Aus Forschung und klinischer Praxis entstehen in Mainz zwei neue Unternehmen mit unterschiedlichen medizinischen Schwerpunkten. Die CatMedica GmbH arbeitet an einer Vorrichtung, die die Entfernung von Blutgerinnseln bei Schlaganfällen verbessern soll. Die Dense Immune GmbH entwickelt dagegen einen Impfstoffansatz gegen das humane Cytomegalovirus (HCMV), das insbesondere für ungeborene Kinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich werden kann.
Beide Unternehmen sind aus der Universitätsmedizin Mainz hervorgegangen. Ihre Entwicklungen befinden sich noch in unterschiedlichen Phasen der Forschung und Entwicklung, sollen langfristig aber dazu beitragen, die Behandlung von Patientinnen und Patienten zu verbessern.
CatMedica entwickelt neue Technologie für die Schlaganfallbehandlung
Bei einem akuten Schlaganfall kann ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn verschließen und dadurch die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen. Eine Behandlungsmöglichkeit ist die sogenannte Thrombektomie. Dabei entfernen Ärzte das Gerinnsel mithilfe eines Katheters, indem sie es absaugen oder mit einem Drahtnetz herausziehen.
Allerdings besteht das Risiko, dass Teile des Gerinnsels abbrechen und in der Blutbahn zurückbleiben. Die CatMedica GmbH entwickelt deshalb unter dem Namen „Seal & Protect“ eine Vorrichtung, die das Gerinnsel beim Herausziehen vollständig umschließen soll.
„Das zielt darauf ab, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, Blutgerinnsel bereits beim ersten Versuch vollständig aus dem Gefäß zu entfernen und damit die Erfolgsaussichten der Behandlung zu verbessern“, sagt PD Dr. Yasemin Tanyildizi, Geschäftsführerin von CatMedica.
Die Vorrichtung soll bestehende Thrombektomiesysteme ergänzen und sich in die bereits etablierten Geräte und Arbeitsabläufe integrieren lassen. Dadurch sollen Ärztinnen und Ärzte ihre gewohnte Vorgehensweise während des Eingriffs nicht grundlegend verändern müssen.
„Mit unserer Vorrichtung können wir nicht nur die Versorgung von Schlaganfallpatient verbessern, sondern zugleich die Behandlungskosten wesentlich reduzieren“, sagt Tanyildizi.
Technologie befindet sich noch in der präklinischen Phase
Aktuell wird „Seal & Protect“ an Gefäßmodellen getestet. Die Technologie befindet sich damit noch vor klinischen Studien am Menschen. Als nächste Schritte strebt das Unternehmen eine Zulassung durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA sowie eine CE-Kennzeichnung für den europäischen Markt an.
Langfristig möchte CatMedica die Technologie auch für weitere Bereiche der Gefäßmedizin und der interventionellen Onkologie weiterentwickeln. Zudem sind Kooperationen mit Medizintechnikunternehmen geplant, die auf endovaskuläre Verfahren spezialisiert sind.
Gegründet wurde CatMedica am 3. Juli 2026 von der Radiologin PD Dr. Yasemin Tanyildizi und der Investmentbankerin Anne Vallersnes. Das Unternehmen wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. 2025 gewann es nach eigenen Angaben den Goethe SDG Contest und den Gründermarkt Mainz. 2026 wurde CatMedica beim Female Founders Contest in Potsdam als bestes weibliches Start-up in Deutschland ausgezeichnet.
Dense Immune forscht an Impfstoff gegen Cytomegalovirus
Die zweite Ausgründung, die Dense Immune GmbH, beschäftigt sich mit einem weltweit verbreiteten Virus aus der Herpesvirus-Familie: dem humanen Cytomegalovirus. Nach Angaben der Universitätsmedizin Mainz tragen mehr als 80 Prozent der Menschen das Virus in sich. Bei gesunden Erwachsenen und Kindern verläuft eine Infektion meist ohne oder mit nur milden Beschwerden.
Problematisch kann HCMV jedoch während einer Schwangerschaft werden. Eine Infektion kann die Entwicklung des ungeborenen Kindes schwer beeinträchtigen und unter anderem zu Schädigungen des Gehirns oder zu Taubheit führen. Auch bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann das Virus schwere Erkrankungen verursachen, etwa nach einer Stammzellspende oder einer Organtransplantation.
„Die Immunisierung von Mädchen und jungen Frauen vor der Schwangerschaft hat das Potential, die dramatischen Folgen der kongenitalen HCMV-Infektionen zu verhindern“, sagt Zahra Ghodratian, Geschäftsführerin von Dense Immune. „Bei immungeschwächten Patient verfolgen wir hingegen einen Ansatz der therapeutischen Impfung, die bei bereits infizierten Menschen die Immunantwort gegen HCMV stärken soll.“
Virusähnliche Partikel sollen Immunantwort auslösen
Der Impfstoffansatz von Dense Immune basiert auf sogenannten Dense-Body-Partikeln. Diese biotechnologisch hergestellten Partikel ähneln dem Virus in ihrem Aufbau, sind nach Angaben des Unternehmens jedoch weder infektiös noch vermehrungsfähig.
Sie sollen in Zellen eindringen und dort eine ausgeprägte Immunantwort auslösen. Dabei bildet das Immunsystem Antikörper gegen das Virus. Zusätzlich sollen sogenannte T-Killerzellen aktiviert werden, die infizierte Körperzellen erkennen und zerstören können.
Der Ansatz wurde bislang in Tiermodellen untersucht. Dabei konnten sowohl Antikörper als auch über einen längeren Zeitraum starke T-Zell-Antworten nachgewiesen werden. Diese Ergebnisse gelten als Machbarkeitsnachweis für die weitere Entwicklung, belegen aber noch keine Wirksamkeit beim Menschen.
„Unser Ziel ist es, einen Impfstoff zu entwickeln, der das Immunsystem gezielt auf HCMV vorbereitet und eine breite Immunantwort gegen HCMV ermöglicht“, sagt Ghodratian.
Förderung von 80.000 Euro für Dense Immune
Als nächster Schritt soll der Impfstoff in größerem Maßstab produziert werden, um die Voraussetzungen für klinische Studien der Phase 1 zu schaffen. In dieser frühen Studienphase steht insbesondere die Sicherheit des Impfstoffkandidaten im Mittelpunkt.
Dense Immune wurde am 29. Juni 2026 von der Virologin Zahra Ghodratian gemeinsam mit dem Humanmediziner und Experten für klinische Studien Azelarab Terkemani sowie den Virologen Prof. Dr. Bodo Plachter und Prof. Dr. Niels Lemmermann gegründet.
Das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium fördert das Unternehmen im Rahmen des Landeswettbewerbs „startup innovativ 2026“ mit 80.000 Euro. Außerdem wurde das Team für das internationale MassChallenge-Programm in Boston und das Creative Destruction Lab in Berlin ausgewählt. Dort soll es Unterstützung durch Fachleute und erfahrene Mentoren erhalten.
Universitätsmedizin Mainz begleitet Ausgründungen
Beide Unternehmen beruhen auf wissenschaftlichen Arbeiten, die über mehrere Jahre an der Universitätsmedizin Mainz durchgeführt wurden. Die dortige Stabsstelle Technologietransfer verwaltete nach Angaben der Universitätsmedizin die entstandenen Patente und unterstützte die Überführung der Forschungsergebnisse in die beiden Start-ups.
Auch durch Entrepreneurship-Programme und Drittmittelförderungen wurden die Projekte begleitet. Mit der Unterstützung von Ausgründungen sollen wissenschaftliche Erkenntnisse aus Mainz langfristig den Weg in medizinische Anwendungen finden.








