Leserbrief von Frau L. Klingelschmidt zur Zulassungsstelle in Bingen am Rhein: Die Zustände rund um die Vergabe von Terminen bei der Zulassungsstelle in Bingen sind für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und des Umlands zu einer dauerhaften Zumutung geworden. Wer ein neues Auto anmelden, ein gebrauchtes Fahrzeug umschreiben oder auch nur ein Kennzeichen ändern lassen muss, reibt sich bei der Online-Terminvergabe ungläubig die Augen: Eine Wartezeit von mindestens einem Monat bis hin zu sage und schreibe drei Monaten ist mittlerweile keine Seltenheit mehr, sondern traurige Realität.
Problematik bei der Zulassungsstelle in Bingen
In einer Gesellschaft, die Mobilität und Flexibilität fordert, ist ein solches Behördenversagen kaum noch vermittelbar Das Auto ist für die meisten Menschen in unserer Region kein reines Freizeitmobil, sondern die Existenzgrundlage für den täglichen Weg zur Arbeit, den Einkauf oder den Transport der Kinder. Wenn Bürger über Monate hinweg blockiert werden, weil die Zulassungsstelle strukturell oder personell nicht hinterherkommt, greift dies massiv in den Alltag und die Lebensplanung der Betroffenen ein. Selbst der Autohandel leidet spürbar unter diesen bürokratischen Verzögerungen, da verkaufte Fahrzeuge wochenlang nicht ausgeliefert werden können.
Besonders absurd wird die Situation, wenn man bedenkt, dass wir im Jahr 2026 leben und überall von Digitalisierung und Bürokratieabbau gesprochen wird. Während man im Internet Verträge innerhalb von Sekunden abschließen kann, scheitert eine Kreisverwaltung an der simplen Vergabe von Terminen für Standardprozesse. Die Bürgerinnen und Bürger zahlen pünktlich ihre Steuern und Gebühren, erhalten im Gegenzug jedoch einen Service, der eher an das vergangene Jahrhundert erinnert. Es ist den Menschen schlicht nicht mehr zu vermitteln, warum ein vollkommen digitalisierter Vorgang wie eine Fahrzeugzulassung an den internen Strukturen einer Behörde scheitert.
Zudem darf man die psychische Belastung für die Betroffenen nicht unterschätzen
Wer aus beruflichen Gründen dringend auf ein neues Fahrzeug angewiesen ist – sei es der Handwerker, dessen alter Transporter den Geist aufgegeben hat, oder die Pflegekraft, die zum neuen Arbeitsplatz pendeln muss –, wird hier sehenden Auges in die Existenznot getrieben. Es kann nicht sein, dass berufliche Existenzen und wirtschaftliche Schäden in Kauf genommen werden, nur weil das System der Terminvergabe kollabiert ist. Die Untätigkeit der politischen Führung in dieser Sache grenzt schon fast an Arbeitsverweigerung.
Es stellt sich die dringende Frage, warum die Verantwortlichen der Kreisverwaltung Mainz-Bingen dieser Entwicklung seit so langer Zeit tatenlos zusehen. Eine moderne Verwaltung muss sich als Dienstleister für den Steuerzahler verstehen. Wenn die Digitalisierung der Prozesse scheinbar nicht greift und das Personal vor Ort überlastet ist, müssen dringend pragmatische Lösungen her – sei es durch temporäre Aufstockung der Mitarbeiter, Notfall-Sprechstunden ohne Termin oder eine Kooperation mit benachbarten Dienststellen. Eine Wartezeit von bis zu drei Monaten für eine simple Amtshandlung ist eines modernen Standorts schlicht unwürdig.
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