Die Krise um die Landespflegekammer in Rheinland-Pfalz erreicht den nächsten Tiefpunkt: Den für den 2. Dezember in der Mainzer Rheingoldhalle geplante Pflegetag wurde abgesagt. Auf Facebook weist die Kammer Vorwürfe zurück, die Absage sei eine Reaktion auf den Wahlsieg der Kammergegner.
Landespflegekammer unter Zugzwang
Der für Anfang Dezember vorgesehene Pflegetag Rheinland-Pfalz, nach Kammerangaben die größte meilensteinsettzende Fachveranstaltung für Pflegefachkräfte in Südwestdeutschland, findet nicht statt. Nachdem der Online-Ticketverkauf gestoppt worden war, bestätigte die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz das endgültige Aus der Großveranstaltung in der Mainzer Rheingoldhalle.
Welle von Absagen nach Wahlergebnis
Als unmittelbaren Grund führt die Standesvertretung Absagen aus den eigenen Reihen an. Im Nachgang zur Wahl der Vertreterversammlung hätten mehrere Mitwirkende und Referenten mitgeteilt, für das geplante Programm nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Da diese Beiträge nicht kompensiert werden konnten, sei eine geordnete Durchführung des Kongresses unmöglich geworden.
Der Hintergrund ist brisant: Bei den Wahlen zur Vertreterversammlung im Herbst hatten explizite Kammerkritiker und Bündnisse zur Auflösung der Körperschaft einen Erdrutschsieg errungen und die Mehrheit in dem Gremium übernommen.
Kammer wiegelt ab: „Keine Bewertung des Wahlergebnisses“
In einer offiziellen Stellungnahme auf ihren Social-Media-Kanälen versuchte die Führung der Landespflegekammer nun, Wogen zu glätten und Spekulationen entgegenzutreten. Die Entscheidung zur Absage falle zwar in eine Zeit des „personellen und politischen Wechsels innerhalb der Pflegekammer“, man lege jedoch Wert auf die Feststellung, dass die Absage „keine Bewertung des Wahlergebnisses darstellt“ und man die demokratische Entscheidung der Mitglieder vollumfänglich respektiere.
Dass sich die Kammer zu einer solchen Klarstellung genötigt sieht, verdeutlicht das erhebliche Spannungsverhältnis zwischen der bisherigen Kammerspitze und den nun neu gewählten Vertretern. Kritiker werten den Ausfall des Pflegetags als Beleg für die zunehmende organisatorische Lähmung der Institution.
Schicksalsbefragung steht kurz bevor
Der Ausfall der Flaggschiff-Veranstaltung wirft einen Schatten auf die nähere Zukunft der Heilberufskammer, denn noch vor Ende des Jahres 2026 plant die rheinland-pfälzische Landesregierung eine flächendeckende Umfrage unter allen Pflegefachkräften im Land.
In dieser Urabstimmung soll final darüber entschieden werden, ob die umstrittene Pflegekammer Rheinland-Pfalz aufgelöst wird. Die aktuellen Verwerfungen und der abgesagte Jahreskongress dürften die Debatte im Vorfeld der Abstimmung weiter anheizen.





