Großangelegte Razzia in Hessen: Mit rund 650 Einsatzkräften sind Polizei, Zoll, Steuerfahndung und Jobcenter am Mittwoch gemeinsam gegen organisierte Kriminalität und Sozialleistungsbetrug vorgegangen. Bei dem landesweiten Aktionstag wurden über 1.000 Personen kontrolliert, Haftbefehle vollstreckt und Luxusgüter im Wert von rund 700.000 Euro beschlagnahmt.
Luxuskarossen und Bargeld bei Razzia in Hessen beschlagnahmt: Null Toleranz bei Schein-Armut
Im Fokus des dritten hessenweiten Aktionstags stand insbesondere das Phänomen, dass Kriminelle unberechtigt staatliche Hilfen kassieren, während sie gleichzeitig mit illegal erwirtschaftetem Vermögen protzen. „Wir lassen nicht zu, dass Menschen auf Kosten des Staates leben und gleichzeitig mit Luxusautos prahlen. Das ist Betrug am redlichen Bürger und gleichzeitig eine Provokation gegenüber unserem Rechtsstaat“, sagte Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU).
Wie drastisch diese Schieflage im Einzelfall sein kann, zeigte sich bei einer Kontrolle in der Wiesbadener Innenstadt: Dort stoppten die Ermittler einen 54-jährigen Mann in einem nagelneuen Rolls-Royce Spectre (Wert: rund 390.000 Euro). Der Fahrer führte zudem eine 60.000 Euro teure Luxusuhr und 15.000 Euro Bargeld mit sich. Da der dringende Verdacht der Geldwäsche im Raum steht, sackten die Beamten nicht nur den Rolls-Royce, die Uhr und das Geld ein, sondern beschlagnahmten direkt noch eine dazugehörige Mercedes G-Klasse im Wert von etwa 130.000 Euro. Insgesamt wurden Vermögenswerte von rund 700.000 Euro gesichert.
Flächendeckende Kontrollen bei der Razzia in Hessen: Von der Autobahn bis zum Barbershop
Der interdisziplinäre Einsatz und die Razzia in Hessen wurde strategisch vom Hessischen Landeskriminalamt (HLKA) geführt. Neben mobilen Kontrollen in Großstädten wie Frankfurt am Main, Offenbach, Kassel, Fulda und Wiesbaden wurden in der Nacht auch große, stationäre Kontrollpunkte an den Hauptverkehrsachsen eingerichtet – unter anderem an der wichtigen Pendlerstrecke auf der Autobahn A3 bei der Rastanlage Medenbach.
Gleichzeitig nahmen die Kontrolleure der Gewerbe- und Ordnungsämter gemeinsam mit den Jobcentern und der Steuerfahndung zahlreiche Gewerbeobjekte unter die Lupe. Überprüft wurden gezielt Gaststätten, Glücksspielbetriebe, Barbershops und Shisha-Bars. Dabei ging es den Behörden um das Aufdecken von illegaler Beschäftigung, Scheinselbstständigkeit, Steuerhinterziehung und melderechtlichen Verstößen.
Die Bilanz der Razzia in Hessen im Detail:
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Kontrollen: 1.071 Personen, 149 Objekte und 92 Fahrzeuge wurden akribisch überprüft.
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Strafverfahren: Es wurden 32 Strafanzeigen gefertigt und 68 Ordnungswidrigkeiten festgestellt.
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Festnahmen: Sechs Personen wurden vorläufig festgenommen, zudem wurden im Auftrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt drei gezielte Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt.
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Sicherstellungen: Rund 76.000 Euro Bargeld, drei hochwertige Fahrzeuge sowie diverse Luxusartikel.
Verknüpfung mit Kampagne gegen Wohnungseinbrüche
Erstmals koppelten die Behörden den Razzia-Tag mit der hessischen Sommerkampagne gegen Wohnungseinbruchdiebstahl. Ziel war es, reisende Täterstrukturen aufzudecken, die über die Autobahnen Netzwerke für Einbrüche, Rauschgifthandel oder auch Geldautomatensprengungen koordinieren. Sogar Ermittlungen im Bereich „Violence-as-a-Service“ – also der bandenmäßig organisierten Begehung von Gewalttaten gegen Bezahlung – flossen in den Aktionstag ein.
Neben dem reinen Verfolgungsdruck setzte die Polizei auch auf Prävention: An Infoständen im öffentlichen Raum führten die Beamten 257 Bürgergespräche und berieten 144 Haus- und Wohnungsbesitzer gezielt darüber, wie sie sich effektiv vor Einbrüchen schützen können.
HLKA-Präsident Daniel Muth stellte klar, dass die Behörden den Druck in Zukunft keinesfalls senken werden: „Unser Signal ist klar: Hessen ist kein Rückzugsraum für Täter.“ Weitere unangekündigte Großkontrollen dieser Art wurden bereits angekündigt.






