Das politische Personalkarussell in der Bundesregierung dreht sich weiter: Bundeskanzler Friedrich Merz trennt sich von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Grund für die Demission sind anhaltende Unzufriedenheiten in der Regierungsspitze mit den schleppenden Fortschritten bei der Schienensanierung und der Infrastrukturfinanzierung. Doch der angekündigte Wechsel an der Spitze des Ministeriums darf nach Ansicht von Mario Reiß, dem Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), keinesfalls zur Ausrede für anhaltenden Stillstand werden.
GDL: „Lage der Bahn nicht nur durch Fehler einzelner Personen zu erklären“
In einer Stellungnahme am Freitag (24. Juli 2026) machte die GDL deutlich, dass ein bloßer Tausch des Türschilds am Bundesverkehrsministerium keines der strukturellen Probleme löse. „Patrick Schnieder hat Fehler gemacht. Aber wer die Krise der Schiene auf eine einzelne Personalie reduziert, macht es sich zu einfach“, betonte Mario Reiß. Das eigentliche Problem liege tiefer: Die Politik versage seit Jahren darin, der bundeseigenen Bahn klare Ziele, verbindliche Vorgaben und eine konsequente Steuerung zu geben.
„Die DB AG liegt operativ auf dem Rücken“
Die Gewerkschaft zeichnet ein düsteres Bild vom Zustand des Konzerns und der Schieneninfrastruktur:
- DB Cargo befinde sich in einer „existenziellen Dauerkrise“.
- Der Fernverkehr stecke im Dauer-Spannungsfeld aus Infrastrukturmängeln, Kapazitätsengpässen und Qualitätsproblemen.
- Die Infrastruktursparte DB InfraGO wirke bei der Koordination tausender Baustellen vielerorts „organisatorisch überfordert“.
Gleichzeitig unterstreicht die GDL, dass Geld alleine keine Medizin sei, wenn politische Zielvorgaben fehlen, Verantwortlichkeiten im Konzern verwischt werden und Sanierungsprogramme nicht konsequent gesteuert werden.
Konkrete Forderungen an die Bundesregierung
Anstatt weiterer politischer Rochaden fordert die Lokführergewerkschaft von der Bundesregierung:
- Verlässliche Infrastruktur: Das Schienennetz muss Schritt für Schritt ausgebaut, modernisiert und zum stabilen Fundament gemacht werden – unabhängig von parteipolitischen Einzelinteressen.
- Klares Baustellenmanagement: Eine professionelle Baustellenkoordination und eine verlässliche Fernverkehrsstrategie, die sich an der realen Netzkapazität orientiert.
- Ende der Quersubventionierung: Die Infrastruktur dürfe nicht länger als Flaschenhals und Finanzierungsanker für unternehmensfremde Probleme im Konzern missbraucht werden.
Blick nach vorne: Gesprächsbereitschaft signalisiert
Für Pendler und die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz und bundesweit bleibt entscheidend, ob die Bundesregierung nun endlich begreift, dass die Eisenbahn nicht mit Ankündigungen und Zuständigkeitsrhetorik saniert werden kann.






