BYC-NewsÜberregionalVideo von Robert Marc Lehmann bringt Politik und ITAW in Erklärungsnot

Video von Robert Marc Lehmann bringt Politik und ITAW in Erklärungsnot

Widersprüche zwischen Behördenaussagen und Einsatz-Dokumentation während der Wal-Rettung

Video von Robert Marc Lehmann: Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Tierärztlichen Hochschule Hannover steht nach neuen Veröffentlichungen im Zentrum einer öffentlichen Debatte. Ein Mitschnitt aus dem Funkverkehr des Rettungseinsatzes für den Buckelwal „Timmy“ widerspricht den bisherigen Darstellungen der fachlichen Leitung. Während das ITAW und Umweltminister Till Backhaus (SPD) auf einer Pressekonferenz betonten, den Biologen und Aktivisten Robert Marc Lehmann zu keinem Zeitpunkt aktiv ausgeschlossen zu haben, dokumentiert ein Funkspruch der Einsatzleitung nun das Gegenteil. In der Aufnahme wird explizit mit dem Ausschluss Lehmanns aus dem Bootsverband gedroht, sollte dieser seine eigenmächtigen Handlungen fortsetzen.

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Vorwurf der Selbstdarstellung vs. fachliche Expertise

Der Konflikt zwischen dem ITAW und Lehmann entzündete sich unter anderem an der Nutzung einer Kameradrohne und der medialen Begleitung des Einsatzes. Die Einsatzleitung warf dem als „Walflüsterer“ bekannten Biologen vor, sich als „Querschießer“ zu betätigen und primär die eigene Reichweite als „YouTube-Star“ im Blick zu haben. Auf der anderen Seite kritisierte Lehmann das Vorgehen der Experten vor Ort massiv. Er forderte zeitweise sogar das offizielle Kommando über die Operation, da die Schiffe des ITAW und der Begleitbehörden seiner Ansicht nach zu passiv agierten. Diese Forderung wurde jedoch strikt abgelehnt, was schließlich zum Abbruch seiner Teilnahme führte.

Kritik an der Kommunikation der fachlichen Leitung

Neben den strategischen Differenzen wirft das neue Videomaterial auch ein kritisches Licht auf den zwischenmenschlichen Umgang während des Einsatzes. In mehreren Sequenzen des Videos wird deutlich, wie Dr. Stephanie Groß vom ITAW offenbar mehrfach herablassend auf das Team der ehrenamtlichen Helfer einwirkte. Diese Art der Kommunikation gegenüber den freiwilligen Akteuren, die oft unter hoher emotionaler und physischer Belastung arbeiteten, verstärkte die Spannungen vor Ort zusätzlich. Die herabwürdigende Tonalität der fachlichen Leitung wird in der öffentlichen Diskussion als Indiz für eine mangelnde Kooperationsbereitschaft gegenüber nicht-institutionellen Experten und Helfern gewertet.

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Eskalation im Netz und Morddrohungen gegen Experten

Die öffentlich ausgetragene Kontroverse um die richtige Strategie bei der Rettung von „Timmy“ führte zu einer zunehmend aufgeheizten Dynamik in den sozialen Netzwerken. Nachdem das ITAW dem Wal bereits frühzeitig kaum Überlebenschancen attestiert hatte, entlud sich der Unmut zahlreicher Unterstützer von Robert Marc Lehmann in massiven Anfeindungen. Dabei gerieten nicht nur Experten des Instituts und beteiligte Politiker ins Visier, sondern auch Lehmann selbst wurde Ziel von Drohungen, die teilweise bis hin zu Morddrohungen reichten. Lehmann distanzierte sich später ausdrücklich von jeglicher Gewalt und herabwürdigenden Äußerungen, hielt jedoch an seiner fachlichen Kritik am ITAW fest. Die Lage vor Ort eskalierte zeitweise so stark, dass Privatpersonen versuchten, eigenmächtig zu dem gestrandeten Tier ins Wasser zu gelangen.

Aktueller Stand der Rettungsbemühungen

Trotz der Prognosen des ITAW, wonach der Wal aufgrund der verstrichenen Zeit sterben werde, läuft derzeit ein weiterer, privat finanzierter Rettungsversuch. Mit Unterstützung des Mediamarkt-Mitgründers Walter Gunz wird versucht, das Tier mittels einer speziellen Planen-Konstruktion zwischen zwei Pontons in Richtung Nordsee zu transportieren. Während die fachliche Leitung durch das ITAW den Fokus auf die wissenschaftliche Analyse und die geringen Erfolgsaussichten legte, setzt dieser neue Versuch auf maximale technologische Intervention. Der Fall „Timmy“ bleibt damit nicht nur ein biologisches Drama, sondern auch ein Beispiel für die schwierige Kommunikation zwischen staatlichen Institutionen und einflussreichen Akteuren der Zivilgesellschaft.

Das ITAW steht für das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung. Es handelt sich dabei um eine wissenschaftliche Einrichtung der Tierärztliche Hochschule Hannover, die sich mit der Erforschung von Wildtieren beschäftigt.

Kurz erklärt:

  • „Terrestrisch“ = an Land lebende Tiere
  • „Aquatisch“ = im Wasser lebende Tiere
  • → Das ITAW untersucht also sowohl Land- als auch Meerestiere

Aufgaben des ITAW:

  • Erforschung von Wildtieren und ihren Lebensräumen
  • Untersuchung von Krankheiten und Todesursachen bei Tieren
  • Beratung von Behörden bei Umwelt- und Tierschutzfragen
  • Begleitung von Einsätzen, z. B. bei gestrandeten Walen oder Meeressäugern

Im Fall von „Timmy“ war das ITAW als fachliche Leitung vor Ort und hat die wissenschaftliche Einschätzung sowie Teile der Einsatzstrategie übernommen.

Auch Greenpeace sieht derzeit keine Überlebenschancen für Wal Timmy.

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