Geschichte der Mainzer Zitadelle- Sie thront majestätisch über der Altstadt und ist weit mehr als nur eine Grünanlage mit Aussichtspunkt: Die Mainzer Zitadelle ist ein steinernes Geschichtsbuch. Auf dem Jakobsberg gelegen, blickt diese Anlage auf über 2.000 Jahre Baugeschichte zurück. Wer ihre Wege beschreitet, wandelt auf den Spuren von römischen Feldherren, Benediktinermönchen und barocken Kurfürsten.
Der Ursprung: Römische Ehre und geistliches Leben
Die Geschichte der Mainzer Zitadelle beginnt lange vor den ersten Festungsmauern. Schon die Römer nutzten das Plateau. Das markanteste Zeugnis dieser Zeit ist der Drususstein, ein knapp 20 Meter hohes Grabmal, das römische Legionäre um 9 v. Chr. zu Ehren des Feldherrn Drusus errichteten.
Im Mittelalter wandelte sich die Nutzung: Im Jahr 1050 wurde auf dem Berg das Benediktinerkloster St. Jakob gegründet. Über Jahrhunderte war der Jakobsberg ein Ort des Gebets und der Stille – bis die strategische Lage des Hügels im 17. Jahrhundert das Interesse der Militärarchitekten weckte.
Der Wandel zur Festung: Barocke Machtansprüche
Unter dem Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn begann Mitte des 17. Jahrhunderts die Transformation. Die exponierte Lage über der Stadt bot den perfekten strategischen Vorteil. Aus dem Klostergelände wurde eine moderne, sternförmige Festungsanlage nach dem Vorbild des französischen Festungsbaumeisters Vauban.
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1660: Bau der ersten regelmäßigen Bastionen.
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Kommandantenbau: Das prachtvolle barocke Gebäude entstand und diente als Sitz der militärischen Führung.
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Zerstörung des Klosters: Während der Belagerungen der Revolutionskriege (1793) wurden die Klostergebäude schwer beschädigt und später abgetragen, um Platz für Kasernen zu schaffen.
19. und 20. Jahrhundert: Kasematten und Katakomben
In der Zeit des Deutschen Bundes wurde Mainz zur Bundesfestung ausgebaut. Die Zitadelle bildete dabei das Herzstück. Die heute noch begehbaren unterirdischen Gänge (Kasematten) dienten als Lager, Verteidigungswege und im Zweiten Weltkrieg als lebensrettende Luftschutzbunker für Tausende Mainzer Bürger.
Die Zitadelle heute: Lebendiges Denkmal
Heute ist die Geschichte der Mainzer Zitadelle an jeder Ecke greifbar. Wo früher Kanonen standen, finden heute Kulturfestivals, Open-Air-Konzerte und das beliebte Zitadellenfest statt. Das Gelände beherbergt zudem das Stadthistorische Museum, das die Vergangenheit der Stadt Mainz lebendig hält.
Die Mainzer Zitadelle ist das wichtigste Denkmal der Festungsgeschichte im südwestdeutschen Raum. Ein Besuch lohnt sich nicht nur wegen des Panoramablicks, sondern vor allem wegen der vielschichtigen Vergangenheit, die hier konserviert wurde.




