Von Montag auf Dienstagnacht (03. Januar 2023) hatten unbekannte gegen 03:50 Uhr einen Geldautomaten in einer Sparkassenfiliale in Hofheim im Taunus in die Luft gesprengt. Anschließend flüchteten die laut Augenzeugen drei schwarz gekleideten Räuber in einem dunklen Fahrzeug, laut Zeugen einem Coupe, mit hoher Geschwindigkeit, in Richtung Marxheim. Weit kamen die Täter jedoch nicht, sie verunfallten auf der Schiersteiner Brücke bei Mainz-Mombach so schwer, dass ihr Fahrzeug nicht mehr Fahrbereit war. Die Flucht wurde nach aktuellen Ermittlungen weiter zu Fuß angetreten.

Täter flüchteten ohne Beute

Wie das Polizeipräsidium Westhessen mitteilt, flüchteten die Kriminellen nach der Sprengung ohne Beute. Sie richteten jedoch einen hohen Schaden, welcher von der Polizei im niedrigen sechsstelligen Bereich geschätzt wird, am Gebäude in dem sich die Taunus Sparkasse befand an. Die Glasscherben der Fenster der Filiale waren durch die Detonation mehr als 100 Meter über die angrenzenden Straßen des 4000 Seelen Ortes Diedenbergen verteilt worden. Das Gebäude wurde durch die Sprengung so in Mitleidenschaft gezogen, dass ein Statiker zur Überprüfung der Gebäudestruktur hinzugezogen werden musste. Dieser bescheinigte jedoch, dass das Gebäude nicht einsturzgefährdet sei.

Sprengstoff in der Bank zurückgelassen

Der Geldautomat, der von den unbekannten Tätern angegangen wurde, war nach der Detonation, vermutlich mit Semtex (Plastiksprengstoff) nur noch ein Haufen Schrott. Die Straftäter hatten nach ihrer Flucht eine kleinere Menge an Sprengstoff am Geldautomaten zurückgelassen. Dieser musste von Experten der Sprengtechnik des Hessischen Landeskriminalamtes in einer nahegelegenen Feldgemarkung kontrolliert gezündet und somit vernichtet werden. Zudem wurden umfangreiche spuren sichernde Maßnahmen am Tatort durchgeführt, die zur Ergreifung der Täter führen könnte.

Verkehrsunfall aufgrund überhöhter Geschwindigkeit im Baustellenbereich

Nach nur knapp 25 Kilometern und 29 Minuten später verunfallte das Trio gegen 4:20 Uhr vermutlich wegen nicht angepasster Geschwindigkeit auf der Schiersteiner Brücke auf Höhe der Abfahrt Mainz-Mombach. Der Fahrer verlor in einer Fahrbahnverschwenkung auf regennasser Fahrbahn die Kontrolle über den 450 PS starken Fluchtwagen, kollidierte zuerst mit hoher Geschwindigkeit mit der Beifahrerseite die rechte Leitplanke, prallte von dieser ab und schlug mit der Fahrerseite in die Mittelleitplanke der Autobahn A643 ein. Die Wucht des Aufpralls war so enorm, dass am Audi alle Airbags auslösten, zudem die Felge des rechten Vorderreifens in mehrere Stücke brach. Das Fahrzeug blieb stark beschädigt und nicht mehr Fahrbereit, mehrere hundert Meter nach der Kollision mit der Leitplanke auf der Überholspur stehen. Der wegen der aktuellen Baustelle provisorisch aufgestellte Fahrbahnteiler wurde bei dem Zusammenstoß mehrere Meter auf die Gegenfahrbahn geschoben. Dies hatte zur Folge, dass die Polizei die Schiersteiner Brücke in beide Richtungen komplett sperrte. Zudem wurde davon ausgegangen, dass sich noch Plastiksprengstoff im Fluchtwagen befindet, erklärt der Pressesprecher der Polizei, Rinaldo Roberto. Was den Radius der Sperrung rund um die Unfallstelle erhöhte. Dies konnte aber von Spezialkräften des LKA nach umgehender Prüfung dementiert werden. Die drei Kriminellen konnten den Audi nach dem Unfall selbstständig verlassen und flohen in unbekannte Richtung. Jedoch wurde ein Ausweisdokument im Fluchtwagen aufgefunden. Das Fahrzeug wurde sichergestellt. Die Ermittlungen laufen.

Fluchtfahrzeug Mitte Dezember gestohlen

BYC-News stellte Recherchen zum 450 PS starken Fluchtfahrzeug an. Das Fahrzeug wurde laut Besitzer Mitte Dezember 2022 in der Nähe von Amsterdam gestohlen. Der 35-jährige Besitzer befand sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Reise in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wie er BYC-News mitteilt. Nachdem er wieder aus dem Urlaub zurückgekommen war, stellte er fest, dass sein Coupé entwendet worden war. Sein Fahrzeug hatte auf der Social-Media-Plattform knapp 1500 Follower, das Fahrzeug war aufwendig getunt worden. Er habe von dem Unfall seines knapp 80.000 Euro teuren Audi RS5 über die Medien erfahren, Follower hätten sich bei ihm gemeldet. Er wendete sich umgehend an die Polizei in Mainz. Die angebrachten Kennzeichen stammen auch nicht von ihm, sagte er gegenüber BYC-News. Am Täterfahrzeug waren bei der Tat am 03. Januar 2023 Kennzeichen aus dem Nordrheinwestfälischen Kleve angebracht worden. Die Kennzeichen wurden von den unbekannten Dieben provisorisch mit Kabelbindern befestigt worden.

Umfangreiche Fahndungsmaßnahmen nach Flucht

Die Polizei aus Rheinland-Pfalz und Hessen leitete nach der Flucht vom Unfallort auf der Schiersteiner Brücke eine Großfahndung ein. Zu diesen kam aus der Luft ein Hubschrauber, welcher unter anderem mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist. Und zu Boden mehrere Spürhunde der Polizei zum Einsatz. Zudem wurden gegen 12:30 Uhr, Kräfte der Bereitschaftspolizei, Ausgerüstet mit schweren Schutzwesten, Helmen und Maschinenpistolen, zur Fahndung im Bereich der Autobahnbrücke der A643 mobilisiert. Diese durchkämmten mit einer Vielzahl an Kräften das Mombacher Unterfeld nach den Verdächtigen. Jedoch konnten auch diese die Täter nicht ausfindig machen. Die Suche wurde gegen 16:00 Uhr, knapp 12 Stunden nach der Geldautomatensprengung abgebrochen. Die Ermittlungen bei der Polizei Rheinland-Pfalz, sowie der Polizei Hessen laufen jedoch weiter auf Hochtouren.

Zeugen, die Angaben zu den Ereignissen machen können, werden gebeten, sich mit der Polizei unter der 06131 65 – 0 in Verbindung zu setzen.