Deutschland galt lange als Bargeldland. Für 2025 stimmt dieses Bild erstmals nur noch eingeschränkt: Laut der am 17. Juni 2026 veröffentlichten Studie der Deutschen Bundesbank zum Zahlungsverhalten wurden 55 Prozent aller erfassten Einkäufe bargeldlos bezahlt. Bargeld kam laut Bundesbank bei 45 Prozent aller Zahlungen zum Einsatz, 6 Prozentpunkte weniger als 2023. Erhoben wird das Zahlungsverhalten in Deutschland, entschieden wird es an jeder Ladenkasse zwischen Bingen und Wiesbaden.
Wer die Studie weiterliest, findet das alte Bild in Teilen bestätigt. Die Debitkarte, allen voran die Girocard, kam laut Bundesbank auf 26 Prozent aller Zahlungen, mobile Verfahren auf 10 Prozent, 4 Prozentpunkte mehr als 2023, und Internetbezahlverfahren verdoppelten ihren Anteil auf 6 Prozent. Keine dieser Zahlungsarten erreicht für sich den Anteil des Bargelds. „Der Trend hin zu bargeldlosen Zahlungen setzt sich fort. Bargeld war dennoch weiterhin das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel“, erklärte Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz in der Mitteilung.
Die Schweiz zahlt vor Ort mit der Debitkarte und im Netz per App
Wie das Nachbarland bezahlt, hat die Schweizerische Nationalbank am 30. März 2026 vorgelegt. Sie befragte im Herbst 2025 rund 2.000 Personen mit Wohnsitz in der Schweiz; die Umfrage wird künftig jährlich statt alle zwei Jahre durchgeführt. Vor Ort liegt demnach die Debitkarte vorn, gefolgt vom Bargeld und von Bezahl-Apps. Die Rangfolge in den beiden Ländern unterscheidet sich also schon an der Spitze. Abschaffen will das Bargeld kaum jemand: Nur 2 Prozent der Befragten sprachen sich laut Nationalbank 2025 dafür aus. Im Distanzgeschäft, also in Onlineshops und in Apps, wird laut ihrem Bericht am häufigsten mit Bezahl-Apps bezahlt, in der Schweiz vorwiegend mit Twint.
Die Gewohnheit, per App zu bezahlen, endet nicht beim Onlinehandel. Sie reicht von der Rechnung im Online Banking bis in den Schweizer Markt für Geldspiele, auf dem ein Online-Angebot eine vom Schweizer Bundesrat erweiterte Konzession voraussetzt. Zum Beispiel werden Automaten- und Tischspiele im online Casino Schweiz mit Guthaben gespielt. Eingezahlt wird dort unter anderem per Twint, Karte oder Banküberweisung, ausschließlich in Franken. Für Leser zwischen Mainz und Wiesbaden bleibt das ein Blick über die Grenze, die Bezahl-App dahinter ist aber dieselbe wie im übrigen Schweizer Distanzgeschäft.
Fast jede Verkaufsstelle nimmt Bargeld, nicht jedes Amt
Das Bargeld ist damit nicht abgeschrieben. 80 Prozent der Befragten halten es laut Bundesbank für wichtig, dass weiterhin bar bezahlt werden kann, und bei Einkäufen vor Ort war das 2025 in 94 Prozent der Fälle möglich. Eine weitere Untersuchung der Bundesbank prüfte die Bargeldannahme im Sommer 2025 mit rund 2.060 Testkäufen statt per Befragung: 99,4 Prozent der aufgesuchten Verkaufsstellen akzeptierten demnach Bargeld. Bei Behörden dagegen ließ sich in acht von 30 Fällen eine Leistung wie ein neuer Personalausweis oder eine Kfz-Zulassung nicht bar bezahlen. Vor einem solchen Behördengang im Kreis Mainz-Bingen sollte die akzeptierte Zahlungsart daher vorab geprüft werden.
Getestet wird der digitale Euro erst 2027, beschlossen ist er nicht
Unterdessen sucht die Europäische Zentralbank, wie die Bundesbank in Frankfurt ansässig, bis zum 27. Oktober 2026 Händler aus dem Online- und Mobilhandel für den Test des digitalen Euro. Das Pilotprojekt soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen und zwölf Monate dauern. Auf den Aufruf vom März 2026 bewarben sich laut EZB mehr als 50 Zahlungsdienstleister, 36 von ihnen wurden ausgewählt. Eine erste Ausgabe im Jahr 2029 hält die EZB für möglich, sofern die Verordnung zum digitalen Euro 2026 angenommen wird; ob sie ihn überhaupt ausgibt, will sie erst nach dieser Annahme entscheiden.
Wahlfreiheit gilt für das Zahlungsmittel wie für den Betrag
Was beide Notenbanken messen, ist eine Gewohnheit, keine Vorschrift. Balz hat die Strategie in der Mitteilung so gefasst: Neben dem digitalen Euro gehe es um europäische Bezahlverfahren wie Wero und um mehr Echtzeitüberweisungen. Das letzte Wort, heißt es dort weiter, hätten die Menschen, die auch künftig frei wählen sollen, wie sie bezahlen. Für den Betrag gilt dieselbe Freiheit, und beim Spielen um Geld in der Schweiz müssen die Spielbanken Möglichkeiten bieten, Spieldauer, Spielhäufigkeit oder Verluste zu beschränken, so die Eidgenössische Spielbankenkommission. Ein Einzahlungslimit hilft dabei nur, wenn es vor dem ersten Einsatz festgelegt und nach einem Verlust nicht nachgeschossen wird.
An der Ladenkasse in Mainz, Ingelheim oder Wiesbaden ändert sich damit vorerst weniger, als die Zahl 55 vermuten lässt. Womit der Bäcker bezahlt wird, entscheidet weiterhin, wer vor der Theke steht.
Am 27. Oktober endet die Händlerfrist der EZB für das Pilotprojekt, und in der Schweiz läuft laut Nationalbank bereits die Umfrage für 2026.




