Er zählt zu den maßgebenden Städteplanern der Nachkriegszeit in Deutschland und hatte entscheidenden Anteil am Wiederaufbau der Stadt Mainz nach dem Zweiten Weltkrieg: Egon Hartmann (1919-2009). Die Sonderausstellung „Egon Hartmann und der Wiederaufbau von Mainz“ im Landesmuseum Mainz – entstanden in Kooperation zwischen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) und dem Deutschen Werkbund Rheinland-Pfalz – erinnert an den in Vergessenheit geratenen Architekten, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.

„Egon Hartmann entwarf die Pläne für den Wiederaufbau unserer Stadt und hat damit ein wichtiges Kapitel der Mainzer Baugeschichte geschrieben“, betonte der Oberbürgermeister der Stadt Mainz, Michael Ebling, am vergangenen Wochenende bei der Ausstellungseröffnung im Landesmuseum. „Ich freue mich daher sehr, dass im Landesmuseum nun eine Ausstellung gezeigt wird, die das bedeutende Werk Egon Hartmanns sehr anschaulich darstellt.“

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Schlüsselfigur im Wiederaufbau

Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE, unterstrich die überregionale Bedeutung des Stadtplaners. „Er war eine der Schlüsselfiguren, die den Wiederaufbau in vielen Städten Deutschlands mit viel Weitblick und einem feinen Gespür für die Identität der jeweiligen Stadt auf den Weg gebracht haben. Umso wichtiger ist es, dass wir Egon Hartmann nun wieder ins Gedächtnis der Mainzerinnen und Mainzer rufen. Ein Dank geht an dieser Stelle auch an den Deutschen Werkbund, insbesondere an Prof. Emil Hädler und Dr. Ing. Rainer Metzendorf, für die hervorragende Zusammenarbeit“.

Der Architekt und Städteplaner Hartmann geriet lange in Vergessenheit, obwohl er in ganz Deutschland, im Osten und Westen, Spuren hinterließ. In der Ausstellung veranschaulichen Pläne, Fotos und Dokumente, welchen Anteil Hartmann am Wiederaufbau vom in weiten Teilen zerstörten Mainz hatte. Hartmann kam 1954 zusammen mit seiner Familie nach Mainz und wurde Mitarbeiter im Baudezernat der Stadt. Er geriet in den langen schwelenden Streit um den Wiederaufbau der Stadt. Favorisiert wurde die Leitidee einer autogerechten Stadt.

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Heutigest Stadtbild geht auf Hartmann zurück

Hartmann hingegen schlug einen „gemäßigten“ Wiederaufbau vor. Er plädierte für eine eher beruhigte Verkehrsführung unter Beibehaltung der alten Innenstadtstrukturen sowie des bestehenden Straßensystems. Zugleich arbeitete er an Einzelprojekten wie der Ludwigsstraße, der Großen Bleiche, dem Regierungsviertel um den Schlossplatz und der Siedlung Hartenberg. Unter Baudezernent Hans Jakobi, der sich vehement für die autogerechte Stadt einsetzte und sich somit gegen die Pläne von Egon Hartmann stellte, verschärfte sich der Konflikt in der Bauverwaltung um den Wiederaufbau der Stadt. Hartmann, der zeitweise von dem Projekt abgezogen wurde, beteiligte sich 1958 am Wettbewerb „Hauptstadt Berlin“ (West) und gewann den zweiten Platz – und landete damit noch vor einer Architekturgröße wie Le Corbusier.

Nach längeren Auseinandersetzungen innerhalb der Bauverwaltung wurde 1958 der renommierte Stadtplaner Ernst May zum Planungsbeauftragten der Stadt Mainz bestellt. Er übernahm alle Ideen Hartmanns für die Innenstadt. Mays Pläne wurden 1958/59 vom Stadtrat beschlossen und bildeten die Grundlage für den weiteren Aufbau von Mainz. „Zentrale Aspekte des heutigen Stadtbilds gehen auf die Ideen Egon Hartmanns zurück.

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Ausstellung skizziert den Wiederaufbau von Mainz

In der Ausstellung zeichnen wir die Historie der Baumaßnahmen aus dieser Zeit nach und liefern zugleich neue Einblicke in die städtebauliche Geschichte von Mainz“, erläuterte Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseums Mainz. „Mainz war für Egon Hartmann ein besonderes Projekt, für das er sich sehr eingesetzt hat. Schließlich hat er auch über die städtebauliche Entwicklung von Mainz promoviert“, sagte Dr. Eduard Sebald, Kustos im Landesmuseum. „Dass er nun im

Landesmuseum die Würdigung erfährt, die sein fachlich herausragendes Werk zweifellos verdient, freut mich ganz besonders“.

Hartmann verließ 1959 Mainz und wechselte nach München. Der in Reichenberg im heutigen Liberec, Tschechien, geborene Hartmann studierte nach dem Zweiten Weltkrieg Architektur in Weimar. Bevor er in den Westen ging, hinterließ der junge Architekt in der DDR seine ersten Spuren. Neben vielen kleineren Projekten entwarf er 1951 das damalige Verwaltungshochhaus der thüringischen Landesregierung, des späteren Bezirks Erfurt. Das erste Hochhaus der DDR ist heute Teil des Thüringischen Landtags. 1952 gewann er den Wettbewerb zur Planung der Stalin-Allee, der heutigen Karl-Marx-Allee im Ostteil Berlins. Dafür erhielt er den Nationalpreis der DDR, die höchste Auszeichnung für einen Künstler.

Die Sonderausstellung im Landesmuseum Mainz skizziert die Geschichte des Wiederaufbaus von Mainz. Im zugehörigen Katalog wird darüber hinaus erstmals das Oeuvre Hartmanns komplett erfasst. Ein Rahmenprogramm mit vier Vorträgen und Sonderführungen ergänzt die Sonderschau, die bis 1. März 2020 zu sehen ist.

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Chiara Forg ist seit 2020 für BYC-News tätig und begleitet die Entwicklung des Online-Nachrichtenportals seither maßgeblich. Als Redakteurin ist sie fest in der Region Rhein-Main verwurzelt und befasst sich täglich mit den Themen, die die Menschen in Mainz, Ingelheim, dem Kreis Groß-Gerau und der weiteren Umgebung bewegen. Ihren Hintergrund bildet eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement sowie eine anschließende mehrjährige Tätigkeit bei Coface in Mainz. Der Werdegang bildet heute das Fundament für ihre Arbeit in der Nachrichtenredaktion, bei der die verlässliche Aufbereitung lokaler Themen im Mittelpunkt steht. Ihr redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der Berichterstattung für die gesamte Rhein-Main-Region. Ihr Themenspektrum ist dabei bewusst breit gefächert: Es reicht von der Begleitung lokaler Projekte und Ereignisse über die Blaulicht-Berichterstattung bis zu gesellschaftlichen Entwicklungen. Dabei legt sie besonderen Wert darauf, die Dynamik der Region in ihrer Berichterstattung abzubilden sowie komplexere Hintergründe für die Leserinnen und Leser verständlich und nahbar aufzubereiten.