Mit einer realitätsnahen Übung zur Eisrettung hat sich die Feuerwehr Rüsselsheim am Main am Dienstag, 6. Januar 2026, auf mögliche Notfälle in der kalten Jahreszeit vorbereitet. Ziel der Übung war es, den Einsatzablauf zu trainieren, wenn Menschen auf zu dünnem Eis einbrechen und sich nicht mehr selbst retten können.
Wie Tobias Zöller, diensthabender Einsatzleitdienst der Feuerwehr Rüsselsheim, erläuterte, ist das Thema Eisrettung für die Stadt von besonderer Bedeutung. Neben zwei fließenden Gewässern gibt es im Stadtgebiet mehr als 30 stehende Gewässer. Die größte davon ist die sogenannte Horlache, die sich über rund fünf Kilometer Länge durch Rüsselsheim zieht. Insgesamt betreut die Feuerwehr etwa 128 Hektar Wasserfläche.
Realistische Einsatzszenarien bei der Übung der Feuerwehr Rüsselsheim
Im Rahmen der Übung wurde der Ernstfall simuliert, dass eine Person auf einer Eisfläche eingebrochen ist und aus eigener Kraft nicht mehr aus dem eiskalten Wasser kommt. Die Wachabteilung der Feuerwehr trainierte dabei den Einsatz spezieller Ausrüstung, die eigens für die Eis- und Wasserrettung vorgehalten wird. Dazu zählen unter anderem Kälteschutzanzüge, Leinen sowie Rettungs- und Schlauchboote.
Zu Beginn eines solchen Einsatzes wird zunächst die Lage erkundet: Wie viele Personen sind eingebrochen, wo befindet sich die Unfallstelle und wie kann sie sicher erreicht werden? Anschließend rüsten sich die Einsatzkräfte mit Schutzanzügen aus und bereiten die Rettungsgeräte vor, um die Rettung koordiniert und sicher durchführen zu können.
Warum Einsatzkräfte liegend aufs Eis gehen
Ein zentrales Element der Eisrettung ist die Verteilung des Körpergewichts. Einsatzkräfte bewegen sich möglichst liegend oder gesichert über das Eis, um den Druck auf eine größere Fläche zu verteilen. Durch den zusätzlichen Einsatz von Booten oder speziellen Hilfsmitteln wird die Auflagefläche weiter vergrößert. So kann verhindert werden, dass das Eis unter den Rettern einbricht.
Jede Sekunde zählt im eiskalten Wasser
Bei einem Einbruch ins Eis ist schnelles Handeln entscheidend. Nicht nur die niedrige Wassertemperatur, sondern vor allem die Dauer des Aufenthalts im Wasser ist lebensgefährlich. Bereits nach kurzer Zeit lassen Muskelkraft und Koordinationsfähigkeit stark nach, die Atmung wird beeinträchtigt und Betroffene können sich oft nicht mehr am Eisrand festhalten.
Besonders trügerisch ist dabei, dass Eisflächen häufig stabil wirken – vor allem, wenn sie leicht verschneit sind. Tatsächlich kann die Eisstärke stark variieren, etwa durch Bewuchs, faulenden Schlamm oder Zuläufe. An solchen Stellen ist das Eis oft deutlich dünner, als es auf den ersten Blick scheint.
Verhaltenstipps bei einem Eisunfall
Sollte man selbst ins Eis einbrechen, gilt es vor allem, Ruhe zu bewahren. Hektische Bewegungen erhöhen die Gefahr, weiter einzubrechen. Wenn möglich, sollte versucht werden, sich flach auf die Eisfläche zu ziehen und das Gewicht zu verteilen. Gelingt dies nicht, muss umgehend Hilfe gerufen werden.
Wer einen Eisunfall beobachtet, sollte sofort Passanten aufmerksam machen und den Notruf 112 wählen. Ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, kann man dem Eingebrochenen Gegenstände wie ein Seil oder einen langen Ast zuwerfen, an denen er sich festhalten kann. Auch nach einer erfolgreichen Rettung ist ein Notruf zwingend erforderlich, da Unterkühlungen oft unterschätzt werden und medizinisch behandelt werden müssen.
Klarer Appell der Feuerwehr an die Bevölkerung
Die Feuerwehr Rüsselsheim richtet einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung, insbesondere an Eltern: Eisflächen sind keine Spielflächen. Sie dürfen erst betreten werden, wenn sie offiziell von den Kommunen freigegeben wurden. Diese Freigabe erfolgt nur nach regelmäßigen Kontrollen der Eisstärke.
Die klare Botschaft der Feuerwehr lautet daher: Abstand halten und keine Eisflächen betreten, solange sie nicht ausdrücklich freigegeben sind. So lassen sich gefährliche Unfälle vermeiden und Leben schützen.
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