Es ist ein wirtschaftlicher Tiefschlag für die Region Nahe-Hunsrück: Das Mainzer Biotechnologie-Unternehmen BioNTech muss seinen Traditionsstandort in Idar-Oberstein endgültig schließen. Nachdem die monatelange Suche nach Käufern oder Investoren für das Werk gescheitert ist, steht der Zeitplan für das Aus fest. Für die rund 440 Beschäftigten in Idar-Oberstein und das gesamte Umfeld bedeutet die Entscheidung das endgültige Ende.
Neben dem Standort in Rheinland-Pfalz sind auch die Werke im hessischen Marburg (540 Beschäftigte) und im baden-württembergischen Tübingen (rund 820 Beschäftigte) von den Schließungsplänen betroffen. Bundesweit fallen damit etwa 1.800 Stellen im Fertigungsnetzwerk des Konzerns weg.
Einbruch bei BioNTech nach dem Corona-Boom macht Schließung unumgänglich
Die Hoffnung auf einen Investor, der die modernen Labor- und Produktionsanlagen in Idar-Oberstein übernimmt und die Arbeitsplätze rettet, hat sich zerschlagen. Wie am Montag bekannt wurde, ist der Verkaufsprozess im derzeit schwierigen Markt- und Investitionsumfeld ohne Ergebnis geblieben.
Der Grund für den radikalen Kahlschlag liegt im massiven Einbruch der weltweiten Nachfrage nach dem Covid-19-Impfstoff, während der Pandemie hatte der Mainzer Konzern seine Kapazitäten mit Milliardenaufwand ausgebaut. Mit der Rückkehr zu einem saisonalen Geschäft ist der Bedarf an großvolumigen Produktionsstätten jedoch drastisch gesunken. Die Kapazitäten an den deutschen Standorten waren schlichtweg nicht mehr ausgelastet.
BioNTech befindet sich mitten in einer harten strategischen Transformation, denn der Konzern richtet seinen Fokus künftig schwerpunktmäßig auf die Entwicklung neuer mRNA-Krebsmedikamente. Da die Forschung an den Hoffnungsträgern in der Onkologie immens teuer ist und das Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 Verluste in Milliardenhöhe auswies, muss die Ausgabenseite drastisch reduziert werden. Durch die Schließung des Produktionsnetzwerks will BioNTech jährlich rund 500 Millionen Euro einsparen.
Rückzug vom Wiegen-Standort
Das Werk in Idar-Oberstein, das 2009 in Betrieb genommen wurde und einst als Fertigungswiege für zell- und gentherapeutische Wirkstoffe diente, galt lange als Aushängeschild der regionalen Wirtschaft.
Nach Angaben aus Unternehmens- und Betriebsratskreisen soll der Schließungsprozess der drei betroffenen Werke nun gestaffelt bis spätestens Ende 2028 vollzogen werden. Um die Härte für die Belegschaft abzufedern, wurden mit dem Konzernbetriebsrat Vereinbarungen über Abfindungen und Sozialpläne getroffen.






