StartRheinhessenIG BAU fordert Rente dem „Härtegrad der Arbeit“ anzupassen

IG BAU fordert Rente dem „Härtegrad der Arbeit“ anzupassen

Gewerkschaft fordert flexiblen Rentenzugang für Handwerker

Wenn der Beruf den Körper vorzeitig verschleißt und der Ruhestand gesetzlich noch in weiter Ferne liegt, droht vielen Beschäftigten eine Sackgasse. Von rund 2.280 Bauarbeitern im Landkreis Mainz-Bingen sind nach Angaben der Arbeitsagentur nur rund 110 Beschäftigte älter als 63 Jahre. Rüdiger Wunderlich, der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Rheinhessen-Vorderpfalz, sieht hier eine kritische Altersgrenze erreicht. Für die meisten Betroffenen sei gesundheitsbedingt schon vor dem 60. Lebensjahr Schluss, da die schwere Arbeit auf dem Bau körperlich schlicht nicht mehr bewältigt werden könne.

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Kritik an Berliner Plänen und die Forderung nach einer Flexi-Rente

Es schafft nach Einschätzung der Gewerkschaft kaum ein Beschäftigter auf dem Bau, bis zum 67. Lebensjahr durchzuhalten. Sie alle leisten harte körperliche Arbeit bei jedem Wetter, von extremer Sommerhitze bis zu klirrendem Frost. Sollte die Arbeitszeit in Zukunft durch geplante Reformen noch weiter verlängert werden, sei dies für die Betroffenen völlig unrealistisch. Wunderlich kritisiert in diesem Zusammenhang die aktuellen Vorhaben der Rentenkommission, die von der Bundesregierung umgesetzt werden sollen. Aus Sicht der IG BAU fehlt in den Entwürfen eine echte Flexi-Rente, die verlässliche und faire Übergänge vom Arbeitsleben in den Ruhestand ermöglicht. Dies müsse vor allem für Branchen gelten, in denen die Menschen durch die Art ihrer Tätigkeit gesundheitlich früher am Ende ihrer Kräfte sind. Eine gerechte Rentenpolitik müsse zwingend dem spezifischen Härtegrad der geleisteten Arbeit angepasst werden und einen schnelleren Zugang zum regulären Ruhestand ermöglichen. Dies gelte neben dem Bauwesen ebenso für die Land- und Forstwirtschaft, die Gebäudereinigung sowie den Garten- und Landschaftsbau.

An die Bundestagsabgeordneten im Kreis Mainz-Bingen und der gesamten Region richtet die IG BAU den dringenden Appell, parlamentarisches Rückgrat zu zeigen und die Regierungspläne in Berlin zu korrigieren. Andernfalls würden Berufe, die mit hoher körperlicher Belastung einhergehen, massiv an Attraktivität für den dringend benötigten Nachwuchs verlieren. Ein weiterer zentraler Kritikpunkt der Arbeitnehmervertreter ist die geplante Abschaffung der Rente mit 63. Dies stelle insbesondere für die geburtenstarken Jahrgänge einen massiven Einschnitt in die persönliche Lebensplanung dar. Im Landkreis Mainz-Bingen betrifft dies eine große Gruppe, da in den kommenden zehn Jahren rund 34.900 sogenannte Baby-Boomer in den Ruhestand wechseln werden, wie Berechnungen des Pestel-Instituts zeigen.

IG BAU warnt vor Vertrauensverlust und Forderung nach stabiler Haltelinie

Der Regionalchef der IG BAU warnt eindringlich davor, diese Generation zu enttäuschen. Viele der Betroffenen haben ihre Beitragsjahre vollständig erfüllt, über 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt und somit den Großteil ihres Lebens gearbeitet. Ihnen nun kurz vor dem Ziel die Option der Rente mit 63 vorzuenthalten, beschädige das politische Vertrauen in den Staat nachhaltig.

Zusätzlich fordert die Gewerkschaft eine verbindliche und garantierte Haltelinie beim allgemeinen Rentenniveau. Unter den vorliegenden Vorschlägen der Rentenkommission vermisst die IG BAU eine Absicherung für die kommenden Generationen. Der Staat dürfe den Baby-Boomern ab dem Jahr 2031 kein Absinken des Rentenniveaus unter die Marke von 48 Prozent zumuten. Die Bundesregierung müsse zeitnah klarstellen, dass es beim Übergang zu einer kapitalgedeckten Zusatzrente nicht zu einem Einbruch der gesetzlichen Bezüge kommt. Perspektivisch müsse das Rentenniveau zügig wieder auf mindestens 53 Prozent angehoben werden, wofür sich die regionalen Abgeordneten in ihren Berliner Fraktionen stark machen sollten.

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