Die Hoffnungen auf eine stabile Zukunft von Galeria Karstadt Kaufhof erhalten einen massiven Dämpfer. Interne Geschäftsberichte, die dem Spiegel vorliegen, zeichnen ein düsteres Bild: Massive Umsatzeinbußen und erbitterte Machtkämpfe in der Chefetage bringen den Warenhaus-Konzern nur zwei Jahre nach der letzten Rettung erneut in existenzielle Not.
Alarmierende Zahlen: Der freie Fall setzt sich fort
Trotz optimistischer Prognosen der Geschäftsführung zum Jahresende zeigen die aktuellen Zahlen eine deutliche Abwärtsspirale. Über den Jahreswechsel brach das Geschäft im Vergleich zum Vorjahr massiv ein:
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Umsatz: -9 Prozent
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Bruttogewinn: -11 Prozent
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Reingewinn: Über -17 Prozent
Der Gesamtbetriebsrat schlägt in einem Brandbrief an die Belegschaft Alarm. Man spricht von „fehlenden Kunden“ und einer „nicht erkennbaren strategischen Ausrichtung“. In der Branche wird bereits offen über die vierte Insolvenz spekuliert – ein Szenario, das laut Insidern bereits von ersten Managern als „Worst Case“ einkalkuliert wird.
Strukturkrise: Online-Handel überrollt die Warenhäuser
Die Probleme bei Galeria sind Teil eines langfristigen Trends. Während der stationäre Einzelhandel insgesamt seit 2003 ein leichtes Plus verzeichnen konnte, legte der Online-Handel im selben Zeitraum um 170,1 Prozent zu. Die klassischen Kaufhäuser verloren dagegen fast 35 Prozent ihres Umsatzes.
Machtkämpfe in der Chefetage
Hinter den Kulissen herrscht offenbar Chaos. Interne Konflikte über die richtige Strategie lähmten das Unternehmen zuletzt:
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Rabatt-Streit: Der heutige Chef Tilo Hellenbock wollte überschüssige Ware mit hohen Rabatten abverkaufen, stieß jedoch auf Widerstand beim damaligen Chef Olivier van den Bossche.
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Online-Strategie: Uneinigkeit über den Ausbau des Digitalgeschäfts führte schließlich zum Abgang von Bossche.
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Personal-Karussell: Nach mehreren Wechseln führt Hellenbock das Unternehmen nun allein, nachdem auch Christian Sailer auf Druck der Shareholder gehen musste.
Ausblick: Stabiles Fundament oder Kartenhaus?
Noch im Dezember versicherte die damalige Führung, das Unternehmen stehe auf einem „soliden finanziellen Fundament“ und sei für 2026 durchfinanziert. Die nun bekannt gewordenen Zahlen des Statistischen Bundesamtes und die internen Berichte lassen an dieser Darstellung jedoch erhebliche Zweifel aufkommen. Für die Innenstädte in der Rhein-Main-Region, in denen Galeria oft noch als Ankermieter fungiert, wäre ein Scheitern des Konzerns eine Katastrophe.




