StartHaus und GartenSchnee auf dem Glasdach: Was Gewächshaus und Wintergarten tragen müssen

Schnee auf dem Glasdach: Was Gewächshaus und Wintergarten tragen müssen

Wie viel Schnee ein Wintergarten tragen muss, welche Schneelastzonen in Deutschland gelten und wie Sie Schäden durch Schneedruck vermeiden

Wenn im Spätherbst der erste nasse Schnee fällt, sieht man einem Glasdach kaum an, wie viel Gewicht darauf liegt. Die Scheiben wirken leicht, und die weiße Schicht sieht harmlos aus. Nach Angaben der Versicherungswirtschaft kann eine nur zehn Zentimeter dicke Schneedecke im Extremfall mehr als 100 Kilogramm pro Quadratmeter wiegen. Auf einem Wintergarten mit 15 Quadratmetern Dachfläche kämen so rund anderthalb Tonnen zusammen.

Wie viel eine Konstruktion tatsächlich aushalten muss, hängt stark davon ab, wo in Deutschland sie steht.

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Fünf Zonen zwischen Küste und Alpen

Für die Statik von Dächern ist Deutschland in Schneelastzonen eingeteilt. Grundlage ist die Norm DIN EN 1991-1-3 mit ihrem nationalen Anhang, die drei Hauptzonen und zwei Unterzonen unterscheidet. In Zone 1, zu der etwa der Oberrheingraben und die Nordseeküste gehören, rechnen Statiker mit mindestens 0,65 Kilonewton pro Quadratmeter Boden. Das entspricht rund 66 Kilogramm. Zone 2 umfasst große Teile des Landes, darunter die Region Hannover, und beginnt bei 0,85 Kilonewton. Im Harz, im Erzgebirge, im Bayerischen Wald und am Alpenrand gilt Zone 3 mit einem Mindestwert von 1,10 Kilonewton. In den Unterzonen 1a und 2a liegt die Last jeweils um 25 Prozent über der zugehörigen Hauptzone.

Diese Mindestwerte beziehen sich auf tiefe Lagen. Mit der Höhe steigt die Schneelast weiter an, grob gerechnet um etwa zehn Kilogramm je 100 Höhenmeter und in Berglagen noch deutlich stärker. Ein Grundstück in Garmisch-Partenkirchen braucht deshalb eine ganz andere Berechnung als eines in Freiburg. Bei flachen und leicht geneigten Dächern bis 30 Grad setzen Statiker 80 Prozent der Bodenlast an, weil erfahrungsgemäß nicht der gesamte Schnee auf dem Dach liegen bleibt.

Warum die Bauart den Unterschied macht

Für ein Glasdach sind diese Zahlen besonders wichtig, denn Scheiben, Sprossen und Pfosten tragen das Gewicht gemeinsam. Wie dick das Glas ist, wie eng die Sprossen stehen und wie kräftig die Profile ausfallen, entscheidet darüber, wie viel Last die Konstruktion aufnehmen kann. Kritisch wird es vor allem nach einem Wetterumschwung. Fällt auf eine liegende Schneedecke Regen, saugt sie sich voll und wird innerhalb weniger Stunden deutlich schwerer. Ähnlich ungünstig wirkt Eis an der Dachkante, das den Schnee am Abrutschen hindert, sodass er sich auf dem Glas sammelt.

In Skandinavien plant man seit jeher mit langen und schneereichen Wintern. Beim schwedischen Hersteller Willabgarden, der seit 1986 Gewächshäuser und Wintergärten baut, gehört die Frage nach der Schneelastzone deshalb zur Planung eines Wintergartens, und die Konstruktion wird an die Zone des Wohnorts angepasst. Wer ein Glashaus anschaffen möchte, sollte die eigene Zone also kennen, bevor Dachform und Modell feststehen. Karten der Schneelastzonen sind frei zugänglich, und im Zweifel gibt das örtliche Bauamt Auskunft.

Wer zahlt, wenn das Dach nachgibt

Bricht ein Glasdach unter der Last ein, geht es schnell um die Versicherung. Die Antwort überrascht viele Hausbesitzer. Eine gewöhnliche Wohngebäudeversicherung deckt Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel ab. Schneedruck zählt dagegen zu den Naturgefahren, für die eine Elementarschadenversicherung als zusätzlicher Baustein nötig ist. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft stellt klar, dass eine Wohngebäudeversicherung ohne diese Deckung bei Schneedruck nicht leistet. Bei frei stehenden Gewächshäusern lohnt außerdem ein Blick in den Vertrag, denn Nebengebäude sind nicht in jedem Tarif automatisch mitversichert.

Im Winter selbst hilft vor allem Aufmerksamkeit. Neuschnee lässt sich vom Gewächshausdach am leichtesten entfernen, solange er noch locker ist, etwa mit einem weichen Besen an einem langen Stiel vom Boden aus. Auf ein Dach zu steigen, ist keine gute Idee, und auch der Versicherungsverband rät wegen der hohen Unfallgefahr ausdrücklich davon ab. Liegen auf einem großen Wintergarten ungewöhnliche Mengen, holt man sich besser Hilfe. Steht der Anbau unter einem steilen Hausdach, kann zudem ein Schneefanggitter verhindern, dass eine Dachlawine auf das Glas rutscht. Wer seine Schneelastzone schon beim Kauf berücksichtigt hat, kann dem nächsten Wintereinbruch ziemlich gelassen entgegensehen.