Leserbrief von Bernd Kräuter zum Thema Weinstand in Budenheim: Ich schreibe diesen Leserbrief. Und zwar, weil ich das Gefühl habe, dass viele entweder nicht richtig informiert sind oder sich mit den Hintergründen gar nicht beschäftigen wollen.
Ich möchte außerdem direkt klarstellen: Ich habe weder irgendetwas mit dem Weinstand zu tun noch mit dem Kiosk dort unten. Ich kenne keinen der Betreiber persönlich und habe auch kein eigenes wirtschaftliches Interesse an der Sache. Aber was ich seit dem gestrigen Leserbrief (Bürgermeister Stephan Hinz: „Der Weinstand ist illegal“) und den ganzen Kommentaren dazu lese, macht mich wirklich fassungslos.
Mal ganz ehrlich:
Nach meinen Informationen ist dort unten kein einziges Haus an ein Kanalsystem angeschlossen. Deshalb kommen doch regelmäßig diese Gülle-Pumpwagen und pumpen die ganze „Scheiße“ ab und entsorgen sie. Das hat meines Wissens auch mit dem Hochwassergebiet zu tun. Das ist also keine normale Infrastruktur wie im Ortskern.
Jetzt stellt euch doch mal folgende Situation vor: Da gibt es einen Kiosk mit Biergarten, der eine Toilette betreibt. Alles ist auf seinen Betrieb ausgelegt. Und dann macht plötzlich noch ein anderer Gastronom auf und dann stehen da 100, manchmal 200 Leute. Aber eine eigene Toilette? Fehlanzeige. Was passiert also? Die Leute pinkeln entweder auf den Spielplatz, in den Busch oder gehen in die Toilette vom Kioskbetreiber.
Und jetzt bitte einmal logisch nachdenken:
Diese Güllegrube ist doch nicht für zwei Gastronomiebetriebe ausgelegt. Natürlich ist die dann ruckzuck voll. Und was ist die Konsequenz? Der Kioskbetreiber kann seine Toilette nicht mehr betreiben und muss im schlimmsten Fall sein Geschäft zumachen. Das bedroht ganz konkret seine Existenz. Und wofür? Damit ein Weinstand noch ein bisschen mehr Profit machen kann?
Ich frage mich außerdem: Wo zahlt der eigentlich seine Steuern? In der Gemeinde Budenheim? Wahrscheinlich eher nicht. Und wer kommt für die zusätzliche Müllentsorgung auf? Bleibt das am Ende wieder an der Gemeinde hängen? Also an uns allen?
Und was ich auch noch loswerden muss:
Kurz vor so einer Wahl veröffentlicht dann plötzlich die CDU Budenheim auf Instagram, dass der Weinstand wieder aufmacht. Nicht der Betreiber selbst, nicht irgendeine Privatperson, nein, die Partei. Ganz ehrlich? Für mich riecht das extrem nach einem Wahlkampf-Geschenk. Hauptsache, man kann sich hinstellen und sagen: „Schaut mal, wir haben euch den Weinstand zurückgebracht.“
Und was ist nach der Wahl? Wenn es nicht funktioniert, wenn es Ärger gibt, wenn es rechtlich oder organisatorisch knallt sind dann wieder alle anderen schuld? Die Verwaltung? Der Betreiber? Die Anwohner? Das ist doch immer das gleiche Spiel.
Sorry, aber ich bin wirklich schockiert, wie engstirnig hier manche Mitbürgerinnen und Mitbürger in Budenheim argumentieren. Man kann doch nicht einfach nur sagen: „Ach, ist doch schön, noch ein Weinstand.“ Man muss doch auch mal die Folgen bedenken.
Und ganz grundsätzlich: Ein Bürgermeister ist Recht und Ordnung verpflichtet das verspricht man sogar. Wie kann man dann etwas genehmigen, wenn doch offensichtlich klar ist, dass die Infrastruktur und rechtlichen Vorraussetzungen dafür gar nicht geschaffen sind? Wenn man weiß, dass das so nicht funktionieren kann?
Also ganz ehrlich: Was hier gerade abgeht, ist aus meiner Sicht einfach nicht mehr normal. Vielleicht sollten wir alle mal einen Gang zurückschalten und anfangen, die Sache wirklich durchzudenken und nicht alles als tolle Aktion feiern, nur weil gerade Wahlkampf ist.
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