht großes Gebiet. Soll der Bus ausschließlich in der Innenstadt von Mainz halten?

Mainz ist natürlich ein zentraler Schwerpunkt, weil sich dort viele Hilfsbedürftige aufhalten. Wir haben aber bewusst entschieden, den gesamten Raum Rheinhessen einzubeziehen. Auch in kleineren Städten und Randgebieten gibt es versteckte Armut und Menschen ohne feste Unterkunft. Wir möchten festgelegte Routen fahren, damit sich die Betroffenen auf unsere Ankunftszeiten verlassen können.“

„Ergänzend zu den festen Routen arbeiten wir derzeit an der Einrichtung einer eigenen Notfall Hotline. Über diese Telefonnummer können Mitmenschen, Anwohner oder Passanten aufmerksam gemacht werden, wenn sie schutzlose oder hilfsbedürftige Personen im öffentlichen Raum bemerken. Hinweise zu Standorten oder akuten Notlagen lassen sich so direkt an das Einsatzteam übermitteln. Unser Ziel ist es, dadurch noch schneller zu reagieren und auch solche Menschen zu erreichen, die abseits der gewohnten Strecken liegen oder sich aus eigener Kraft nicht mehr zu unseren Stops begeben können.“

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Wie stellen Sie sicher, dass das Angebot auch von der Zielgruppe angenommen wird?

„Vertrauen ist das wichtigste Fundament bei dieser Arbeit. Viele Menschen auf der Straße haben Enttäuschungen erlebt und halten erst einmal Abstand. Wir wollen keinen Druck ausüben, sondern durch regelmäßige Präsenz signalisieren, dass wir verlässlich da sind. Sobald sich herumspricht, dass es bei uns ohne Vorbedingungen eine warme Suppe und ein ehrliches Gespräch gibt, wächst dieser Kontakt ganz von alleine.“

Wie können die Bürgerinnen und Bürger in Mainz und Rheinhessen Ihr Projekt jetzt schon unterstützen?

„Wir freuen uns riesig über jede Form von Rückenwind. Aktuell hilft uns vor allem Mundpropaganda und das Knüpfen von Netzwerken. Sobald alle rechtlichen Rahmendaten stehen, werden wir genau informieren, wie sich Interessierte einbringen können.

„An dieser Stelle ist uns eine Klarstellung besonders wichtig: Wir werden bewusst keine Geldspenden annehmen. Das gesamte Team arbeitet vollkommen ehrenamtlich und ohne finanzielle Eigeninteressen. Um absolute Transparenz zu gewährleisten und jeden Verdacht der Bereicherung von vornherein auszuschließen, setzen wir ausschließlich auf Sach und Materialwerte. Materialspenden wie winterfeste Kleidung, schwere Schlafsäcke, Hygieneartikel oder auch Tankgutscheine und Hilfsmittel aller Art nehmen wir sehr gerne entgegen. Jede Abgabe wird im Rahmen einer offiziellen und ordnungsgemäßen Spendenübergabe erfasst und dokumentiert. Auf diese Weise bleibt für alle Unterstützer lückenlos nachvollziehbar, dass jede Hilfe ohne Umwege direkt bei den Menschen auf der Straße ankommt.“

Unterstützerinnen und Unterstützer können sich bereits jetzt jederzeit vorab informieren, Fragen stellen oder direkte Hilfe anbieten. Wir freuen uns über Kontaktaufnahmen von Engagierten, Unternehmen oder Vereinen unter der E-Mail-Adresse obdachlos-rheinhessen@proton.me. Wer das Projekt von Beginn an begleiten oder Ressourcen beisteuern möchte, findet dort eine unkomplizierte und direkte Anlaufstelle für den gemeinsamen Austausch.