Als Konsequenz aus dem historischen Tiefstand deutscher Schülerergebnisse der aktuellen PISA-Studie kündigt der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) eine spürbare Verschärfung der Vorschuldiagnostik an. Künftig sollen bereits viereinhalbjährige Kinder in Rheinland-Pfalz verpflichtende Tests zu Sprachkompetenz und Grundfähigkeiten absolvieren. Ziel ist es, Defizite vor dem ersten Schultag gezielt auszugleichen.
Das desaströse Abschneiden deutscher Jugendlichen im internationalen Bildungsvergleich führt zu ersten handfesten bildungspolitischen Reformvorschlägen auf Landesebene. Um der Negativentwicklung entgegenzuwirken, nimmt die Landesregierung von Rheinland-Pfalz nun die frühkindliche Bildung in den Blick.
Gordon Schnieder – Probleme sollen bereits vor der Einschulung erkannt werden
Ministerpräsident Gordon Schnieder betonte im Zuge der aktuellen Debatte, dass die Probleme vieler Schülerinnen und Schüler nicht erst in den weiterführenden Schulen entstehen, sondern bereits beim Betreten der Grundschule sichtbar werden. Sehr viele Erstklässler wiesen bei der Einschulung keine ausreichende Grundschulreife auf.
Neben der unabdingbaren Voraussetzung, dass Kinder beim Schuleintritt die deutsche Sprache beherrschen müssen, fehlen nach Beobachtung des Landespolitikers zunehmend auch grundlegende praktische Fähigkeiten. Das korrekte Halten eines Stiftes, der Umgang mit der Schere oder das selbstständige Binden von Schnürsenkeln stellen für immer mehr Schulanfänger eine Überforderung dar.
Pflichtprüfungen für Viereinhalbjährige
Um diesem Trend entgegenzuwirken, setzt Mainz auf ein flächendeckendes Testverfahren für Vorschulkinder. Bereits im Alter von viereinhalb Jahren sollen die sprachlichen und motorischen Fertigkeiten der Kinder systematisch erfasst werden. Der Ansatz der Landesregierung folgt dabei einer klaren Logik: „Wir müssen vorne anfangen, damit wir hinten raus nicht reparieren müssen“, stellte Schnieder klar.
Werden bei den Überprüfungen Defizite festgestellt, soll verbleibende Zeit bis zur Einschulung genutzt werden, um die Kinder in Kitas oder speziellen Förderprogrammen gezielt auf den Schulalltag vorzubereiten. Wer in die Schule kommt, müsse dem Unterricht von Tag eins an folgen können.
Strukturreformen gefordert
Gordon Schnieder unterstrich, dass Deutschland als rohstoffarmes Land zwingend auf die bestmögliche Bildung seiner Kinder angewiesen sei. Neben den geplanten Sprachtests in Rheinland-Pfalz zeigte er sich offen für einen nationalen Bildungsgipfel, um länderübergreifende Standards und Reformen voranzutreiben.
Für Eltern sowie Erzieherinnen und Erzieher in Rheinland-Pfalz bedeutet der Vorstoß, dass der Übergang von der Kita in die Grundschule künftig verbindlicher und stärker diagnostisch begleitet wird. Ob die angekündigten Tests und anschließenden Fördermaßnahmen ausreichen, um den Folgen des PISA-Schocks nachhaltig zu begegnen, wird von der konkreten personellen und finanziellen Ausstattung der Kitas und Grundschulen im Land abhängen.







