StartMainzWie der Neubau der Grundschule Mainz-Laubenheim ins Stocken gerät

Wie der Neubau der Grundschule Mainz-Laubenheim ins Stocken gerät

Machtwort der FDP Mainz-Laubenheim: Acht Jahre im Container sind kein Provisorium mehr

FDP Mainz: Für den Neubau der Grundschule Laubenheim wird in diesem Jahr kein Bagger mehr anrollen. Nach Informationen der FDP Laubenheim soll der Bauantrag inzwischen gestellt sein, aber es liegt noch immer keine Baugenehmigung vor. Mit dem Baubeginn sei nun doch erst 2027 zu rechnen.

Noch am 9. Juni 2026 hatte die Stadt der FDP-Stadtratsfraktion auf deren Anfrage Nr. 0751/2026 schriftlich mitgeteilt: „Mit dem Beginn der Bauarbeiten ist im Jahr 2026 zu rechnen.“ Diese Aussage ist bereits nach wenigen Monaten überholt.

„Im November 2025 war vom ersten Quartal 2026 die Rede, im Mai hieß es im Ortsbeirat, die Planung sei abgeschlossen, im Juni wurde uns schriftlich der Baubeginn 2026 zugesagt. Jetzt soll es 2027 werden“, erklärt Stadträtin Susanne Glahn. „Das ist kein belastbarer Zeitplan, sondern eine Kette widersprüchlicher Ankündigungen. Wir fragen seit Monaten nach, weil die Verwaltung ihre Zahlen und Termine nicht verlässlich offenlegt.“

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Kostenanstieg und Zusatzkosten für Containerschule in Laubenheim

Auch die Kostenentwicklung wirft Fragen gerade bei der Haushaltslage der Stadt Mainz auf. Die Stadt beziffert die Kostenberechnung vom Oktober 2025 auf 35,6 Millionen Euro. Auf der Projektseite der Gebäudewirtschaft Mainz waren zuletzt 37,65 Millionen Euro angegeben – bei einer damals vorgesehenen Fertigstellung im Jahr 2026. Ursprünglich diente eine Summe von 17 Millionen Euro als Entscheidungsgrundlage.

Nicht enthalten sind die Kosten des laufenden Provisoriums. Für die Containerschule sind seit März 2021 Mietkosten von 3.477.421,57 Euro angefallen – rund 55.000 Euro im Monat. Bei einer Fertigstellung im Jahr 2029 würden allein für die Miete voraussichtlich mehr als fünf Millionen Euro anfallen. „Geld, das an anderer Stelle dringend benötigt wird, wie zum Beispiel die Sanierung der Riedsporthalle und den vielen Spielplätzen“, so Susanne Glahn weiter.

Hinzu kommt: Die Genehmigung für die Container läuft am 2. Juni 2028 aus. Die Gebäudewirtschaft nennt inzwischen 2029 als Fertigstellungstermin. Wie der Schulbetrieb im dazwischenliegenden Zeitraum gesichert werden soll, hat die Stadt auf Nachfrage nicht beantworten können.

Containerschule: „Acht Jahre sind kein Provisorium!“

Für die Kinder bedeutet die Verzögerung, dass jeder Jahrgang, der seit 2021 in Laubenheim eingeschult wurde, seine gesamte Grundschulzeit im Provisorium verbringt. Auch die Kinder, die in diesem Sommer eingeschult wurden, werden voraussichtlich auf die weiterführende Schule wechseln, bevor das neue Schulgebäude fertig ist.

„Sportunterricht in Winterjacken, große Hitze schon im warmen Frühjahr und Sommer und acht Jahrgänge im Container sind für die Kinder nicht hinnehmbar“, sagt Dr. Christian Hecht, stellvertretender Ortsvorsteher. „Auf unsere Frage nach Hitzeschutz hieß es, dafür gebe es weder Personal noch Geld. Wer acht Jahre Übergang plant, muss die Bedingungen auch für acht Jahre auslegen. Das ist hier nicht passiert. Bei acht Jahren reden wir nicht mehr von einem Provisorium.“

Besonders kritisch ist die Auskunft der Stadt, dass von Anfang an kein Sicherungszuschlag für längere Bauzeiten oder Preissteigerungen eingeplant worden sei. Kostenrisiken könnten im Rahmen der Kostenplanung vorab nicht berücksichtigt werden.

„Bei einem mehrjährigen Bauvorhaben sind Zeit- und Kostenrisiken keine Überraschung, sondern müssen eingeplant werden“, erklärt Hecht. „Wenn Risiken nicht berücksichtigt werden, werden sie lediglich später sichtbar – und am Ende vom Steuerzahler getragen.“

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Der Staat muss umdenken

Dieser Punkt ist kritisch. Kein Unternehmen bekäme für ein zehnjähriges Bauvorhaben ohne Risikoansatz einen Kredit, kein privater Bauherr würde einen solchen Vertrag unterschreiben. Wo Wettbewerb herrscht und jemand persönlich haftet, wird das Risiko eingepreist – weil es sonst den trifft, der es eingegangen ist. Wo ein Monopolist ohne Konkurrenz und ohne persönliche Verantwortung plant, wird es weggelassen und landet beim Steuerzahler.

Daraus folgt für Freie Demokraten zweierlei: Der Staat muss erstens nicht alles selbst bauen; ein Generalunternehmer mit Termin- und Kostenverantwortung, Partnerschaften mit privaten Partnern oder eine größere Vielfalt in der Schulträgerschaft sind keine Ideologie, sondern Verfahren, die das Risiko dorthin verlagern, wo es beherrscht wird. Zweitens ist Verlässlichkeit keine Nettigkeit, sondern die Geschäftsgrundlage zwischen Bürgern und Verwaltung. Wer in zehn Monaten drei Termine nennt und zwei Kostenzahlen führt, verbraucht sie.

Die FDP fordert:

  • eine Aufklärung im Ortsbeirat, warum die schriftliche Zusage vom 9. Juni 2026 bereits überholt ist,
  • eine einheitliche und transparente Kostenzahl einschließlich der Kosten des Übergangsbetriebs,
  • ein belastbares Konzept für den Schulbetrieb nach dem Auslaufen der Containergenehmigung am 2. Juni 2028,
  • kurzfristige Maßnahmen gegen Hitze und Kälte in Containern und Sporthalle sowie
  • eine ernsthafte Prüfung einer Vergabe mit verbindlicher Termin- und Kostenverantwortung.

„Die Verwaltung erklärt selbst, sie habe gelernt, dass es realistische Zeit- und Kostenannahmen braucht“, sagt Hecht abschließend. „Dieses Lernen muss jetzt bei der Grundschule Laubenheim ankommen – nicht erst beim nächsten Bauprojekt. Wir bleiben dran, bis die Kinder wieder in einem richtigen Schulhaus sitzen.“