„Der Notarztstandort in Ingelheim muss bestehen bleiben. Wir tun alles Mögliche, um ihn nachhaltig für die Zukunft zu sichern“, sagte Landrätin Dorothea Schäfer. Ein Konzept dafür wird derzeit vom Ärztlichen Leiter Rettungsdienst, Dr. Guido Scherer, gemeinsam mit den Krankenkassen und dem Binger Heilig-Geist-Hospital als einem potenziellen Träger erarbeitet.


Es wird eine 1,5-Lösung geplant

Es sieht eine sogenannte 1,5-Lösung vor, durch die der Standort Ingelheim erhalten werden kann. Von den Notarztstandorten Ingelheim und Bingen wird demnach künftig im wöchentlichen Wechsel jeweils ein Standort 24 Stunden und ein Standort 12 Stunden (tagsüber) besetzt sein. Die einsatzstärkeren Tagschichten (7 bis 19 Uhr) sind also weiterhin in beiden Städten täglich besetzt. Die einsatzschwächeren Nachtschichten sind ebenfalls angemessen abgedeckt. Das Konzept soll ab dem nächsten Jahr greifen.

Zum Hintergrund

Durch die Schließung des Krankenhauses Ingelheim vor einigen Monaten und damit dem Wegfall von Synergien hatten sich die Kosten für den dort angedockten Notarztstandort stark erhöht. Um eine langfristige Lösung zu finden, hatten die Krankenkassen als Kostenträger damals zunächst zugesagt, den Mehraufwand befristet bis zum 1. Oktober 2021 zu übernehmen. Seitdem wurde die Zeit dazu genutzt, die Versorgungssituation durch die vom Land Rheinland-Pfalz beauftragte Projektgruppe OnePlan des Instituts für Mathematik der Universität Kaiserlautern zu berechnen. „Diese Berechnungen geben ein realistisches Bild der tatsächlichen Einsatzzahlen wieder. Es flossen alle Daten der Notarzt-Einsätze der betroffenen Wachen und aller angrenzenden Notarztwachen aus dem vergangenen Jahr ein“, sagte Dr. Guido Scherer.

Auf Basis dieser Daten ist für den Ärztlichen Leiter Rettungsdienst die jetzt von ihm vorgeschlagene 1,5-Lösung „medizinisch und fachlich die sinnvollste Lösung.“

Durch die jetzt angedachte neue Lösung bleibt es beim positiven Gesamtbild hinsichtlich der Notarzteinsätze im Rettungsdienstbereich Rheinhessen. „Die gefundene Lösung ist mit Blick auf das sehr gut ausgebildete nichtärztliche Rettungsdienstpersonal (Notfallsanitäter), die stets mitalarmiert werden, meist bereits vor dem Notarzt vor Ort sind und mit lebensrettender Soforthilfe starten, ohne Bedenken zu rechtfertigen“, sagte Dr. Guido Scherer. Er befindet sich derzeit in Gesprächen mit den Krankenkassen – die für die Finanzierung der Standorte zuständig sind –  und dem Binger Heilig-Geist-Hospitals als einem potenziellem Träger dann beider Notarztstandorte. Das Binger Krankenhaus als Träger des Binger Notarztstandortes ist hier erster Ansprechpartner.

„Wir arbeiten mit Hochdruck an dieser Gesamtlösung. Die Erhaltung des Notarztstandortes Ingelheim hat für mich oberste Priorität. Die 1,5-Lösung ist in meinen Augen daher ein guter Kompromiss“, sagte Dorothea Schäfer im Kreisausschuss, der jetzt einstimmig beschlossen hat, ab dem 1. Oktober bis zum Ende des Jahres eventuell auftretende Finanzierungslücken bis zu 70.000 Euro für die vorübergehende Aufrechterhaltung des 24-Stunden-Betriebs zu übernehmen, die voraussichtlich nicht ausgeschöpft werden müssen, zu übernehmen. Dies ist notwendig, da die Verhandlungen für den weiteren Erhalt des Notarztstandortes Ingelheim bisher noch nicht final abgeschlossen werden konnten.