StartWirtschaftVarta schließt Werk in Deutschland - 350 Mitarbeiter betroffen

Varta schließt Werk in Deutschland – 350 Mitarbeiter betroffen

Riesige Werkshalle steht nach nur fünf Jahren vor der Schließung

Das einstige Leuchtturmprojekt der deutschen Batterieproduktion steht vor dem Aus: Zum Jahresende stellt Varta die Knopfzellen-Fertigung im schwäbischen Nördlingen komplett ein. Nach Jahren der Kurzarbeit und des Stellenabbaus verlieren nun die verbliebenen 350 Beschäftigten ihre Arbeit. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger spricht von einem „harten Schlag“ und einem „Alarmzeichen“ für ganz Deutschland.

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Abhängigkeit von Großkunde besiegelt das Aus

Der Grund für das abrupte Ende der Produktion ist so simpel wie dramatisch: Ein einziger, dominanter Großkunde hat seine Verträge mit Varta gekündigt und bezieht seine Komponenten künftig aus China. Laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters handelt es sich dabei um den US-Technologieriesen Apple, für dessen kabellose Kopfhörer Varta in Nördlingen die Mikrobatterien fertigte. Dieser eine Kunde war für sage und schreibe 98 Prozent der gesamten Werksauslastung verantwortlich.

Der seit 2024 amtierende Varta-Vorstandsvorsitzende Michael Ostermann räumte gegenüber dem BR ein, dass die damalige strategische Ausrichtung auf nur einen singulären Kunden „vielleicht seinerzeit ein strategischer Fehler gewesen“ sei. Dennoch betonte er, das Werk sei ein Beweis dafür gewesen, dass die Lithium-Ionen-Produktion in Deutschland technologisch über Jahre hinweg erfolgreich funktionieren kann. Für die betroffenen 350 Mitarbeiter soll nun ein Sozialplan ausgearbeitet werden. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt des Booms im Jahr 2021 arbeiteten noch rund 1.000 Menschen am Standort.

Vom politischen Vorzeigeprojekt zur Millionen-Frage

Die Schließung kommt einer politischen und wirtschaftlichen Bruchlandung gleich. Im Jahr 2020 hatten der Bund und der Freistaat Bayern Fördergelder in Höhe von insgesamt 300 Millionen Euro zugesagt, um die Batterieherstellung in Deutschland als Schlüsseltechnologie zu sichern – allein 100 Millionen Euro waren für Nördlingen vorgesehen. Bis 2024 wurden davon rund 137 Millionen Euro abgerufen.

Damals feierte die Politik-Prominenz, darunter Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und der damalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, das Werk bei zahlreichen Presseterminen als Zukunftshoffnung. Ob Varta nun erhaltene Fördergelder an den Staat zurückzahlen muss, wird derzeit vom Bundeswirtschaftsministerium geprüft. Eine Sprecherin konnte dazu auf Anfrage noch keine Angaben machen.

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Riesige Produktionshalle wird zur Industriebrache

Mit den staatlichen Millionen wurde am Stadtrand von Nördlingen in Rekordzeit ein weithin sichtbares, modernes Produktionsgebäude hochgezogen. Nur fünf Jahre nach der Fertigstellung droht diesem nun die weitgehende Verwaisung. Laut einem Unternehmenssprecher war die Halle vom vorherigen Vorstand „viel zu groß dimensioniert“ worden.

Lediglich eine „kleine Ecke“ des riesigen Gebäudes soll künftig weitergenutzt werden: Dort läuft eine Kooperation mit dem Autobauer Porsche zur Entwicklung von Fahrzeugbatterien weiter. Die eigentliche Produktion wird jedoch komplett stillgelegt.

Scharfe Kritik von Wirtschaftsminister Aiwanger

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) zeigte sich tief besorgt über das Ende der Sparte: „Die Schließung der Mikrobatterie-Sparte ist ein harter Schlag für Schwaben und ein weiteres Alarmzeichen für den Industriestandort Deutschland.“ Man habe von Landesseite alles versucht, um den Standort zu sichern. Nun gehe es darum, den entlassenen Arbeitnehmern schnellstmöglich neue Perspektiven zu bieten.

Gleichzeitig nutzte Aiwanger den Fall für deutliche Kritik in Richtung Berlin und Brüssel. Er warnte vor übertriebenen regulatorischen Vorgaben, die die Wirtschaft belasten würden: „Wir verlagern Arbeitsplätze nach Asien und retten dadurch die Welt nicht.“ Er forderte mehr Eigenständigkeit für Deutschland und die EU, um die strategische Abhängigkeit von asiatischen Märkten spürbar zu reduzieren.

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