Wurden Clubbetreiber am vergangenen Wochenende vor Corona-Kontrollen des Ordnungsamtes gewarnt? In der Nacht von Freitag auf Samstag (24. Januar 2022) gab es eine Schwerpunktkontrolle vom Ordnungsamt Mainz in einer Diskothek in der Mombacher Straße. Das Ordnungsamt war gemeinsam mit Unterstützung der Polizei Mainz mit einer Vielzahl von Einsatzkräften im Einsatz. BYC-News berichtete bereits darüber. Weitere Recherchen auf Grundlage von Videomaterial und Audiodateien werfen viele Fragen auf.


Was war geschehen?

In der Nacht von Freitag auf Samstag waren rund 200 Personen im Imperial feiern – ohne Maske und ohne Abstand. Hiervon liegen BYC-News mehrere Videoaufnahmen vor, die zeigen, wie in dieser Nacht zahlreiche Personen entgegen der aktuell geltenden Richtlinien ohne Maske nah beieinander tanzten. Ebenfalls ersichtlich ist auf dem Videomaterial, dass einzelne Mitarbeiter des Clubs zeitweise keine Maske trugen. Auch der Merkurist hatte bereits am 12. Januar 2022 über einen ähnlichen Fall im Imperial berichtet.

Wie mehrere Augenzeugen gegenüber BYC-News berichteten, wies der DJ kurz vor der Kontrolle darauf hin, dass eine Kontrolle des Ordnungsamtes bevorstehe und bat darum, die Masken aufzusetzen und die Abstände einzuhalten. Diese Aussage wurde nochmals wiederholt mit dem Hinweis, dass Personen, die nicht registriert seien, die Räumlichkeiten über den Notausgang verlassen sollen. Das wurde von einigen Besuchern auch so umgesetzt, die sich damit der Kontrolle entzogen haben. BYC-News liegen entsprechende Audioaufnahmen vor und mehrere Personen, darunter auch Besucher und Angestellte des Clubs, bestätigten dies gegenüber unserer Redaktion und teilten mit, dass dieses Vorgehen bereits in der Vergangenheit so umgesetzt wurde. Die Redaktion hat alle eingehenden Informationen verifiziert und ausgiebig geprüft.

Kontrollmaßnahmen vor dem Imperial in der Nacht von Freitag auf Samstag | BYC-News | Foto: Privat

Keine Prüfung des Geimpft- und Genesenenstatus

Wenige Minuten später ging das Licht im Club an und es fand tatsächlich eine Kontrolle durch das Ordnungsamt statt. Zu diesem Zeitpunkt trugen alle Besucher ihre Masken. Doch woher wusste das Clubpersonal vorab von der Kontrolle? Solche Kontrollen sollten schließlich normalerweise unangekündigt stattfinden, ansonsten verfehlen sie grundsätzlich ihren Zweck.

Zudem teilten einige Gäste des Clubs gegenüber dieser Online-Zeitung mit, dass weder der Club noch das Ordnungsamt den Impf- und Genesenenstatus von Ihnen überprüft habe. Ob es sich dabei um Einzelfälle handelte oder von keinem der Gäste die Nachweise kontrolliert wurden, ist nicht bekannt.

Ordnungsamt überprüfte Registrierung der Club-Gäste

Das Ordnungsamt kontrollierte die Anmeldungen über die Luca-App sowie die handschriftlichen Registrierungen, berichteten Augenzeugen gegenüber BYC-News. Wie viele der Gäste tatsächlich registriert waren und welche Bußgelder gegen mögliche nichtregistrierte Personen verhängt wurden, ist nicht bekannt.

Aktuell befindet sich ein Schild an der Eingangstür der Lokalität, mit dem darauf hingewiesen wird, dass das Imperial zur Zeit geschlossen ist. Wie lange die Schließung des Clubs andauert, ist BYC-News aktuell nicht bekannt.

Schilder an der Eingangstür des Imperials | Foto: BYC-News

Recherchen von BYC-News

Recherchen von BYC-News in der Club-Szene ergaben, dass der Vorfall im Imperial kein Einzelfall war. Diese Hinweise sollen jeweils von einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes übermittelt worden sein, teilweise über Anrufe oder per Nachricht über einen Messengerdienst. Mehrere Quellen bestätigten gegenüber BYC-News, dass es sich dabei um einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes handeln soll, der früher selbst als Türsteher tätig war.

Bereits im vergangenen Jahr fiel das Ordnungsamt negativ auf

Schon häufiger war das Ordnungsamt der Landeshauptstadt Mainz durch das Handeln einzelner Bediensteter in Kritik geraten. So beispielsweise, als Mitarbeiter des Ordnungsamtes im April 2021 im Dienst mit Sturmhauben auftraten. Die Stadt Mainz hatte den Vorfall damals abgestritten. Kurze Zeit später kam es jedoch zu einem erneuten Vorfall, bei dem erneut Mitarbeiter des Ordnungsamtes mit Sturmhauben gesehen wurden.


Anfrage bei der Ordnungsdezernentin, Manuela Matz am Samstag

BYC-News hatte mehrfach bei der Stadtverwaltung bezüglich des Einsatzes angefragt. Am Samstag (22. Januar 2022) gegen 12:45 Uhr teilte Manuela Matz (CDU) mit, dass sie nichts Genaues zum Einsatz sagen könne und genauere Informationen erst am Montag (24. Januar 2022) erhalte.

Keine zwei Stunden später, um 14:40 Uhr veröffentlichte die Allgemeine Zeitung einen Bericht über den Vorfall. Die Zeitung zitiert Manuela Matz wie folgt: „Nach Angaben der Dezernentin hielten sich in der Nacht rund 150 Personen in dem Club auf. Manuela Matz: „Die Besucher trugen auch Masken – das war so weit in Ordnung.“ Als das Ordnungsamt allerdings den Club in der Nacht im Rahmen einer Routinekontrolle unter die Lupe nahm, hätten die Beamten festgestellt, dass nur von einem Teil der Besucher die Kontaktdaten registriert gewesen seien. Man habe sich „dann mit dem Betreiber geeinigt, dass zugemacht wird“. Im Rahmen ihrer Berichterstattung ging die Allgemeine Zeitung auch in diesem Fall wie mittlerweile üblich nicht auf die Informationen des ersten Beitrags von BYC-News ein.

Weshalb Frau Matz bereits kurze Zeit später weitere Informationen über den Einsatz des Ordnungsamtes mitteilen konnte, ist bislang unklar. Auch dies ist nicht der erste Fall, dass einem anderen Medium nur kurze Zeit später umfangreiche Informationen mitgeteilt werden konnten. Der Erstberichterstatter wurde dann allerdings nicht mehr über die vermeintlich neuen Informationen benachrichtigt.

Stellungnahme der Stadt Mainz auf Anfrage von BYC-News

Auf Anfrage von BYC-News von Samstag (22. Januar 2022) bei der Stadt Mainz teilte ein Sprecher der Stadt Mainz am Montag um 15:00 Uhr mit: Ab ca. 23:20 Uhr seien Aufklärungsmaßnahmen durch den kommunalen Vollzugsdienst in Zivil durchgeführt worden. Rund 90 Minuten später seien die Erkenntnisse durch die zivilen Bediensteten vor Ort an den Dienstgruppenleiter weitergegeben und mitgeteilt worden, dass mehrere mögliche Verstöße festgestellt wurden.

Die Mainzer Polizei habe man daraufhin zur Unterstützung mit angefordert. Die Kontrollmaßnahmen haben dann, nach Angaben der Stadt bis 4:10 Uhr angedauert. Ob die Lokalität den Barbetrieb beibehalten habe oder es doch zu feiernden und tanzenden Menschenmassen gekommen sei, könne die Stadt nicht mitteilen.


Fokus lag auf der Kontaktdatenerfassung

Da es sich vorwiegend um eine Kontrollmaßnahme nach der 29. Corona-Bekämpfungsverordnung gehandelt habe, seien die Ein- und Ausgänge nicht alle gesichert worden. Die eingesetzten Einsatzkräfte habe man vorzugsweise dafür eingesetzt, um möglichst schnell eine Vielzahl von Personen zu kontrollieren, teilte der Sprecher der Stadt Mainz weiter mit.

Warum die Kontrolle des Ordnungsamtes mit mindestens zwei Durchsagen des DJs angekündigt wurde, entziehe sich der Kenntnis der Stadtverwaltung.

Im Fokus des Vollzugsdienstes habe die Kontrolle der ordnungsgemäßen Kontakterfassung der Besucher gestanden. Da dies schon eine größere Zeitspanne in Anspruch nahm, sei entschieden worden, den Impf- und Genesenenstatus nicht auch noch zu kontrollieren.

Die Initiative zur Kontrolle sei vom Vollzugsdienst gekommen und nicht von der Mainzer Polizei.

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