BYC-News Notarzt Serie Teil 1 | Im Landkreis Groß-Gerau gibt es zwei Notarztstandorte. Einen in Groß-Gerau und einen in Rüsselsheim. BYC-News sprach im Rahmen eines Notarzt-Specials mit dem Notarzt Dr. Thilo Hartmann aus Rüsselsheim über seine Arbeit und darüber, wieso er sich für den Beruf entschieden hat.

Mit der Arbeit im Rettungsdienst das Studium finanziert

Dr. Thilo Hartmann ist 49 Jahre alt und lebt in Bad Soden am Taunus. Er ist verheiratet und hat eine Tochter. Schon recht früh hatte er sich dazu entschieden Medizin zu studieren. Im Alter von 20 Jahren begann er dann seinen Zivildienst im Rettungsdienst als Rettungssanitäter. Dadurch finanzierte er sein Medizinstudium an der Universität in Frankfurt, welches er im Jahr 1999 abschloss. „Als Medizinstudent dauert es sehr lange, bis man dann das erste Mal an einen Patienten darf. Als es dann bei mir so weit war, hatte ich natürlich durch den Rettungsdienst bereits einiges an Erfahrungen gesammelt, was mir zugute kam. Das hat sich im Prinzip toll ergänzt“, berichtet Dr. Hartmann.

Im Jahr 2001 machte der Anästhesist dann seinen Notarztschein und fährt seitdem auch als Notarzt zu Einsätzen. Im Hauptberuf ist er im GPR-Klinikum in Rüsselsheim angestellt, wo er als stellvertretender Leiter der Operativen Tagesklinik tätig ist. Zudem ist er Geschäftsführer der Notarztgemeinschaft Rhein-Main GmbH.

Begeisterung für das Ungewisse

Was ihn an dem Beruf besonders begeistert ist die Tatsache, dass man zu Beginn des Dienstes nie weiß, was einen erwartet. Ein Hausarzt habe beispielsweise Termine und weiß meist schon vorher welche Patienten er an diesem Tag sieht. Als Notarzt sei das ganz anders, da wisse man nie wann der Piepser geht und was einen erwartet. Natürlich bestehe dann auch immer die Gefahr in eine Situation zu kommen, die man auch als Notarzt nicht händeln kann. In solchen Fällen kann ein Notarzt nur selten jemanden um Rat fragen, berichtet Dr. Hartmann. Es sei schließlich in dem Moment einfach niemand da, der es besser wissen könnte. Aber genau das macht es für den erfahrenen Notarzt so spannend.

Ein weiterer für ihn großer Vorteil ist, dass er nur sehr kurze Zeit mit einem Patienten zu tun hat „Als Hausarzt hat man seine festen Patienten, die man mehr oder weniger regelmäßig sieht. Das wäre nichts für mich. Ich fahre zu einem Patienten und bin sehr schnell sehr nah am Patienten. Nicht selten kommt es vor, dass ich direkt ins Schlafzimmer laufe, wo sich der Patient befindet. Einen Raum, in den sonst normalerweise nur wenige kommen. Das ist wirklich interessant, die Leute da abzuholen wo sie sind, nämlich in ihrem normalen, bürgerlichen Leben. Dann erfolgt die Behandlung, bei der ich auch sehr schnell Erfolge oder Misserfolge sehe. Das geht oftmals innerhalb weniger Minuten, dass ich sehe ob ein Medikament oder eine Behandlung anschlägt oder nicht. Und ich freue mich immer, wenn ich schnell viel für einen Patienten tun kann. Ich verschreibe auch kein Medikament, wie beispielsweise der Hausarzt, der dann Tage oder Wochen abwarten muss, um ein Ergebnis zu sehen„, berichtet Dr. Hartmann.

Einsätze sind nach einigen Stunden erledigt

Wenn der Notarzt dann mit dem Patienten in der Klinik angekommen ist, übernehmen andere Ärzte und Mediziner den Patienten. Ab diesem Moment ist der Einsatz für Dr. Hartmann abgeschlossen und im Normalfall hat er dann nichts mehr mit dem Patienten zu tun. Auch das sieht er als Vorteil. „Meist nach rund zwei Stunden habe ich den Patienten in der Klinik abgegeben. Wenn ich meinen Bericht zum Einsatz dann geschrieben habe, dann ist das Thema für mich erledigt und abgehakt. Das hilft, Dinge nicht so nah an sich heran zu lassen und eine gewisse Distanz zu bewahren. Wenn ich dann im Anschluss wissen will, wie es dem Patienten geht, dann muss ich aktiv nachfragen, sonst höre ich davon nichts mehr“, erklärt der Notarzt.

Weitere Teile der BYC-News Notarzt Serie

BYC-News hat in dem Interview mit Thilo Hartmann noch über weitere Themen gesprochen, welche die Arbeit eines Notarztes betreffen.

Teil 1: Notarzt Spezial: „Ich kann schnell viel für einen Patienten tun“
Teil 2: Notarzt Spezial: Einsätze die man als Retter nicht vergisst
Teil 3: Notarzt Spezial: „Viele meiner Corona-Patienten waren in einem erbärmlichen Zustand“
Teil 4: Notarzt Spezial: Welche Ausrüstung befindet sich im Notarztfahrzeug?