StartÜberregionalNeuanlauf bei Organspende: RLP fordert Umdenken

Neuanlauf bei Organspende: RLP fordert Umdenken

Über eine Bundesratsinitiative soll die umstrittene Widerspruchslösung Organspende endlich gesetzlich verankert werden.

Knapp 8.300 Menschen warten in Deutschland auf ein lebensrettendes Spenderorgan, doch die Spenderzahlen bleiben auf einem erschreckend niedrigen Niveau. In Rheinland-Pfalz spendeten im Jahr 2025 lediglich 35 Personen nach ihrem Tod Organe. Nun fordert die rheinland-pfälzische Politik konsequente Schritte:

Über eine Bundesratsinitiative soll die umstrittene Widerspruchslösung Organspende endlich gesetzlich verankert werden.

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Die lange Debatte um die Organspende

In der Gesundheitspolitik verschärft sich die Debatte um die Zukunft der Organspende, denn trotz jahrelanger Aufklärungskampagnen, Appelle an die Bevölkerung und kleinerer Gesetzesreformen bleibt die erhoffte Trendwende bei den Organspendezahlen aus. Wie Dr. Oliver Kusch, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz, erklärt, stößt das bisherige System schlicht an seine Grenzen. Gemeinsam mit der CDU-Fraktion drängt die SPD-Fraktion im Landtag deshalb darauf, dass die Landesregierung eine erneute Bundesratsinitiative auf den Weg bringt.

Organspende neu denken: Vom Ausnahmefall zur Normalität

Der Kern der Initiative ist ein Grundsatzwechsel: Wer der Entnahme von Organen nach dem Tod nicht ausdrücklich widerspricht, gilt künftig als potenzieller Spender. „Das ist kein Zwang“, betont Kusch. Jeder Mensch könne jederzeit formlos und ohne Angabe von Gründen der Organspende widersprechen.

Bislang gilt in Deutschland die sogenannte Entscheidungslösung. Organe dürfen nur entnommen werden, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat, etwa über einen Organspendeausweis oder im neuen Online-Register. Die Realität sieht jedoch anders aus:

Zwar befürworten laut Umfragen mehr als 80 Prozent der Bundesbürger die Organspende, doch nur eine deutliche Minderheit hält diese Entscheidung schriftlich fest.

Entlastung für Angehörige in schwersten Stunden

Fehlt eine dokumentierte Entscheidung, stehen in rund 65 Prozent der Fälle die Hinterbliebenen vor der schwerwiegenden Frage, ob Organe entnommen werden dürfen. Inmitten tiefer Trauer sind viele Angehörige mit dieser Verantwortung schlicht überfordert. Das Ergebnis: Aus Unsicherheit und Selbstschutz entscheiden sich viele Familien im Zweifel gegen eine Spende.

Die Widerspruchslösung Organspende würde hier eine klare Orientierung bieten und den gesellschaftlichen Normalfall umkehren. Angehörige müssten nicht mehr mutmaßen oder stellvertretend entscheiden, sondern würden lediglich darüber informiert, ob ein Widerspruch der verstorbenen Person vorliegt.

Ein Blick auf europäische Nachbarländer wie Spanien oder Österreich zeigt, dass die Widerspruchsregelung in Kombination mit gut ausgebauten Klinikstrukturen zu deutlich höheren Spenderaten führt. Davon profitieren Patienten in Deutschland bereits heute über den internationalen Verbund Eurotransplant.

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Was der Vorstoß aus Rheinland-Pfalz beinhaltet

Neben der Verankerung der Widerspruchslösung im Transplantationsgesetz umfasst der interfraktionelle Antrag aus Mainz weitere wesentliche Punkte:

  • Prüfung neuer Spendeformen: Die wissenschaftliche und rechtliche Machbarkeit der Organspende nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand soll intensiv evaluiert werden.
  • Bessere Information: Die Informationsangebote für die Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz sollen noch verständlicher und schwellig angelegt werden.
  • Anerkennung für die Landesebene: Ausdrücklicher Dank ging an Gesundheitsminister Clemens Hoch, der dem Thema seit Jahren bundesweit Nachdruck verleiht.

Spannung vor der Bundestagsdebatte

Der Vorstoß aus Mainz trifft auf einen entscheidenden politischen Zeitpunkt: Im Deutschen Bundestag befasst sich das Parlament erneut mit einem fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf zur Reform der Organspende und für die Patienten auf den deutschen Wartelisten, für die jeder Tag zählt, setzt diese erneute Welle politischer Initiativen ein dringendes Signal.