Die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Pflegereform sorgt für Alarmstimmung in der Branche: Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste warnt vor dem Verlust von mehr als 50.000 Arbeitsplätzen, auch in Rheinland-Pfalz wächst die Sorge um die ambulante Versorgung im ländlichen Raum.
Pflegereform und Spardiskussion
Die Diskussion um die Stabilisierung der Pflegeversicherung erreicht die ambulanten Dienste, wie der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) mitteilt, drohen infolge der geplanten Einsparungen der Bundesregierung gravierende Einschnitte für Mitarbeiter und pflegebedürftige Menschen im ganzen Land.
Grundlage der Warnung ist eine interne Befragung des Verbands unter mehr als 2.000 Mitgliedsbetrieben. Das Ergebnis ist alarmierend, denn in fast jedem Betrieb müssten voraussichtlich mehrere Angestellte entlassen werden, die bislang im Bereich der alltäglichen Entlastungs- und Haushaltshilfen tätig sind.
Wegfall des Entlastungsbetrags trifft Pflegegrad 1
Auslöser der Kündigungswelle ist ein zentraler Baustein des ersten Sparpakets zur Pflegereform: Für Menschen mit Pflegegrad 1 soll der monatliche Entlastungsbetrag von 131 Euro gestrichen werden.
„Quasi von heute auf morgen werden gut funktionierende Unterstützungsstrukturen für Pflegebedürftige und ihre Familien zerschlagen“, kritisierte bpa-Präsident Bernd Meurer. Mehr als 50.000 Beschäftigte stünden vor der Arbeitslosigkeit, während Millionen Betroffene ihre häusliche Unterstützung völlig neu organisieren müssten. In einem dringenden Appell forderte der Verband Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) auf, die funktionierenden Versorgungsstrukturen nicht zu gefährden.
Folgen für ein Flächenland wie Rheinland-Pfalz
In Regionen außerhalb der großen Zentren wie Mainz, Ludwigshafen oder Koblenz sichern vor allem ambulante Dienste die Betreuung im gewohnten Umfeld ab, fällt die niederschwellige Haushaltshilfe weg, droht die Belastung für pflegende Angehörige weiter zu steigen. Zudem könnten fehlende Vorort-Angebote dazu führen, dass Betroffene früher als nötig auf stationäre Pflegeplätze angewiesen sind.
Milliardenloch erzwingt Spardruck
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung rechnet für das laufende Jahr mit einem Defizit von rund 4,4 Milliarden Euro in der Pflegeversicherung, der Grund sind steigende Gehälter für Pflegekräfte und der demografische Wandel, welche die Ausgaben kontinuierlich anwachsen lassen.
Während die Bundesregierung mit den aktuellen Streichungen Löcher stopfen will, ist die eigentliche große Strukturreform zur langfristigen Finanzierung auf das Jahr 2027 verschoben worden. Bis dahin bleibt die Unsicherheit in der Pflegebranche, auch in Rheinland-Pfalz, hoch.







