Die anhaltende Schwächephase der Wirtschaft in Deutschland führt zu einem spürbaren und kontinuierlichen Anstieg der Insolvenzzahlen. Nach aktuellen Hochrechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform werden bis zum Ende des ersten Halbjahres voraussichtlich 12.900 Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht angetreten haben. Dies entspricht einem Zuwachs von fast acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Ein ähnlich hohes Niveau wurde auf dem deutschen Markt letztmalig in den ersten sechs Monaten des Jahres 2013 verzeichnet, als die Behörden 13.310 Fälle registrierten.
Experten zufolge ist das Ende dieser Entwicklung vorerst nicht absehbar. Die Wirtschaftsforschung von Creditreform prognostiziert, dass der eigentliche Höhepunkt der Insolvenzwelle in Deutschland noch vor uns liegt. Eine nachhaltige Stabilisierung der Lage am Markt wird demnach erst dann eintreffen, wenn die hiesige Wirtschaft wieder ein dauerhaftes Wachstum verzeichnet, was nach aktuellen Prognosen frühestens für das Jahr 2027 erwartet wird. Für das laufende Jahr gehen Ökonomen lediglich von einem minimalen Wachstum aus, da unter anderem geopolitische Krisen den erhofften Aufschwung spürbar bremsen.
Energiekrise und steigender Druck auf Großunternehmen in Deutschland
Die Ursachen für die prekäre finanzielle Schieflage vieler Betriebe in Deutschland sind vielschichtig. Neben dauerhaft hohen Energiekosten, einer spürbaren Kaufzurückhaltung aufseiten der Verbraucher und zunehmenden bürokratischen Lasten haben jüngste internationale Konflikte zu einem erneuten Ölpreisschock geführt. Dieser Preissprung belastet die Wertschöpfungsketten der Industrie sowie das Budget der Endverbraucher gleichermaßen. Besonders stark betroffen ist der Dienstleistungssektor, zu dem unter anderem die Gastronomie zählt; hier wurden im ersten Halbjahr des laufenden Jahres fast 7.900 Insolvenzverfahren registriert.
Ein auffälliger Trend zeigt sich zudem bei Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. In diesem Segment verzeichnete die Auskunftei einen überdurchschnittlichen Anstieg der Pleiten um 28,6 Prozent. Prominente Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit betreffen unter anderem den Hotelbetreiber Revo-Hospitality-Gruppe, die Baumarktkette Hellweg sowie den bekannten Spielwarenhändler Rofu Kinderland. Ebenso steht die Zukunft des Traditionsherstellers Varta in diesem Sommer auf dem Prüfstand, wo über Sanierungskonzepte oder eine mögliche Zerschlagung verhandelt wird. Auch junge Marktteilnehmer geraten vermehrt unter Druck: In den ersten zwei Jahren nach der Gründung gaben 1.140 Start-ups auf – ein Zuwachs von gut einem Viertel gegenüber dem ersten Halbjahr 2025.
Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und Verbraucherinsolvenzen
Die wirtschaftliche Dynamik hat unmittelbare Konsequenzen für den Beschäftigungssektor in Deutschland. Nach Schätzungen von Analysten stehen infolge der angemeldeten Firmeninsolvenzen des ersten Halbjahres aktuell rund 165.000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert noch bei 143.000 gefährdeten Stellen. Die insolvenzbedingte Gesamtschadensumme wird für das Halbjahr auf rund 28,5 Milliarden Euro geschätzt und liegt damit geringfügig unter dem Vorjahreswert von 31,2 Milliarden Euro.
Parallel dazu geraten auch Privathaushalte in Deutschland zunehmend in finanzielle Bedrängnis, getrieben durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die allgemeine Teuerungsrate. Für das erste Halbjahr 2026 erfasste Creditreform 38.800 Verbraucherinsolvenzen, was einer Steigerung von 2,3 Prozent entspricht. Der Zuwachs fiel hier jedoch schwächer aus als in den Vorjahren, da sich der Arbeitsmarkt trotz des Abbaus gut bezahlter Stellen im verarbeitenden Gewerbe weiterhin relativ robust zeigt. Die amtlichen Quartalszahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen den Trend: Bereits im ersten Quartal vermeldeten die Amtsgerichte 6.275 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das Gesamtjahr 2025 hatte mit 24.064 Pleiten bereits den höchsten Stand seit 2014 markiert, nachdem die staatlichen Corona-Hilfen ausgelaufen waren.





