Um Mitternacht trat in der Stadt Mainz die Ausgangssperre in Kraft. Schon gegen 01:00 Uhr kam es zu einem Einsatz des Ordnungsamtes, der so spektakulär verlief, dass Augenzeugen BYC-News davon informierten. Das Ordnungsamt kontrollierte, ob sich Menschen an die Allgemeinverfügung hielten – mit Sturmhauben bekleidet.


Knapp ein Dutzend Vollzugsbeamter kontrollieren drei Passanten

Mehrere Augenzeugen haben BYC-News kontaktiert und Bilder zugeschickt, auf denen das Ordnungsamt Mainz bei verschiedenen Kontrollen zu sehen ist. Auf den Bildern zu erkennen ist, dass ein Beamter bei den Kontrollen eine Sturmhaube trug. Bei einer Kontrolle in der Rheinstraße trafen die Beamten drei Passanten an. Knapp ein Dutzend Beamte, die mit drei Fahrzeugen unterwegs waren, hielten auf dem Gehweg direkt vor den jungen Leuten an, wobei mindestens ein Beamter „wie wild“, so die Augenzeugen, aus dem Fahrzeug gesprungen ist. Auch bei diesem Fall trug einer der Vollzugsbeamten eine Sturmhaube. Das Vorgehen wirkte auf die Augenzeugen „erschreckend und angsteinflößend“. Auch bei Kontrollen am Hauptbahnhof war ein Beamter in Sturmhaube zu sehen.

Es kann keine Schonfrist mehr eingeräumt werden

BYC-News hat am Donnerstag, 01.04.2021, bei der Stadt Mainz angefragt, wieso das Ordnungsamt mit Sturmhaube unterwegs ist und die entsprechenden Bilder vorgelegt. Ein Pressesprecher nahm dazu wie folgt Stellung: „Auf den übersandten Fotos ist nicht zu erkennen, dass eine Sturmhaube getragen wird, gegebenenfalls handelte es sich hierbei um den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz. Eine Sturmhaube gehört im Übrigen nicht zur Standardausstattung des Kommunalen Vollzugsdienstes.“



„Aufgrund der nach wie vor steigenden Tendenz bei den Inzidenzzahlen kann vorliegend zur Durchsetzung der notwendigen Maßnahmen, die seitens des Landes Rheinland-Pfalz vorgegeben werden und die die Stadt Mainz mit der gestrigen Allgemeinverfügung umgesetzt hat, keine „Schonfrist“ oder ähnliches eingeräumt werden.“, erklärte der Sprecher der Stadt auf Nachfrage, ob ein freundliches Ermahnen in der ersten Nacht der Ausgangssperre nicht ausgereicht hätte.

Die Einsatzstärke von drei Fahrzeugen und einem knappen Dutzend Beamter bei einer Kontrolle von drei Personen erklärt die Stadt mit dem gestiegenen Aggressionspotential, welches die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Zuge von Corona-bezogenen Kontrollen seit geraumer Zeit festgestellt haben. Aus Gründen der Eigensicherung werden deshalb oftmals mehrere Streifen gleichzeitig entsandt.

„Konsequente Umsetzung“

Einen internen Bericht über den Einsatz habe es bisher nicht gegeben, teilt Peterhanwahr mit. Die beteiligten Einsatzkräfte hätten in Folge von Schichtabläufen noch nicht befragt werden können.

Angst und Schrecken wolle die Stadt Mainz den Menschen nicht einjagen, aber „mit der konsequenten Umsetzung der notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung von weiteren Infektionen soll schnell zu einer Senkung der Neuinfektionen beigetragen werden, damit wieder Lockerungen und Öffnungen ermöglicht werden könnten. Lange Zeit wurde bei Kontrollen (Maskenpflicht oder Abstand) vieles erläutert – das Thema „Notbremse“ war nun aber medial in aller Munde, daher kann eine konsequente Umsetzung angesichts der britischen Mutante nicht verwundern“, so der Pressesprecher abschließend.