StartWirtschaftVolkswagen: Aus für die Marke Seat und vier deutsche Werke

Volkswagen: Aus für die Marke Seat und vier deutsche Werke

Der VW-Vorstand will die spanische Marke Seat offenbar bis 2029 auslaufen lassen

Volkswagen steht offenbar vor einem weitreichenden Umbau. Nach Informationen der „WirtschaftsWoche“ plant der Vorstand nicht nur das Ende der spanischen Traditionsmarke Seat, sondern auch das schrittweise Auslaufen der Fahrzeugproduktion an vier deutschen Standorten. Betroffen wären die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm.

Die Pläne gehen aus internen Unterlagen hervor, über die die „WirtschaftsWoche“ berichtet. Der VW-Aufsichtsrat soll sich am Freitag mit den Vorhaben beschäftigen. Eine endgültige Entscheidung des Kontrollgremiums steht damit noch aus. Volkswagen selbst wollte die Inhalte der Aufsichtsratsunterlagen nicht kommentieren.

Seat soll spätestens 2029 auslaufen

Besonders weitreichend ist der geplante Rückzug von Seat. Die spanische Traditionsmarke soll in den Konzernplänen für das Jahr 2030 nicht mehr auftauchen. Nach dem Bericht der „WirtschaftsWoche“ soll die Marke spätestens Ende 2029 vom Markt verschwinden.

Volkswagen will sich demnach innerhalb der Markengruppe stärker auf die Schwestermarke Cupra konzentrieren. Die sportlich positionierte Marke hat Seat bei den Verkaufszahlen inzwischen überholt. Im ersten Halbjahr 2026 wurden dem Bericht zufolge 170.100 Cupra-Fahrzeuge ausgeliefert. Seat kam im gleichen Zeitraum auf 129.600 Fahrzeuge.

In den internen Unterlagen wird die strategische Neuausrichtung dem Bericht zufolge damit begründet: „Eine Fortführung von Seat in der bisherigen Form würde zusätzliche Ressourcen binden, während die strategische Weiterentwicklung innerhalb der Markengruppe Cupra fokussiert werden soll.“

Der Konzern verspricht sich von der Konzentration unter anderem geringere Kosten und einfachere Strukturen.

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Vier deutsche VW-Werke sollen Produktion verlieren

Parallel dazu plant der VW-Vorstand offenbar das Ende der Fahrzeugproduktion an vier deutschen Standorten. Nach dem internen Konzept soll die Produktion in Emden und Zwickau 2031, in Hannover 2032 und im Audi-Werk Neckarsulm 2034 auslaufen.

Die Pläne bedeuten dabei nicht zwangsläufig, dass die jeweiligen Standorte vollständig geschlossen werden. Vielmehr ist in den Unterlagen vom sogenannten „Leerlaufen von Werken“ die Rede. Die konkrete Zukunft der Standorte und mögliche neue Nutzungen sind damit von der Frage des Produktionsendes zu unterscheiden.

Mehrere der betroffenen Werke sind derzeit wichtige Produktionsstandorte für Elektrofahrzeuge. In Emden werden unter anderem der ID.4 und der ID.7 gefertigt, in Zwickau der ID.3, der Cupra Born und der Audi Q4 e-tron. Hannover produziert unter anderem den ID. Buzz. In Neckarsulm werden Audi-Modelle gefertigt.

Vorstand sieht Wettbewerbsfähigkeit unter Druck

Als Begründung für den geplanten Konzernumbau werden laut „WirtschaftsWoche“ wirtschaftliche Gründe genannt. Die bestehenden Geschäftsmodelle und Strukturen würden demnach nicht mehr ausreichen, „um die Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität des Volkswagen-Konzerns langfristig sicherzustellen“.

Der VW-Vorstand soll das in dem Papier beschriebene Transformationskonzept einstimmig beschlossen haben. Die endgültige Entscheidung über die weiteren Schritte soll nun der Aufsichtsrat treffen.

Mit den Plänen würde Volkswagen seine Produktionslandschaft in Deutschland in den kommenden Jahren erheblich verändern. Gleichzeitig sollen Nachfolgemodelle teilweise an andere europäische Standorte verlagert werden.

Widerstand von Arbeitnehmervertretern erwartet

Die möglichen Werksschließungen sorgen bereits für Widerstand bei Arbeitnehmervertretern und der IG Metall. Die Gewerkschaft kritisiert unter anderem, dass die Pläne aus ihrer Sicht bestehenden Vereinbarungen zur Beschäftigungs- und Standort­sicherung widersprechen könnten.

Die geplante Neuausrichtung ist Teil eines umfassenderen Sanierungsprogramms bei Volkswagen. Reuters berichtet, dass der Konzern vor einem der umfangreichsten Umbauprogramme seiner Geschichte steht. Im Raum stehen demnach unter anderem der Abbau von bis zu 70.000 Arbeitsplätzen, die Reduzierung von Produktionskapazitäten und eine Neuordnung einzelner Konzernbereiche.

Entscheidend ist zunächst die Sitzung des Aufsichtsrats am Freitag. Erst danach wird feststehen, welche der derzeit berichteten Pläne tatsächlich beschlossen werden.