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Rückkehr: Die Eiserne Front gründet sich neu

Obwohl die Wurzeln der Organisation historisch eng mit der Sozialdemokratie verwoben sind, legt der neugegründete Verein Wert auf parteipolitische Unabhängigkeit

Mehr als 90 Jahre nach ihrer Auflösung erlebt eine der bekanntesten Schutzorganisationen der Weimarer Republik eine Renaissance: Als Reaktion auf das Erstarken extremer Ränder hat sich die Eiserne Front neu formiert. Der überparteiliche Verein versteht sich als friedlicher Schutzbund für die Republik und verzeichnet ein zügiges Mitgliederwachstum.

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Polarisierung als Motiv für die Eiserne Front

Im Zuge der anhaltenden gesellschaftlichen Polarisierung setzt ein neues zivilgesellschaftliches Bündnis auf traditionelle Symbole der wehrhaften Demokratie.

Unter dem Namen „Eiserne Front – Demokratischer Schutzbund e. V.“ hat sich in diesem Jahr eine Organisation neu gegründet, die explizit an die demokratischen Traditionen des historischen Bündnisses von 1931 anknüpfen möchte.

Nach Angaben des Bundesvorsitzenden Leon M. Doll war der konkrete Anlass für den Schritt das Erstarken rechtsextremer Kräfte sowie das Wiederaufkommen autoritärer Ideologien im politischen Spektrum.

Entstanden aus einer Initiative von Gewerkschaftern, Sozialdemokraten und Antifaschisten, zählte der Verein bereits nach zwei Wochen über 60 Mitglieder und strebt im kommenden Jahr die Marke von 3.000 Unterstützern an.

Keine Militanz, sondern klares Bekenntnis zum Gewaltmonopol

Trotz der Anleihen beim historischen Vorbild betont die Eiserne Front-Führung den friedlichen und rechtsstaatlichen Charakter. Die Organisation versteht sich nicht als Ersatzpolizei und beansprucht keinerlei staatliche Befugnisse, das ausnahmslose Bekenntnis zur Gewaltfreiheit und zum staatlichen Gewaltmonopol sei in der Satzung verankert.

In der Praxis sieht sich der Bund als verbindende Struktur zwischen Vereinen, Gewerkschaften und Bürgerinitiativen. Die Aufgaben umfassen Ordnerdienste bei demokratischen Kundgebungen, die Begleitung gefährdeter Personen oder Journalisten sowie politische Bildungsarbeit und die Unterstützung gewerkschaftlicher Anliegen.

Parteipolitisch unabhängig – Spannungen mit konservativen Kräften

Obwohl die Wurzeln der Organisation historisch eng mit der Sozialdemokratie verwoben sind, legt der neugegründete Verein Wert auf parteipolitische Unabhängigkeit. Die Mitgliedschaft steht Angehörigen verschiedener demokratischer Parteien, etwa von Volt, der SPD, Grünen oder Linken, ebenso offen wie Parteilosen. Parteipolitische Werbung innerhalb der Vereinsstrukturen ist ausdrücklich untersagt.

Interessante Parallelen zur Weimarer Zeit zeigen sich in der aktuellen Debatte mit anderen Traditionsverbänden: Während zahlreiche Mitglieder des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold auch in der neuen Eisernen Front aktiv sind, existieren zu einzelnen konservativen Kreisen des Reichsbanners inhaltliche Differenzen über die politische Ausrichtung und die Interpretation der Historie.

Eigener Nachwuchsverband „Junge Pfeile“

Um gezielt jüngere Menschen zwischen 16 und 25 Jahren zu erreichen, hat die Organisation den Jugendverband „Junge Pfeile“ ins Leben gerufen. Damit soll vor allem demokratiefeindlichen und geschichtsrevisionistischen Erzählungen auf Social-Media-Plattformen wie TikTok, YouTube oder Twitch begegnet werden.

Für den kommenden Dezember plant der Verein eine erste große Tagung in Berlin, auf der herausragendes gesellschaftliches Engagement gewürdigt werden soll und versteht sich dabei nach eigenen Angaben nicht als Sehnsucht nach Vergangenem, sondern als Versprechen, die Fehler der Geschichte im heutigen Alltag nicht zu wiederholen.