Der Fachkräftemangel ist schon lange kein ländliches Problem mehr: Selbst im urbanen Raum zwischen Frankfurt, Mainz und Wiesbaden bleiben immer mehr Schreibtische leer. Besonders in Verwaltung, Vertrieb und Marketing finden mittelständische Betriebe kaum noch geeignetes Personal – und die offenen Stellen wachsen schneller, als sie besetzt werden können. Es scheint also naheliegend, einen Teil der zuvor von menschlicher Arbeitskraft ausgeführten Aufgaben zu automatisieren. Für die einen klingt das wie ein Vorbote des Stellenabbaus, für die anderen ist es die einzig realistische Antwort auf einen Arbeitsmarkt, der schlicht keine Fachkräfte mehr hergibt.
Der Fachkräftemangel ist mittlerweile ein struktureller Dauerzustand
Ein Blick auf die Zahlen von IHK und Agentur für Arbeit unterstreicht die Dramatik. In Hessen waren zuletzt rund 122.000 Stellen unbesetzt, viele davon in mittelständischen Betrieben. In Rheinland-Pfalz zeichnet sich ein ähnliches Bild. Schon 2025 blieb rechnerisch rund ein Drittel aller Stellen für Qualifizierte unbesetzt. Dementsprechend belastend ist die Situation für die suchenden Betriebe: Laut IHK Rheinland-Pfalz sehen 64 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel als ihr größtes Geschäftsrisiko. Doch qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber lassen sich natürlich nicht per Fingerschnipp ins Unternehmen holen. Die automatische Kundenpflege hingegen kann man auch ohne spezielle IT-Kenntnisse erstaunlich schnell einrichten.
Automatisierung als Antwort auf die knappe Personaldecke?
Was früher eine ganze Marketingabteilung beschäftigte, läuft immer öfter komplett im Hintergrund. Laut Bitkom arbeiten bereits heute rund 43 Prozent der deutschen Unternehmen mit einer E-Mail Marketing Automation, um bestehende Kontakte zu pflegen oder Interessenten planmäßig nachzufassen: Begrüßungsmails, Erinnerungen oder Angebote gehen nach einmal festgelegten Regeln von selbst raus, ohne dass jemand individuelle Nachrichten generieren oder gar von Hand tippen müsste.
Bitkom nennt zur Wirksamkeit klare Zahlen: 62 Prozent der Betriebe mit solchen Tools verbuchen klare Effizienzgewinne bei gleichzeitig eingesparter Arbeitszeit. Wer ohnehin keine zusätzliche Kraft fürs Marketing findet, gewinnt so wenigstens die Stunden zurück, die sonst in Kleinkram versickern.
Der erste Klick ist natürlich noch kein neuer Kontakt
Die eigene Kontaktdatenbank ist Grundlage jeder automatischen E-Mail-Strecke. Zunächst sollte man also eine Landing-Page erstellen, die User mit kurzen, präzisen Informationen zur Anmeldung für einen Newsletter weiterleitet. Hier braucht es keinerlei Schnickschnack, weshalb man die Sache auch ohne IT-Kenntnisse selbst in die Wege leiten kann. Auch die Kosten halten sich in einem sehr überschaubaren Rahmen.
Hat man über die Landing-Page einen Kontakt hinzugewonnen, übernimmt die zuvor beschriebene Mechanik: Die Daten landen automatisch im System, die passende Willkommensmail geht raus, der Rest läuft ebenfalls nach vorgezeichnetem Muster. So entsteht aus wenigen Bausteinen ein durchgängiger Weg vom ersten Klick bis zum betreuten Kontakt, für den ein Betrieb früher mehrere Hände gebraucht hätte.
Wie wirkt sich die E-Mail Marketing Automation auf den Arbeitsmarkt aus?
Wer reflexartig um den Verlust von Arbeitsplätzen bangt, kann beruhigt werden. Zwar weist McKinsey darauf hin, dass sich insgesamt rund die Hälfte aller traditionell durch Menschen erledigten Arbeitstätigkeiten automatisieren lassen. Komplett ersetzbar sind aber nicht einmal fünf Prozent aller heute gängigen Berufe. Die Automatisierung greift also selten den ganzen Job an, sondern beschränkt sich auf einzelne, meist wiederkehrende Handgriffe. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung beobachtet in diesem Zusammenhang noch einen zweiten Effekt: Wo Routineaufgaben verschwinden, entstehen neue Tätigkeitsfelder, etwa in der Datenpflege, der Analyse oder der Steuerung eben jener automatisierten Abläufe.
Die OECD wiederum findet in Regionen mit hohem Automatisierungspotenzial keinen Beleg für einen netto sinkenden Beschäftigungsstand. Das zeigen auch die Trends für den Arbeitsmarkt 2026: Im Marketing bleibt die kreative und strategische Arbeit beim Menschen, während die Software den repetitiven Teil übernimmt. Durch die hohe Zahl an offenen Stellen in den entsprechenden Bereichen verschiebt sich die Perspektive aber ohnehin: Die Werkzeuge füllen vor allem eine Lücke, die der Arbeitsmarkt nicht mehr schließen kann.
Dennoch haben viele Betriebe den Schritt in die Digitalisierung noch nicht gewagt
Trotz dieser Ausgangslage sind einige Unternehmen erstaunlich zögerlich. Auch hier hat der Fachverband Bitkom die Ursachen klar herausgearbeitet.
- 53 Prozent der Unternehmen nennen fehlendes internes Know-how als größte Hürde,
- 47 Prozent scheuen die Unsicherheiten rund um Datenschutz und DSGVO.
- Bei 41 Prozent hakt es an einem unklaren Return on Investment – die Sorge also, dass sich die Anschaffung am Ende nicht rechnet.
- Das Budget selbst spielt mit 32 Prozent eine überraschend kleine Rolle.
Das eigentliche Nadelöhr ist demnach weniger das Geld als das Wissen: Nur 31 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen verfügen überhaupt über eine Strategie, um solche Veränderungen im Betrieb zu begleiten. Doch wer automatisiert, muss die Belegschaft mitnehmen – und genau dort hakt es in vielen Fällen nach wie vor.
Warum sollten gerade Unternehmen in Rhein-Main eine Landing-Page erstellen?
Die Antwort findet sich in der regionalen Wirtschaftsstruktur. Allein im Kammerbezirk der IHK Frankfurt am Main sind rund 110.000 Unternehmen registriert, von denen rund 99 Prozent weniger als 500 Beschäftigte zählen. Wirtschaftlich prägend sind also nicht die Konzerne der Bankenskyline, sondern eine dichte Landschaft kleiner und mittlerer Betriebe. Dazu zählt der Dienstleister in Wiesbaden ebenso wie der Zulieferer in Groß-Gerau oder in Mainz. Zahlen dazu liefert auch das Hessische Statistische Landesamt: Frankfurt allein steuert rund ein Viertel der hessischen Wirtschaftsleistung bei, Wiesbaden noch einmal gut sechs Prozent. Gerade hier konkurrieren also vergleichsweise viele Betriebe um eine abnehmende Zahl an möglichen Bewerberinnen und Bewerbern.
Übrigens wirken Landingpages und andere Schritte der Digitalisierung eines Unternehmens auf Jobinteressierte keineswegs abschreckend. Im Gegenteil kann dies sogar zum Eingang von mehr qualifizierten Bewerbungen führen. Der Grund dafür? Das Unternehmen präsentiert sich als zukunftsfähig – und das ist ein guter Schutz vor wirtschaftlicher Schieflage.
Digitalisierung ist also kein Ersatz für Menschen, …
… sondern ein Werkzeug gegen den Stillstand. Wer die Zahlen nebeneinanderlegt, erkennt schnell, dass die Angst vor dem großen Stellenabbau an der Wirklichkeit des regionalen Mittelstands vorbeigeht. Wo in Hessen und Rheinland-Pfalz Zehntausende Stellen unbesetzt bleiben und ein Drittel der Positionen für Qualifizierte rechnerisch niemanden mehr findet, verdrängt Automatisierung keine Mitarbeitenden.
Stattdessen hält sie den Betrieb dort am Laufen, wo ohnehin keine Bewerbung mehr eingeht. Repetitiven Handgriffe wie das Verschicken immer gleicher Mails, das Nachfassen bei Interessenten oder das Pflegen der Kontaktdaten lassen sich also problemlos digitalisieren. Umgekehrt bekommen die knappen Fachkräfte Kopf und Hände frei für jene Aufgaben, die eine Maschine nicht allein übernehmen kann – zum Beispiel für das Gespräch mit dem Kunden oder neue kreative Ideen.








