Speditionen – Die Preiskrise bei den Kraftstoffen erreicht eine beispiellose Dimension und bringt das Transport- und Logistikgewerbe in akute Existenznot. Angesichts historischer Höchststände an den Tankstellen schlagen die führenden Logistikverbände Alarm und warnen vor einer Gefährdung der Versorgungsstabilität von Bevölkerung und Wirtschaft.
Allein seit Jahresbeginn ist der Dieselpreis um bis zu 28 Prozent nach oben geschnellt. Im September 2026 kletterte der Bundesdurchschnitt innerhalb von nur 30 Tagen um 0,164 Euro auf 2,410 Euro pro Liter, wobei in der Spitze sogar Tageshöchstwerte von bis zu 2,43 Euro verzeichnet wurden. Zum Vergleich: Super E10 lag im selben Zeitraum bei 2,278 Euro und Super E5 bei 2,336 Euro pro Liter. Geopolitische Spannungen und Krisen verursachen nach Branchenberechnungen zusätzliche Kraftstoffkosten von rund 1.210 Euro pro Monat und Lkw. Für eine mittlere Flotte von zehn Fahrzeugen bedeutet das eine monatliche Mehrbelastung von über 12.000 Euro.
Diese Entwicklung trifft die Betriebe extrem hart, da der Kraftstoff rund ein Drittel der Gesamtkosten eines Transportunternehmens ausmacht. Da ein Anstieg der Kraftstoffpreise um 10 Prozent zu einer Steigerung der Gesamtkosten von etwa 3 Prozent führt, frisst die aktuelle Verteuerungswelle die extrem geringen Gewinnmargen des Straßengüterverkehrs, die traditionell nur zwischen 0,1 und 3 Prozent liegen, vollständig auf.
Verstärkt wird der Druck durch erhebliche staatliche Abgaben:
- Pro Liter Diesel fallen 47 Cent Energiesteuer sowie 20 Cent CO₂-Abgabe an
- Dazu kommt die Lkw-Maut von 35 Cent pro Kilometer, bei der allein 16 Cent auf den staatlichen CO₂-Aufschlag entfallen.
Was ein Spritpreis von 3,00 Euro für Speditionen bedeuten würde
Sollte der Dieselpreis die Marke von 3,00 Euro pro Liter erreichen, verschärft sich die mathematische Überlebensrechnung drastisch. Ausgehend vom bisherigen Höchststand von 2,41 Euro pro Liter entspricht ein Anstieg auf 3,00 Euro einer weiteren Verteuerung um rund 24,5 Prozent.
Kostenanstieg pro Lkw: Ein moderner 40-Tonner verbraucht im Schnitt etwa 33 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Bei einer typischen Fahrleistung von 10.000 Kilometern im Monat benötigt ein einziges Fahrzeug rund 3.300 Liter Kraftstoff. Bei einem Spritpreis von 3,00 Euro steigen die monatlichen reinen Treibstoffkosten pro Lkw auf 9.900 Euro. Im Vergleich zum früheren Stand vor dem Krisenanstieg entstehen somit massive Mehrausgaben von mehreren tausend Euro pro Fahrzeug und Monat.
Belastung für Flotten: Für ein mittelständisches Logistikunternehmen mit 10 Lkw bedeutet dies monatliche Ausgaben von 99.000 Euro allein für Dieselkraftstoff.
Gesamtkostenrechnung: Da der Kraftstoffanteil bei einem Spritpreis von 3,00 Euro auf deutlich über 35 bis 40 Prozent der Gesamtkosten klettert, steigen die operativen Gesamtkosten der Betriebe um weitere 7 bis 8 Prozent. Ohne eine sofortige Weitergabe dieser Beträge an die Auftraggeber ist der Betrieb in der gesamten Branche rein kalkulatorisch binnen kurzer Zeit insolvent.
Um das Überleben der Speditionen zu sichern, setzen Speditionen verstärkt auf Dieselfloater – spezielle Preisgleitklauseln, die Frachtpreise an tagesaktuelle Preisindizes koppeln –, um Preissteigerungen an Kunden weiterzugeben. Ergänzend versuchen Fuhrparkleiter, durch kraftstoffsparenden Fahrstil, Telematik und strikte Reifendrucküberwachung jeden Tropfen Kraftstoff einzusparen.
Angesichts der Notlage fordert eine Allianz der führenden Branchenverbände von der Bundesregierung eine schnelle, zeitlich begrenzte Kraftstoffpreisbremse sowie eine Kompensation der staatlichen Mehreinbußen aus der CO₂-Bepreisung und Energiesteuer, um den drohenden Kollaps der Lieferketten abzuwenden.








