StartWirtschaftTarifrunde in Rheinland-Pfalz endet ohne Ergebnis

Tarifrunde in Rheinland-Pfalz endet ohne Ergebnis

IGBCE lehnt Nullrunde ab und pocht auf spürbare Lohnerhöhungen sowie Beschäftigungssicherung

Ohne Einigung ist die regionale Chemie-Tarifrunde in Rheinland-Pfalz am Freitag, 16. Januar, zu Ende gegangen. IGBCE Rheinland-Pfalz und Arbeitgeber konnten sich bei den Verhandlungen in Frankenthal nicht auf ein Ergebnis verständigen. Den Forderungen der Gewerkschaft nach einer spürbaren Lohnsteigerung sowie verbindlichen Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung erteilte die Arbeitgeberseite eine klare Absage.

Kritik an Nullrunde und Arbeitgeberhaltung

Roland Strasser, Verhandlungsführer und Landesbezirksleiter der IGBCE Rheinland-Pfalz, betonte nach der Verhandlung, dass die wirtschaftliche Lage der chemischen Industrie regional zwar teilweise herausfordernd sei. Dies dürfe jedoch nicht dazu führen, dass die Beschäftigten die Lasten allein tragen müssten. Gleichzeitig gebe es zahlreiche Betriebe und Industriebereiche, in denen die Geschäfte gut liefen.

Strasser unterstrich: „Eine tarifliche Atempause, also eine Nullrunde, ist mit uns nicht zu machen. Sie würde der Branche, in der die Lohnkosten nur rund ein Siebtel der Gesamtkosten ausmachen, auch nicht entscheidend helfen. Die Arbeitgeber müssen sich deutlich auf uns zu bewegen.“

Forderungen nach Entgeltsteigerung und Jobsicherung

Im Mittelpunkt der laufenden Chemie-Tarifverhandlungen stehen Entgeltsteigerungen und die Sicherung von Arbeitsplätzen. Diese Tarifforderungen hatte die Bundestarifkommission der IGBCE bereits im Dezember für die bundesweit rund 585.000 Beschäftigten der Branche beschlossen. Das Motto der Tarifrunde lautet: „Jeder Job zählt. Jeder Euro zählt.“

Konkret fordert die IGBCE eine Erhöhung der Einkommen für Tarifbeschäftigte und Auszubildende, um die Kaufkraft zu stärken, sowie tarifliche Instrumente zur Beschäftigungssicherung.

Beispiele aus der Praxis: Wachstum und Arbeitsplatzabbau

Nach Einschätzung der IGBCE besteht bei den Löhnen weiterhin Nachholbedarf. Eine spürbare Steigerung der Einkommen sei notwendig und realistisch. „Es gibt auch viele Betriebe, die gut verdienen und Bereiche, die wachsen“, so Roland Strasser.

Als Beispiel nennt Sibylle Anhorn, Betriebsratsvorsitzende bei Boehringer Ingelheim in Ingelheim, das Wachstum des Unternehmens durch strategische Investitionen in Forschung und Produktion – sowohl am Standort Ingelheim als auch weltweit. Die mehr als 18.000 Beschäftigten in Deutschland trügen maßgeblich zu diesem Erfolg bei. Sie leisteten täglich viel und erwarteten entsprechend auch eine spürbare Gehaltsentwicklung.

Demgegenüber verweist Ramon Jüngling, Betriebsratsvorsitzender bei Sun Chemical in Ludwigshafen, auf vier laufende Personalabbauprogramme mit dem Verlust von derzeit mindestens 150 Arbeitsplätzen am Standort. Für ihn steht die Beschäftigungssicherung derzeit im Mittelpunkt. Aufgrund des hohen Organisationsgrads in der IGBCE hätten die gewerkschaftlichen Vertrauensleute in ihrem Beschluss zur Tarifrunde 2026 ausdrücklich eine Beschäftigungssicherung für IGBCE-Mitglieder gefordert.

Ausblick auf den weiteren Tarifverlauf

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der chemisch-pharmazeutischen Industrie beginnen traditionell auf regionaler Ebene. In den neun Tarifregionen wird in dieser Runde vom 14. bis zum 23. Januar verhandelt. Sollten diese Gespräche ohne Ergebnis bleiben, werden die Verhandlungen auf Bundesebene fortgesetzt.

Der Start der bundesweiten Verhandlungen ist für den 3. Februar 2026 in Hannover vorgesehen. Die aktuellen Tarifverträge laufen am 28. Februar 2026 aus.

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