Der großflächige Stromausfall in Berlin hat gezeigt, dass auch in Deutschland längere Stromunterbrechungen möglich sind. Ergänzend dazu fiel kürzlich in Taunusstein für über drei Stunden der Strom aus – ausgelöst durch einen Defekt an einem Erdkabel. Diese Vorfälle verdeutlichen: Stromausfälle können jederzeit auftreten.
Stromausfälle sind keine Zukunftsvision
Landrat Sandro Zehner betont: „Ein großflächiger oder länger andauernder Stromausfall ist kein Randereignis. Er betrifft alles gleichzeitig.“ Gleichzeitig warnt er die Bevölkerung: „Wir kommen nicht mit dem Aggregat zu jeder Steckdose. Nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil es faktisch unmöglich ist.“
Katastrophenschutz am Limit
Ein längerer Stromausfall stellt die Einsatzkräfte vor enorme Herausforderungen. Kreisbrandinspektor Christian Rossel erklärt: „Die Sicherstellung der eigenen Arbeitsfähigkeit von Leitstelle, Einsatzkräften und Führungsstrukturen erfordert erhebliche Ressourcen, Technik und Fachpersonal. Schon dieser Grundbetrieb bindet Material, Personal und Logistik in einem Umfang, den sich viele nicht vorstellen.“ Zudem räumt Rossel ein: „Diese Arbeit ist keine Vorstufe weiterer Leistungen. Sie markiert bereits die Grenze dessen, was realistisch machbar ist.“
Notstromaggregate reichen nicht aus
Immer wieder entsteht der Eindruck, dass ein längerer Stromausfall durch einige Notstromaggregate überbrückt werden kann. Diese Vorstellung ist jedoch falsch. Allein die Notstromversorgung von rund 15.000 Haushalten würde rund 65 Millionen Euro kosten. Hinzu kämen jährlich mehr als zwei Millionen Euro für Wartung, Lagerung, Personal und Einsatzbereitschaft – Treibstoffkosten im Krisenfall nicht eingerechnet. Rossel betont: „Es geht nicht darum, einige Aggregate zu beschaffen und zu verteilen. Es würde dutzende Einspeisepunkte, tiefgreifende Umbauten im Stromnetz, dauerhaftes Fachpersonal und eine funktionierende Treibstofflogistik erfordern. Technisch, organisatorisch und finanziell ist das nicht leistbar.“
Eigenverantwortung von Einrichtungen und Haushalten
Bei einem länger andauernden Stromausfall tragen private Einrichtungen, Unternehmen und Organisationen eine zentrale Verantwortung. Dazu gehört insbesondere die Vorsorge für den Ausfall der Stromversorgung. Diese Verantwortung kann der Katastrophenschutz nicht zentral übernehmen. Vor diesem Hintergrund wird der Rheingau-Taunus-Kreis besonders sensible Akteure – wie Pflegeeinrichtungen – gezielt anschreiben und auf ihre Aufgaben, Verantwortlichkeiten und verfügbare Beratungsstellen hinweisen. Rossel betont: „Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Vorbereitung. Nur wenn alle Beteiligten ihre Rolle kennen, bleibt das Gesamtsystem handlungsfähig.“
Notunterkünfte sind keine Lösung für Massenversorgung
Auch Privathaushalte müssen vorsorgen. In einer flächigen Strommangellage kann der Staat keine individuelle Strom- oder Wärmeversorgung für zehntausende Menschen gewährleisten. Rossel erklärt: „Notunterkünfte sind weder zahlenmäßig noch technisch dafür ausgelegt, ganze Regionen zu versorgen. Energiebedarf, Platz und Personal machen das unmöglich.“ Selbst zentrale Informations- und Versorgungspunkte können nur einen Bruchteil dessen abdecken, was eine moderne Gesellschaft täglich benötigt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) stellt umfangreiche Informationen zur persönlichen Vorsorge bereit – diese Empfehlungen sind essenziell für das Funktionieren des Gesamtsystems.
Zusammenarbeit sichert die Versorgung
Landrat Zehner betont: „Ein Stromausfall dieser Größenordnung ist nur gemeinsam zu bewältigen. Staat, Einrichtungen, Unternehmen und Bevölkerung müssen jeweils ihren Teil beitragen. Ohne Eigenvorsorge funktioniert es nicht. Und ohne ehrliche Kommunikation auch nicht.“ Der Rheingau-Taunus-Kreis appelliert an Medien und Bevölkerung, die Dimensionen eines großflächigen Stromausfalls realistisch einzuschätzen und die eigene Vorsorge ernst zu nehmen. Nur als gemeinsame Aufgabe lässt sich eine solche Lage erfolgreich bewältigen.
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