StartMainzBioNTech Mainz: Hängepartie für Mitarbeiter – Gewerkschaft weicht aus

BioNTech Mainz: Hängepartie für Mitarbeiter – Gewerkschaft weicht aus

Wer in dieser Lage auf eine starke und schützende Hand der Arbeitnehmervertretung gehofft hatte, wird enttäuscht

Gereizte Stimmung, offene Zukunftsfragen und drohender Stellenabbau am Stammsitz von BioNTech in Mainz: Während die Belegschaft auf Antworten wartet, zeigt eine Stellungnahme der zuständigen Gewerkschaft IGBCE vor allem eines: Orientierungslosigkeit und Distanz zur Belegschaft.

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Es brodelt bei BioNTech in Mainz

Nach den Ankündigungen, die Produktionsstandorte in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen zu schließen, wächst auch in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt die Sorge vor einem spürbaren Stellenabbau. Dazu kommt das geplante Ausgründungsprojekt „Arife SE“ der Firmengründer Ugur Sahin und Özlem Türeci, das hunderte Forscher betrifft.

Doch wer in dieser ungewissen Lage auf eine starke und schützende Hand der Arbeitnehmervertretung gehofft hatte, wird enttäuscht. Eine Anfrage von BYC News an den zuständigen IGBCE-Bezirk Mainz fördert vor allem ausweichende und nüchterne Rückmeldungen zu Tage.

Dienst nach Vorschrift: Verweis auf Medien statt eigener Einblicke

Auf die Frage nach der aktuellen Stimmung unter den mehr als 4.000 Beschäftigten in Mainz verweist die Gewerkschaft lediglich auf bereits erschienene Presseberichte: Die Stimmung sei dort „gut wiedergegeben“. Eigene, tiefergehende Einblicke in die Gefühlslage der Belegschaft lässt die Gewerkschaft damit vermissen.

Auch für Beschäftigte, die aufgrund des schlechten Betriebsklimas über Eigenkündigungen nachdenken, hat die Gewerkschaft wenig Empathie übrig, statt Unterstützung gibt es eine trockene Rechtsbelehrung: „Ein Anspruch auf Abfindung gibt es gesetzlich nicht! Dieses wird nur verhandelt, wenn es zu betriebsbedingten Kündigungen kommt.“ Wer die Reißleine zieht, steht finanziell somit alleine da, konkrete Zahlen zum geplanten Stellenabbau in Mainz liegen aber auch der Gewerkschaft nicht vor.

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Mitbestimmung außen vor: Schulterzucken bei der Arife-Ausgründung

Besonders brisant ist die Situation beim geplanten Wechsel hochqualifizierter Forscher zum neuen Start-up „Arife SE“. Weil BioNTech an dem neuen Unternehmen nur eine Minderheitsbeteiligung halten soll und Arife kein Teil des Konzerns wird, ist ein unkomplizierter Personalwechsel rechtlich ausgeschlossen. Es brauche Abfindungsprogramme bei BioNTech und Neueinstellungen bei Arife.

Allerdings räumt die IGBCE ein, beim aktuellen Verhandlungsstand völlig im Dunkeln zu tappen. Der Grund: Die betriebliche Mitbestimmung wird von der Unternehmensführung bei den Verhandlungen schlichtweg gar nicht einbezogen. Dass der Betriebsrat von den Entscheidungsträgern isoliert wird, nimmt die Gewerkschaft in ihrer Stellungnahme fast schon schulterzuckend hin.

Appell an den künftigen CEO

Statt konkreter eigener Initiativen richtet die IGBCE lediglich vage Erwartungen an den designierten Vorstands-Chef, die bisherige „Salami-Taktik“ des Managements müsse aufhören und ein klares Zukunftsbild für den Standort BioNTech Mainz gezeichnet werden.

Die Reaktion der Gewerkschaft macht deutlich: Nicht nur das Management lässt die Mitarbeiter im Unklaren. Auch die Arbeitnehmervertreter wirken derzeit eher wie passive Beobachter einer Hängepartie, deren Ende für die Mainzer Belegschaft nicht absehbar ist.