Der Fachkräftemangel erklimmt jedes Jahr neue Höchststände. So gaben laut des Münchner IFO-Instituts im Juli 2022 etwa 50 % der Unternehmer an, dass der Mangel an ausgebildetem Personal der größte Hemmschuh für eine prosperierende Zukunft ihres Betriebes darstelle.

Die Gründe sind vielfältig – doch es gibt einige Lösungsmöglichkeiten, die jetzt von Politik und Wirtschaft in Angriff genommen werden müssen. Die meisten wirken jedoch erst langfristig!

Die Ursachen des Mangels an Fachkräften

Die Gründe des Fachkräftemangels sind vielschichtig. Den größten Treiber sehen Experten im demografischen Wandel. Die Bevölkerung wird immer älter, die schwindenden Geburtenraten verhindern, dass ausreichend Nachwuchs zur Verfügung steht. Zudem geht in diesem Jahrzehnt die sogenannte “Boomer”-Generation in Rente. Dazu gehören Menschen, die in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre geboren wurden. In dieser Phase gab es besonders starke Geburtenjahrgänge.

Auch die zunehmende Digitalisierung trägt ihren Teil zum Fachkräftemangel bei. So verlieren immer mehr traditionelle Berufe an Bedeutung. Die neu entstehenden Jobs verlangen ein detailliertes Fachwissen, das bei den meisten Arbeitssuchenden (noch) nicht vorhanden ist.

Welche Berufe sind besonders betroffen?

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geht derzeit noch nicht von einem flächendeckenden Fachkräftemangel in Deutschland aus. Bisher seien die Lücken noch punktuell und sollen so schnell wie möglich geschlossen werden. Besonders betroffen sind die folgenden Branchen:

  • Akademische Berufe in der Medizin, im Ingenieurwesen und der IT
  • Handwerksberufe im Elektrobereich, der Kunststoffverarbeitung, dem Rohrleitungsbau, der Schweißtechnik und im Maschinenbau
  • Pflegeberufe in der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege

Die Folgen des Fachkräftemangels

Die wichtigste Ressource einer funktionierenden Wirtschaft sind die Beschäftigten. Daher werden die Folgen des Fachkräftemangels gravierende Auswirkungen haben. Ohne ausgebildete Arbeitskräfte gerät das zukünftige Wirtschaftswachstum und die damit verbundene Wertschöpfung in Gefahr.

Besonders heikel wird der Dienstleistungsbereich angesehen, der mit dafür verantwortlich ist, dass die Gesellschaft funktioniert. Im Hintergrund droht der wachsende Pflegebedarf durch die älter werdende Bevölkerung, die Notlage zu verschärfen.

Maßnahmen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels

Es gibt jedoch Maßnahmen, die den Fachkräftemangel abschwächen können. Um kurzfristige Engpässe zu überbrücken, greifen immer mehr Unternehmen auf die Ressourcen der Zeitarbeit zurück. Die Branche hat mit der neuesten Fassung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) ihren schlechten Ruf ablegen können. So werden Zeitarbeiter stark nachgefragt, sofern ihre Arbeitgeber keine Arbeitsverhältnisse unter dem iGZ-Tarifvertrag anbieten.

Es wurde eigentlich erwartet, dass Immigranten und ausländische Fachkräfte kurzfristig Lücken schließen könnten. Bisher ist dabei noch viel Luft nach oben festzustellen. Unternehmer geben sprachliche Barrieren sowie falsche Vorstellungen der Bewerberinnen und Bewerber an, sodass dieses Potenzial nicht umfassend ausgeschöpft wird. Eine größere Rolle könnte jedoch die Tatsache spielen, dass ausländische Diplome schlechter als deutsche Abschlüsse eingeschätzt werden.

Langfristig wirkende Maßnahmen

Doch das kurzfristig abzurufende Fachpersonal allein hat nur geringfügige Auswirkungen auf den tief greifenden Wandel auf dem Arbeitsmarkt. Gesamtgesellschaftlich wird eine Lösung nur über eine breit angelegte Bildungsoffensive zu finden sein. Eine solche muss die Arbeitnehmer auf den digitalen Arbeitsmarkt vorbereiten. Ansätze sind zu erkennen:

So hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung ein Strategiepapier vorgelegt. Dieses unterstützt die Bildungseinrichtungen dabei, ein digitales Profil zu entwickeln. Dadurch sollen künftige Arbeitnehmer eine Ausbildung erhalten, die sie auf die Anforderungen des digitalen Zeitalters vorbereitet.

Weitere Arbeitsmarktressourcen erschließen

Ein weiterer Ansatz besteht darin, schlummernde Arbeitskraftpotenziale zu wecken, um die Fachkräftelücke zu schließen. Dabei handelt es sich um Ressourcen, die aufgrund ungenügender struktureller Bedingungen nicht ausgeschöpft werden. Dazu gehören rüstige Senioren, Teilzeitarbeitnehmer und Frauen in der Familienphase. Derzeit offeriert nur etwa ein Viertel der Unternehmen familienfreundliche Arbeitsplätze. Zu wenig noch werden flexible Arbeitszeiten und -orte sowie innerbetriebliche Betreuungsmöglichkeiten angeboten.

Viele Ältere möchten mit dem Eintritt ins Rentenalter ihre Erwerbstätigkeit nicht an den Nagel hängen. Sie sind bereit, ihr Unternehmen auch länger zu unterstützen. Gerade in Sektoren der Wissensarbeit können die Betriebe vom Know-how und der Erfahrung der Senioren profitieren. Schließlich könnten Anreize für Teilzeitkräfte dafür sorgen, dass sie ihre Arbeitszeit ausdehnen und auf diese Art zur Bekämpfung des Fachkräftemangels beitragen.