StartBad KreuznachLeserbrief: Ein Schlag ins Gesicht für alle Einsatzkräfte in Traisen

Leserbrief: Ein Schlag ins Gesicht für alle Einsatzkräfte in Traisen

Wut nach Waldbrand in Traisen: Feuerwehrfrau zu den „Inszenierungs“-Vorwürfen

Leserbrief einer Feuerwehrfrau (möchte namentlich nicht genannt werden) zum Waldbrand in Traisen: Ein aktueller Bericht in der Rhein-Zeitung (Artikel: „Einwohner fragt: Wurde hier ein Großeinsatz inszeniert?“) über den Waldbrand in Traisen hat mich fassungslos dazu bewegt, diesen Brief zu schreiben und ich hoffe auf Berichterstattung um die Arbeit all meiner Kameraden und derer die am Waldbrand beteiligt waren wertzuschätzen.

Ich tue dies als Feuerwehrfrau und stellvertretend für viele Kameradinnen und Kameraden, die seit Samstag Tag und Nacht im Einsatz stehen.

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Seit Tagen kämpfen wir gegen ein Feuer, gegen extreme Hitze und gegen eine Gefahrenlage, wie sie wohl die wenigsten von uns jemals erlebt haben

Bei Temperaturen von weit über 30 Grad standen wir stundenlang in schwerer Schutzkleidung im Wald, schleppten Schläuche und Material über unwegsames Gelände und arbeiteten oft bis an unsere körperlichen Grenzen. Jeder Einsatz war ein Kampf – gegen die Flammen, gegen die Hitze und gegen die Erschöpfung.

Und dann müssen wir lesen und hören, der Großeinsatz oder die Evakuierung von Traisen seien übertrieben gewesen. Manche gingen sogar so weit, von einer Inszenierung zu sprechen.

Solche Aussagen machen mich fassungslos.

Sie sind nicht einfach Kritik an einer behördlichen Entscheidung. Sie sind ein Schlag ins Gesicht für die hunderten Einsatzkräfte, die seit Tagen alles geben. Sie sprechen Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, Bundeswehr, Bundesforst und allen weiteren Helferinnen und Helfern ihre Glaubwürdigkeit und ihren selbstlosen Einsatz ab.

Vor allem aber verkennen sie den eigentlichen Grund der Evakuierung.

Es ging nicht in erster Linie darum, dass das Feuer unmittelbar den Ort erreichen würde. Die entscheidende Gefahr ging von alter Kriegsmunition aus, die sich im betroffenen Waldgebiet befindet. Durch den Brand bestand jederzeit die Möglichkeit, dass diese Munition detoniert – und genau das ist teilweise auch geschehen.

Niemand konnte seriös einschätzen, welche Sprengmittel sich noch im Boden befinden, wann sie explodieren oder welche Bereiche dadurch lebensgefährlich werden könnten.

Die Kreisverwaltung brachte es treffend auf den Punkt: Ziel der Maßnahmen war der Schutz vor einer nicht kalkulierbaren Gefährdung.
Genau darum ging es.

In solchen Situationen müssen Entscheidungen auf Grundlage der aktuellen Gefahrenlage getroffen werden – nicht auf Grundlage dessen, was man Tage später im sicheren Wohnzimmer beurteilt.

Im Nachhinein zu behaupten, die Evakuierung sei unnötig gewesen, weil nichts Schlimmeres passiert ist, verkennt den Sinn einer Evakuierung. Sie soll verhindern, dass Menschen zu Schaden kommen. Dass genau das gelungen ist, sollte niemand als Beweis für eine Überreaktion verstehen.

Besonders enttäuscht mich jedoch der Vorwurf, ein solcher Großeinsatz sei inszeniert gewesen.
Wer so etwas behauptet, sollte sich fragen, was er damit den Frauen und Männern sagt, die ihre Freizeit, ihren Urlaub und ihre Familien zurückgelassen haben.

Denjenigen, die bei extremer Hitze bis zur völligen Erschöpfung gearbeitet und sich einer realen Gefahr ausgesetzt haben.

Diese Behauptungen sind respektlos. Sie verhöhnen den Einsatz von Menschen, die ausschließlich ein Ziel hatten: Leben zu schützen.
Trotz allem möchte ich diesen Brief nicht mit Wut beenden.

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Ich möchte Danke sagen

Danke an unsere Kameradinnen und Kameraden aus ganz Rheinland-Pfalz und weit darüber hinaus. Ihr seid ohne Zögern gekommen, habt unzählige Stunden gearbeitet und gezeigt, was Kameradschaft wirklich bedeutet.

Ebenso danke ich den Bürgerinnen und Bürgern, die Verständnis gezeigt haben. Den Menschen, die uns Wasser gebracht, Essen organisiert oder einfach ein ehrliches „Danke“ ausgesprochen haben. Oft waren es genau diese kleinen Gesten, die uns die Kraft gegeben haben, weiterzumachen.

Den wohl bewegendsten Moment werde ich nie vergessen: Als die Evakuierung aufgehoben wurde und die Menschen nach Traisen zurückkehren konnten, standen viele am Straßenrand und applaudierten den Einsatzkräften. Dieser Applaus hat selbst gestandene Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner zu Tränen gerührt. In diesem Augenblick wussten wir, dass unsere Anstrengungen gesehen werden.

Diese Menschen sind es, an die ich denken möchte.

Nicht an diejenigen, die Verschwörungserzählungen verbreiten oder aus sicherer Entfernung Urteile über Entscheidungen fällen, die unter enormem Zeitdruck und auf Grundlage einer unkalkulierbaren Gefahrenlage getroffen werden mussten.

Wir Feuerwehrleute werden auch beim nächsten Alarm wieder ausrücken. Ohne zu fragen, wen wir retten. Ohne zu fragen, wer uns später kritisiert. Das ist unser Auftrag.

Aber eines dürfen wir erwarten: RESPEKT

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