Der Arbeitsmarkt ist im Wandel, während die Zahl der offenen Stellen im dritten Quartal 2026 wieder anstieg, erreichte die Arbeitslosigkeit unter Ingenieuren und IT-Fachkräften den höchsten Stand seit 2011. Die aktuellen Daten des VDI/IW-Ingenieurmonitors verdeutlichen den tiefgreifenden Wandel der deutschen Industrielandschaft.
Ingenieurmangel durch demografischen Wandel
Nach Auswertungen des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist die Zahl der offenen Stellen im dritten Quartal 2026 um 5,9% gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen, bundesweit waren so 105.340 offene Positionen gemeldet.
Gleichzeitig stieg jedoch auch die Zahl der arbeitslos gemeldeten Fachkräfte in diesem Segment deutlich an. Mit 65.427 Arbeitslosen (+13,7%) wurde der höchste Wert seit Erhebung des Monitors im Jahr 2011 verzeichnet.
Diskrepanz zwischen Bedarf und Qualifikation
Diese gleichzeitige Zunahme von offenen Stellen und Arbeitslosigkeit zeigt, wie stark der technologische Wandel die Branche verändert, denn während traditionelle Industriebereiche wie die Kunststoffherstellung oder sonstige Ingenieurdisziplinen Stellen abbauen, wächst der Bedarf an anderen Stellen rasch. Zuwächse verzeichnen vor allem die Informatikberufe sowie Forschung und Produktionssteuerung. Der größte absolute Bedarf besteht weiterhin im Bauwesen mit 36.310 offenen Stellen.
VDI-Direktor Adrian Willig ordnet die Entwicklung sachlich ein: Die steigende Zahl offener Stellen sei zwar ein positives Zeichen, eine vollständige Trendwende bedeute dies jedoch noch nicht. Entscheidend sei es, bestehende Qualifikationen zügig an neue Technologien anzupassen.
Engpässe bleiben trotz hoher Arbeitslosigkeit bestehen
Trotz des Anstiegs der Arbeitslosigkeit bleibt der Mangel bestehen. Die statistische Ziffer liegt aktuell bei 161 offenen Stellen pro 100 Arbeitslosen und befindet sich damit weiterhin über der Schwelle zum Fachkräftemangel, die bei 100 angesetzt ist. Besonders ausgeprägt ist der Mangel im Bauingenieurwesen (318 offene Stellen je 100 Arbeitslose) und in der Energie- und Elektrotechnik (238).
Demografischer Wandel erhöht den Nachbesetzungsdruck
Mittelfristig wird sich der Bedarf an Fachkräften voraussichtlich weiter verstärken, denn in den nächsten zehn Jahren scheiden bundesweit rund 315.000 Ingenieur- und IT-Spezialisten altersbedingt aus dem Erwerbsleben aus.







