Als Grundnahrungsmittel ist die Kartoffel heutzutage nicht mehr auf deutschen Speiseplänen wegzudenken: Als Pell-, Brat- und Salzkartoffel sowie als Pommes Frites wird sie genauso heiß geliebt wie auch als Kartoffelsalat gern kalt gegessen. Doch nun wurde die Kartoffel zur Giftpflanze des Jahres 2022 gekürt. Was an einer Kartoffel so giftig ist, dass ihr diese zweifelhafte Ehre zuteilwurde, erklärt Dr. Anja Luci, Ernährungsexpertin der KKH Kaufmännische Krankenkasse:

Stark giftig sind alle grünen Pflanzenteile

„Als Nachschattengewächs enthält die Kartoffel giftige Alkaloide, die sogenannten Solanine. Diese sind grundsätzlich in allen Teilen der Pflanze in unterschiedlich hoher Konzentration enthalten, am wenigsten davon in der essbaren Knolle. Stark giftig sind alle grünen Pflanzenteile sowie grüne und gekeimte Knollen. Beim Verzehr kann es zu ungewöhnlicher Erregung, Beschwerden im Magen- und Darmtrakt mit Durchfall und Erbrechen, multiple Blutungen insbesondere in der Netzhaut, Kopfschmerzen bis hin zu Atemnot, Krämpfen und Lähmungen kommen.“

Wichtig zu Wissen

Das macht nicht gerade Appetit auf Pommes, Pellkartoffel & Co. Was sollten Verbraucher:innen denn beachten, um sich vor einer Vergiftung zu schützen?

Dr. Luci: „Kartoffeln sollten grundsätzlich kühl und vor Licht geschützt gelagert werden. Am besten im Keller, in der Speisekammer oder in einer lichtundurchlässigen Papiertüte. Durch Lichteinfall bildet die Kartoffelknolle grüne Stellen und Keime. Diese enthalten das giftige Solanin in hoher Konzentration. Deswegen sollte man stark keimende Kartoffeln nicht mehr verzehren. Sind an der Knolle nur geringfügig kleine grüne Stellen vorhanden, kann man diese durch großzügiges Wegschneiden entfernen. Ebenso verfährt man, wenn sich nur kleine Keimstellen gebildet haben. Wichtig ist zu wissen, dass Solanin durch einen normalen Kochvorgang nicht zerstört wird, sondern erst bei Temperaturen von über 240 Grad Celsius.“

Gibt es denn auch weniger angstmachende Argumente, die für die Kartoffel sprechen?

Dr. Luci: „Aber ja natürlich! Als eine der ältesten Kulturpflanze bieten Kartoffeln eine große Menge gesundheitliches Potenzial. Gegenüber anderen Beilagen, wie beispielsweise Reis oder Nudeln, enthält die Kartoffel moderate 69 Kalorien auf 100 Gramm. Darüber hinaus ist sie eine ausgezeichnete Quelle für viele Vitamine und Mineralien. Zwar ist der Eiweißgehalt nicht besonders hoch, dafür aber sehr wertvoll für die weitere Verarbeitung im Körper. Und: Sie punktet mit einer beträchtlichen Menge an Vitamin C und einem hohen Kaliumanteil.“

Welche Regeln gibt es, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden?

Ist der überwiegende Teil der Kartoffelknolle mehr grün als braun und sind die Keimtriebe länger als 10 Zentimeter, entsorgen Sie die Knolle! Das gilt auch für beschädigte Kartoffeln.

Bevorzugen Sie überwiegend große Kartoffeln und davon die neueren Sorten, weil der Solaninanteil im Verhältnis zur Oberfläche, sprich Schale, dann am geringsten ist.

Lagern Sie geschälte und bereits gelagerte Kartoffeln nicht im Kühlschrank, weil sich an den Schnittstellen das giftige Solanin bildet. Damit schützt sich die Kartoffel selbst vor Infektionen. Geben Sie Kartoffelstücke in Wasser mit einem Schuss Essig und verarbeiten Sie diese dann innerhalb der nächsten 24 Stunden.

Da beim Kochvorgang das Solanin ins Kochwasser übertritt – wenn auch nur geringfügig – sollte dieses Wasser nicht weiter verwendet werden. Aus diesem Grund sollte auch das Frittierfett regelmäßig gewechselt werden.

Und ein letzter Rat zum Schluss: Sollte Ihr Kartoffelgericht seltsam bitter schmecken, sollten Sie auf keinen Fall weiteressen!

Hintergrund:

Seit 2005 wird vom Botanischen Sondergarten in Hamburg-Wandsbek jedes Jahr die Giftpflanze des Jahres präsentiert. Abstimmen kann jeder – und in diesem Jahr hat die Kartoffel das Rennen gemacht. Doch der Titel für die Kartoffel – Giftpflanze des Jahres 2022 – soll den Verzehr der stärkehaltigen Knollen keinesfalls beschränken, betont der Botanische Sondergarten: „Die Kartoffel soll vielmehr Botschafterin dafür sein, dass es mit wenigen Grundkenntnissen problemlos möglich ist, unfallfrei mit Giftpflanzen in Haus und Garten zu leben. Denn das Uhrwerk der Biodiversität ist auch auf die giftigen Vertreter in Flora und Fauna angewiesen.“