Seit Februar laufen die Arbeiten für die Straßensanierung „Welschdorf“ auf Hochtouren. Inzwischen sind in der Katharinenstraße und der Rittergasse bereits weite Teile der unterirdischen Versorgungsinfrastruktur erneuert. Für die erste Beigeordnete der Stadt Oppenheim, Silke Rautenberg (Alternative Liste) ein Anlass bei einem Ortstermin am 20. Mai 2021 eine Zwischenbilanz des ersten Bauabschnittes zu ziehen. BYC-NEWS war bei dem Termin vor Ort, um sich ein Bild von den Arbeiten zu machen.

Erster Bauabschnitt mit 900 Quadratmetern Straßenerneuerung

Knapp 900 Quadratmeter Straße werden derzeit im dem historischen Flüchtlingsviertel, unterhalb der Katharinenkirche erneuert. In der Oppenheimer Altstadt ist das Thema Straßensanierung fast immer auch mit aufwändigen Sicherungsmaßnahmen für den Untergrund verbunden – so auch in dem betroffenen Bereich. Für alle am Bau Beteiligten bedeutet das oft eine besondere Herausforderung. Ohne intensive Abstimmung kann solch ein Projekt nicht umgesetzt werden. Nicht nur wegen der engen Gassen, sondern vor allem wegen der vielen historischen Kelleranlagen, von denen es auch diesmal einige Neuentdeckungen gab.

Rund 900 Quadratmeter Straße werden in der Oppenheimer Altstadt erneuert | Foto: Thorsten Lüttringhaus

Neue unterirdische Gänge gefunden

So wurden insgesamt sechs neue Gänge beziehungsweise Gangabschnitte gefunden, die ein Länge zwischen einem und 15 Metern hatten. Diese waren jedoch in einem baulich so desolatem Zustand, dass keiner von ihnen gerettet werden konnte. Nachdem diese vermessen, fotografiert und kartographisch dokumentiert wurden, mussten sie auch aus Sicherheitsgründen bezüglich der neuen Versorgungsleitungen verfüllt werden.

Hauptziel Standsicherheit der Häuser

„Die Straßensanierung dient in allererster Linie dem Erhalt der Standsicherheit der anliegenden Häuser, denn wir müssen verhindern das Wasser in den Untergrund eindringt“, so Rautenberg. Doch daneben seinen mit der Maßnahme noch weitere wichtige Ziele verbunden: „Wir erhalten unsere historische Bausubstanz und werten den Bereich der Denkmalzone weiter auf. Damit steigern wir auch die touristische Attraktivität Oppenheims, welcher ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.“. Ein schöner Nebeneffekt, so Rautenberg, sei für die Anwohner die zusätzliche Wertsteigerung ihrer Immobilie.

Auch in der Rittergasse sind die Tiefbauarbeiten abgeschlossen | Foto: Thorsten Lüttringhaus

Fokus Barrierefreiheit

Ein weiteres Anliegen der Stadt ist die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Insbesondere die Bedürfnisse von Fußgängern haben die Auswahl des Straßenbelages für die Welschdorfstraßen maßgeblich mitbestimmt. Anders als in der Merianstraße sind hier neben den Basaltflächen Laufwege aus Granit geplant. Die Granitstreifen  sind in der Oberfläche stumpf und an den Kanten glatt, so dass sie einerseits bei Nässe guten Halt bieten und andererseits barrierefrei begehbar sind. „Um diese Lösung zu finden, haben mit den Anwohnern eine Vielzahl von Gesprächen stattgefunden. Wir sind froh, dass wir hier die Anforderungen von Barrierefreiheit und Denkmalschutz in Einklang bringen konnten“, so Rautenberg.

Steine lassen auf sich warten

Sorgen bereitet der Stadt Oppenheim derzeit jedoch die Lieferung der georderten Basaltsteine. Die Corona-Pandemie hat zu einer Materialknappheit in der gesamten Baubranche geführt. Trotz vertraglicher Vereinbarung ist das Lieferdatum derzeit ungewiss.

Wenn die neuen Pflastersteine geliefert werden, kann es in der Katharinenstraße weiter gehen | Foto: Thorsten Lüttringhaus

Angesichts dieser Situation haben wir intensiv über Alternativen nachgedacht. Allerdings wäre die qualitativen Einschränkungen so groß, dass wir uns entschieden haben auf unsere Ursprungsbestellung zu warten. Leider sieht es aktuell so aus, dass wir noch längere Zeit bei der Straßenoberfläche mit einem Provisorium leben müssen. Das ist unschön, aber auf lange Sicht die bessere Lösung“, so die 1. Beigeordnete, die um Verständnis bei den betroffenen Anwohnern wirbt.

Anlieger profitieren von neuen Hausanschlüssen

Ein Vorteil ist für viele Anwohner jedoch schon jetzt spürbar: Denn die Versorgungsunternehmen nutzen die Tiefbauarbeiten, um die Hausanschlüsse zu erneuern. Auch das Gasnetz in Oppenheim wird in diesem Zusammenhang weiter ausgebaut. Dank einer Verbindung zur Gasleitung am Zuckerberg, können die Anwohner ihre Öltanks ausrangieren und auf Gas umstellen, wovon 14 Haushalte auch Gebrauch machen.

Vom Zuckerberg aus wird das „Welschdorf“ an die Gasversorgung angeschlossen | Foto: Thorsten Lüttringhaus

„Die Energieversorgung über eine Gasleitung ist umweltverträglicher und schafft auch in den Häusern zusätzlichen Platz“, macht Rautenberg den Anliegernutzen deutlich.

475.000 Euro Fördermittel vom Land

Die Maßnahme ist einer der teuersten Investitionsposten im städtischen Haushalt. Rund 720.000 Euro sind derzeit eingeplant. Mit schätzungsweise rund 475.000 Euro trägt ein Großteil davon das Land Rheinland-Pfalz.

„Ohne diese Mittel aus dem Förderprogramm „Aktive Stadt – lebendige Zentren“ wären solche Maßnahmen für Oppenheim schlicht nicht zu stemmen“, unterstreicht Rautenberg die Wichtigkeit der Finanzspritze.

Dank der Fördermittel können die Straßen im Schatten der historischen Katharinenkirche umgesetzt werden | Foto: Thorsten Lüttringhaus

Besonders erfreulich wertet die Erste Beigeordnete, dass auch untergrundbedingte Mehrkosten mit gefördert werden, was auch die Kassen der Anlieger entlastet.

Ende August soll der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein. Auch ohne Basaltsteine geht es dann direkt in den zweiten Abschnitt mit der Treibergasse und der Kleinen Welschdorfgasse weiter. Läuft alles weiter nach Plan, sollen die kompletten Baumaßnahmen Ende diesen Jahres abgeschlossen sein.