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Ausbreitung des West-Nil-Virus in Deutschland

Das West-Nil-Virus breitet sich in Deutschland aus. Erfahren Sie alles über Infektionswege, Symptome, Prävention und medizinische Diagnostik.

Urspünglich aus den Tropen stammend, gelangte das West-Nil-Virus durch Zugvögel in die Gebiete des Mittelmeers und nach Europa. Während der Erreger in Südeuropa seit langem saisonal im Sommer übertragen wird und dort in Regionen wie Italien, Griechenland, Frankreich oder auf dem Balkan überwintert, hat sich das Verbreitungsgebiet in den vergangenen Jahren stetig nach Norden ausgeweitet. Nach Erstnachweisen bei Vögeln und Pferden im Jahr 2018 werden seit 2019 auch in Deutschland durch Stechmücken übertragene Infektionen beim Menschen registriert.

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Übertragungswege und saisonale Ausbrüche

Die primäre Zirkulation des Erregers erfolgt in einem biologischen Kreislauf zwischen wildlebenden Vögeln und Stechmücken. Als Hauptvektor in Deutschland gelten die weit verbreiteten Culex-Mücken. Menschen und Säugetiere wie Pferde fungieren hingegen als Fehlwirte: Sie entwickeln lediglich eine geringe Virämie im Blut und dienen somit selbst nicht als Infektionsquelle für weitere Insekten. Häufungen toter Vögel oder erkrankter Tiere dienen Überwachungsbehörden häufig als Indikator, um Untersuchungen auf die Bevölkerung auszuweiten.

Ausbrüche stehen in engem Zusammenhang mit klimatischen Bedingungen, die das Vorkommen der Mücken begünstigen. In Deutschland erstreckt sich die Hauptübertragungszeit vor allem auf den Spätsommer und den Frühherbst. Seltene Übertragungswege beim Menschen umfassen zudem Organtransplantationen, Bluttransfusionen sowie die vertikale Übertragung während der Schwangerschaft, so berichtet es das RKI.

Infektionslage und Etablierung in Deutschland

Monitoring-Programme des Bernhard-Nocht-Instituts (BNI) und des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) wiesen das West-Nil-Virus (Subtyp 2) zunächst überwiegend bei Tieren in Ostdeutschland nach. Seit dem Spätsommer 2019 treten jährlich zwischen 4 und 35 autochthone, also lokal erworbene Infektionen beim Menschen auf. Die Schwerpunkte liegen weiterhin in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, jedoch meldeten in den letzten Jahren auch Bundesländer wie Bayern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz einzelne Fälle.

Das wiederholte Auftreten über mehrere Jahre belegt, dass das West-Nil-Virus in Deutschland überwintert. Experten rechnen daher mit einer fortschreitenden geografischen Ausweitung. Da ein Großteil der Infektionen symptomlos verläuft, ist von einer hohen Dunkelziffer nicht diagnostizierter Fälle auszugehen. Unabhängig von heimischen Ansteckungen werden zudem regelmäßig Infektionen bei Reiserückkehrern aus Endemiegebieten erfasst.

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Klinischer Verlauf und Therapiemöglichkeiten

In etwa 80 Prozent der Fälle verläuft die Ansteckung vollkommen beschwerdefrei. Rund 20 Prozent der Betroffenen entwickeln nach einer Inkubationszeit von 2 bis 14 Tagen das akute West-Nil-Fieber. Dieses geht mit schlagartig einsetzendem hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen sowie ausgeprägter Abgeschlagenheit einher. Bei der Hälfte dieser Patienten zeigt sich ein makulopapulöses Exanthem, das sich vom Rumpf auf Extremitäten und Kopf ausbreitet.

Eine schwere, neuroinvasive Verlaufsform betrifft etwa eine von 100 infizierten Personen. Dabei kann es zu einer aseptischen Meningitis oder einer potenziell lebensbedrohlichen Enzephalitis kommen. Zu den neurologischen Symptomen zählen Bewusstseinsstörungen, schlaffe Lähmungen, Koordinationsstörungen (Ataxie), Anfälle sowie Entzündungen der Hirnnerven. Während unkomplizierte Verläufe rasch abklingen, verbleiben nach einer Enzephalitis bei rund der Hälfte der Betroffenen langfristige Folgeschäden. Bei neuroinvasiven Verläufen liegt die Sterblichkeit bei 5 bis 10 Prozent, wobei ältere Personen und Menschen mit Vorerkrankungen besonders gefährdet sind. Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht; die Behandlung erfolgt rein symptomatisch.

Prävention und Expositionsprophylaxe

Da bislang kein zugelassener Impfstoff für den Menschen zur Verfügung steht, bildet die Expositionsprophylaxe die zentrale Schutzmaßnahme. Personen in Endemiegebieten – insbesondere Risikogruppen – sollten Mückenstiche durch geeignete Kleidung, die Verwendung von Repellents, Fliegengittern sowie das Beseitigen potenzieller Mückenbrutstätten im Wohnumfeld vermeiden.

Diagnostik und rechtliche Bestimmungen

In betroffenen Regionen sollten Ärzte bei unklaren Enzephalitiden, aseptic Erkrankungen des Nervensystems oder gehäuftem Fieber mit Hautausschlag eine Testung auf das West-Nil-Virus veranlassen. In kombinierten Risikogebieten ist eine Abgrenzung zu FSME erforderlich. In der Frühphase erfolgt der Erregernachweis mittels RT-PCR aus Vollblut, Serum oder Urin. Später sichert der Antikörpernachweis via ELISA (IgM/IgG) die Diagnose, wobei serologische Kreuzreaktionen mit anderen Flaviviren durch einen Plaque-Reduktions-Neutralisationstest (PRNT) ausgeschlossen werden müssen.

Nach § 7 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht für den direkten oder indirekten Nachweis des Erregers eine namentliche Meldepflicht. Zum Schutz von Blutprodukten ordnet das Paul-Ehrlich-Institut für Spendewillige aus Betroffenengebieten zwischen dem 1. Juni und dem 30. November eine 28-tägige Rückstellung oder eine Testung mittels WNV-RNA-PCR an.