StartBingenHGH Bingen wird zur „Regio-Klinik“ verkleinert - Notaufnahme schließt

HGH Bingen wird zur „Regio-Klinik“ verkleinert – Notaufnahme schließt

Millionen-Finanzspritze wendet Schließung des Heilig-Geist-Hospitals in Bingen ab

Nur 24 Stunden nachdem rund 300 Bürgerinnen und Bürger mit einer geschlossenen Menschenkette um das Heilig-Geist-Hospital (HGH Bingen) gegen eine Verkleinerung und Schließung demonstriert haben, herrscht bittere Gewissheit: Die Kommunalpolitik zieht die Reißleine.

In einer gemeinsamen Sondersitzung haben der Binger Stadtrat und der Kreistag Mainz-Bingen am Mittwochabend beschlossen, das wirtschaftlich angeschlagene Krankenhaus mit einer letzten Finanzspritze vor dem sofortigen Aus zu retten, um es anschließend radikal zu verkleinern, die rund um die Uhr besetzte Notaufnahme wird eingestellt.

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Millionen-Spritze wendet Schließung des HGH Bingen zum 1. September ab

Die Lage hinter den Kulissen war dramatisch: Ohne frisches Geld hätten die Gehälter der rund 300 Beschäftigten für den Monat September nicht mehr ausgezahlt werden können, dem Hospital hätte bereits zum 1. September die endgültige Schließung gedroht.

Um den geordneten Übergang zu sichern, stellen die kommunalen Träger nun nochmals erhebliche Finanzmittel bereit: Die Stadt Bingen schießt 1,35 Millionen Euro nach, der Landkreis Mainz-Bingen 1,29 Millionen Euro. Das Abstimmungsergebnis fiel im Binger Stadtrat einstimmig und im Kreistag mehrheitlich aus.

Radikaler Bettenabbau und Ende der Notfallversorgung

Mit dem Geld wird jedoch nicht das bisherige Krankenhaus gerettet, sondern die Transformation in eine sogenannte „Regio-Klinik“ eingeleitet.

Dies bedeutet für die Gesundheitsversorgung im Raum Bingen und Ingelheim tiefgreifende Veränderungen:

  • Aus für die 24/7-Notaufnahme: Eine vollwertige Notfallversorgung mit Rund-um-die-Uhr-Besetzung in Chirurgie, Anästhesie und Intensivmedizin wird es am HGH künftig nicht mehr geben. Vorgesehen ist lediglich eine Basis-Anlaufstelle für leichtere, alltägliche Notfälle.
  • Massive Bettenreduzierung: Die Bettenkapazität wird von bisher 132 Betten auf künftig maximal 30 bis 50 Betten zurückgeschraubt.
  • Neue Schwerpunkte: Künftig soll sich der Standort primär auf die Geriatrie (Altersmedizin), die Palliativversorgung sowie ergänzende ambulante Angebote konzentrieren.

Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD), der an der Sondersitzung teilnahm, betonte, dass der Standort damit in der Landeskrankenhausplanung erhalten bleiben könne, eine vollwertige Notaufnahme sei im Rahmen einer Regio-Klinik jedoch strukturell und finanziell nicht mehr darstellbar.

Bittere Realität für Belegschaft und Bürgerschaft

Für den Betriebsrat und die Belegschaft des HGH Bingen ist die Entscheidung ein schwerer Schlag. Noch am Dienstag hatte die Betriebsratsvorsitzende Stefanie Klemann im Gespräch mit unserer Redaktion ein klares „Nein zur Teilauflösung“ gefordert und die Sorge geäußert, dass eine Zerschlagung der Abteilungen die Versorgung massiv schwächen werde.

Auch für die Bürgerinnen und Bürger in Bingen und den umliegenden Verbandsgemeinden bedeutet der Beschluss eine harte Zäsur: Akute Notfälle, etwa schwere Unfälle oder chirurgische Notoperationen, müssen künftig über die Rettungsdienste in umliegende Krankenhäuser nach Bad Kreuznach oder Mainz transportiert werden.