StartÜberregionalLockerung beim Verbrennerverbot rückt näher

Lockerung beim Verbrennerverbot rückt näher

Deutschland und Frankreich haben sich nach intensiven Verhandlungen auf eine Reform der europäischen Automobil- und Klimapolitik geeinigt, wodurch sich eine entscheidende Wende beim geplanten EU Verbrennerverbot 2035 abzeichnet. Damit bleiben Verbrennermotoren, Hybride und E-Fuels auch in der nächsten Dekade eine Option für Autofahrer.

Das ursprünglich vorgesehene Aus für Neuwagen mit Verbrennungsmotor steht vor einer grundlegenden Überarbeitung, denn Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron haben sich kurz vor dem EU-Gipfeltreffen auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt.

Frankreich gibt seine bisherige Blockade im EU-Ministerrat auf, dadurch bricht die Sperrminorität mehrerer Mitgliedstaaten zusammen, womit der Weg für eine Anpassung der strengen Flottengrenzwerte frei wird.

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Kompromiss bringt Bewegung in EU Verbrennerverbot

Der Kompromiss basiert auf einem klassischen deutsch-französischen Interessenausgleich, denn während Berlin seit Langem darauf drängt, der kriselnden Automobil- und Zulieferindustrie mehr Zeit und Flexibilität bei der Umstellung auf die Elektromobilität einzuräumen, forderte Paris stärkere Schutzmaßnahmen für den europäischen Markt.

Im Gegenzug für die französische Zustimmung zur Lockerung beim Verbrennerverbot gibt Deutschland seine Blockadehaltung beim von Macron forcierten „Industrie-Beschleuniger-Gesetz“ auf, dieses Regelwerk sieht vor, dass staatliche Fördergelder und öffentliche Ausschreibungen künftig an strengere „Made in Europe“ Klauseln gebunden sind. Beide Partner wollen damit die europäische Fahrzeugproduktion vor allem gegen die Konkurrenz stark subventionierter Elektrofahrzeuge aus China abschirmen.

Was die neuen Regeln für Autofahrer bedeuten

Kern des Kompromisses ist eine Anpassung des CO2-Reduktionsziels für Neuwagen ab dem Jahr 2035. Statt der ursprünglich geplanten Reduktion um 100 Prozent im Vergleich zum Jahr 2021 soll die Vorgabe nun auf 90 Prozent gesenkt werden, die konservative EVP-Fraktion im Europäischen Parlament plädiert sogar für noch weitergehende Erleichterungen.

Durch diese Absenkung fällt das strikte Verkaufsverbot für Verbrennungsmotoren weg, auch nach 2035 bleiben Neuwagen mit Hybridantrieb, Benzingeneratoren (sogenannte Range Extender) oder klassischen Verbrennungsmotoren zulassungsfähig.

Voraussetzung hierfür ist, dass verbleibende CO2-Emissionen durch den Einsatz von klimaneutralen E-Fuels oder die Nutzung von grünem Stahl in der Produktion bilanziell kompensiert werden.

Erleichterung in der Automobilbranche

In der europäischen Automobilwirtschaft stößt der Vorstoß auf große Erleichterung. Branchenvertreter hatten wiederholt gewarnt, dass der schleppende Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie die hohen Anschaffungskosten für reine Elektroautos die Absatzzahlen belasten.

Die Neuregelung zum Verbrennerverbot soll rechtzeitig vor dem EU-Gipfel in der kommenden Woche offiziell präsentiert werden. Während Wirtschaftsverbände die wiedergewonnene Planungssicherheit und die Orientierung an Technologieoffenheit begrüßen, äußern Umweltverbände scharfe Kritik am Abrücken von den ursprünglichen EU-Klimazielen.