Der Duden hat die gegenderte Sprache übernommen. Bisher gab es Begriffe, in denen der männliche Ausdruck in der Bedeutung auch die Frauen einschloss: Gast zum Bespiel. Der Duden schlägt nun Gästin vor. Frauen, so die Idee, sollen sprachlich nicht mehr versteckt werden. BYC-News wird weiterhin nicht gendern. Letztlich orientieren wir uns dabei an den Lesern – und auch an den Leserinnen.


Römische Händler, jüdische Ärzte oder schwedische Soldaten. Sie alle haben am Rhein gelebt, wie es der Nackenheimer Carl Zuckmayer in „Des Teufels General“ beschreibt. In der Mitte Europas haben sie gegessen, getrunken, Kinder gezeugt – und geredet haben sie auch. So hat jeder von ihnen etwas zu der Sprache beigetragen, die sich heute Deutsch nennt.

Sprechen wir über das Recht oder die Medizin, kommen wir am Lateinischen kaum vorbei. Geht es um das Bankenwesen, verwenden wir Begriffe aus dem Italienischen. Die Etikette oder das Ballett zu beschreiben, ist heute immer noch kaum möglich, ohne auf Französisches zurückzugreifen. Und gleichzeitig fluchen und charmant sein, lässt sich am Besten mit Wörtern des Jiddischen.

Deswegen sind wir auf Boostyourcity auch weniger streng als andere, wenn es um den Einsatz von Wörtern aus dem Angelsächsischen geht. Die Mail werden wir niemals elektronische Post nennen, nur um vaterländische Gefühle zu bedienen. Umgekehrt bleibt der Infopoint bei uns die Auskunft.

Das Wort haben Sie

BYC-News orientiert sich an der Sprache seiner Leser. So wie sie reden und so wie sie verstehen, so wollen wir schreiben. Dabei bedienen wir uns Mitteln wie der Wahrnehmungspsychologie oder Untersuchungen zu Aufmerksamkeitsspannen oder Leseverhalten. Doch als fehlbare Menschen sind wir fehlbar. Und wenn bei uns sprachliche Marotten einreißen, denen Sie uns nicht folgen können oder wollen, dann machen Sie uns bitte darauf aufmerksam.

Denn letztlich gibt es nichts, was so demokratisch ist, wie die Sprache. Sie entscheiden darüber. Nicht nur bei BYC-News. Sondern jeden Tag: Auf der Straße, im Büro oder in den Gaststätten – wenn sie denn mal wieder geöffnet werden – sprechen Sie und legen damit fest, was Sprache ist. Das letzte Wort über den richtigen Begriff haben keine Redakteure, keine Politiker oder ihre Mitarbeiter und auch keine Wissenschaftler oder Studenten. Das Wort haben Sie.

So hat auch der Dudenverlag gehandelt. Bisher. „Der Duden“ – das war eine Sammlung dessen, was tatsächlich gesprochen wurde. Wer eine Ausgabe von vor einem Jahr mit einer vergleicht von vor 50 Jahren, der merkt, wie sich das mitunter wandelt. Die Sprache selbst prägen zu wollen, war bisher nicht die Absicht des Dudenverlags. Seine Geschäftspolitik zu verändern, muss der Verlag verantworten – das Tragen der Folgen gehört dazu.

Keine Gästin bei BYC-News

BYC-News macht da nicht mit. Ein Wort wie Gästin hat von uns noch niemand gehört – außer im Zusammenhang mit der Diskussion um den Duden. Und außerhalb dieses Zusammenhangs werden wir es daher in unserer Berichterstattung nicht verwenden.

Benutzt ein Gesprächspartner gegenderte Sprache im Interview geben wir das so wieder. BYC-News will seinen Lesern ein Bild der Gesprächspartner zeigen, das möglichst realistisch ist. Welche Meinung sie sich dann dazu bilden, ist ihre Sache.

Nun haben alle neuen Begriffe die Sprache auch reicher gemacht. Wenn wir einen Begriff als Chance sehen, um unsere Möglichkeiten uns auszudrücken, zu erweitern, werden wir das nutzen. Handelt zum Beispiel ein Text von den schwierigen Arbeitsbedingungen von Ärzten oder Pflegern, wäre für uns ein „Ärzte und Ärztinnen“ oder „Ärzt:innen“ denkbar.

Dann hätte der Begriff einen Mehrwert. Er würde daran erinnern, dass diese Berufe mittlerweile stark weiblich dominiert sind, ohne dass dieser Punkt eigens abgehandelt werden müsste. Das würde den Text schneller machen und wäre somit ein Gewinn. „83 Millionen Deutschinnen“ wird es indes bei uns nicht geben. In der Heimat Zuckmayers weiß ein jeder, was für eine Vielfalt sich dahinter versteckt.