Es ist einer der bekanntesten Kriminalfälle Hessens: Im Sommer 2001 wurde die Leiche einer Jugendlichen im Main bei Frankfurt gefunden. Fast ein Vierteljahrhundert blieb sie anonym und war nur als „Mädchen aus dem Main“ bekannt, die Ermittler standen vor einem Rätsel. Nun führte eine internationale Kampagne zum Durchbruch. Der Vater der Getöteten sitzt nun wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.
Durchbruch im Fall „Mädchen aus dem Main“ dank der Kampagne „Identify Me“
Am Nachmittag des 31. Juli 2001 machten Passanten in Frankfurt-Nied eine schreckliche Entdeckung: Im Main trieb der Leichnam einer jungen Frau. Die Leiche war in ein Bettlaken eingewickelt, verschnürt und mit einem schweren Sonnenschirmständer beschwert im Fluss versenkt worden.
Trotz intensiver Ermittlungen der Frankfurter Kriminalpolizei und des Hessischen Landeskriminalamtes (HLKA) konnte die Identität des Opfers über Jahrzehnte nicht geklärt werden. Das Opfer wurde in der Öffentlichkeit als das „Mädchen aus dem Main“ bekannt, dessen Alter die Rechtsmediziner auf 13 bis 16 Jahre schätzten. Der Fall drohte zu einem ungelösten Dauer-Cold-Case zu werden – doch die Ermittler legten die Akten nie ganz zu den Augen.

Die entscheidende Wende in dem jahrzehntelangen Rätsel brachte die internationale Fahndungskampagne „Identify Me“, an der sich auch das Bundeskriminalamt (BKA) beteiligte. Im Oktober 2024 wurde der Fall der unbekannten Toten im Rahmen dieser Initiative noch einmal weltweit an die Öffentlichkeit gebracht, um neue Hinweise aus der Bevölkerung zu generieren.
Mit Erfolg: Nach dem Start der Kampagne gingen zahlreiche wertvolle Hinweise zu dem Mädchen aus dem Main bei den Behörden ein. Die Ermittler nahmen die Spur wieder auf und arbeiteten mit unverminderter Intensität an dem Fall. Schließlich gelang es ihnen nicht nur, das Mädchen nach 25 Jahren als die damals 16-jährige Tochter einer Familie aus der Region zu identifizieren, sondern auch den dringenden Tatverdacht gegen den eigenen Vater zu begründen.
Vater in der eigenen Wohnung festgenommen
Am 12. Mai 2026 klickten schließlich die Handschellen: Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main nahm das Hessische Landeskriminalamt einen 67-jährigen deutschen Staatsangehörigen an seiner Wohnanschrift widerstandslos fest.
Dem in Pakistan geborenen Mann wird vorgeworfen, seine 16-jährige Tochter in der damaligen Familienwohnung in Offenbach zwischen dem 28. und 31. Juli 2001 durch massive, brutale Schläge getötet zu haben. Um das Verbrechen zu vertuschen, soll er den Leichnam verpackt, beschwert und in den Main geworfen haben. Der 67-Jährige wurde noch am Tag seiner Festnahme einer Ermittlungsrichterin am Amtsgericht Frankfurt am Main vorgeführt, die die Untersuchungshaft wegen des Verdachts des Mordes anordnete. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Hessischen Landeskriminalamtes zu den genauen Hintergründen des Familiendramas dauern weiterhin an.




