Der Ortsbeirat der Mainzer Neustadt hat in seiner Sitzung am vergangenen Mittwoch über die Umbenennung der Pfitznerstraße entschieden. Pfitzner war Antisemit und glühender Anhänger Hitlers – deswegen war die Umbenennung der Straße notwendig geworden. Der Ortsbeirat hatte sich mehrheitlich für eine Benennung nach Martin Büsser entschieden.


Carolin Oldenstein, Sprecherin der SPD-Ortsbeiratsfraktion

Die SPD hatte im Ortsbeirat gemeinsam mit der FDP die Umbenennung der Straße nach Catharina Haaß (1844-1916), einer Mainzer Musikpädagogin und Komponistin, beantragt. Catharina Haaß war Musiklehrerin in der früheren Schulstraße (heutige Adam-Karrillon-Straße), veröffentlichte zahlreiche musikpädagogische Beiträge und komponierte Stücke für den elementaren Musikunterricht. Der Vorschlag entstand auf Anregung des Frauenbüros der Landeshauptstadt Mainz. Für die SPD sei wichtig gewesen, dass der neue Straßenname ins sogenannte „Komponistenviertel“ passe und dass es sich bei der Benennung um eine Frau handele. „Leider sind im bewohnten Teil der Neustadt gegenwärtig 48 Straßen und Plätze nach Männern und nur sieben nach Frauen benannt“, erklärt Carolin Oldenstein, Sprecherin der SPD-Ortsbeiratsfraktion. Das sei eine Quote von etwa 13 Prozent und damit deutlich zu wenig.

Frauen- und Kulturausschuss des Stadtrats hatten bereits in den Jahren 1994 und 1995 gefordert, dass Straßen und Plätze, die nach Personen benannt sind, künftig zur Hälfte Frauennamen tragen sollten. „Wir treten hier leider auf der Stelle und kommen nicht voran“, so das Resümee von Carolin Oldenstein. Auch war von der SPD eine Benennung nach Esther Bejarano und von der FDP nach Clara Schumann ins Spiel gebracht worden.

Im Ortsbeirat hatten die Mehrheitsfraktionen von Grünen und Linken die Benennung nach Martin Büsser durchgesetzt, teilt die SPD weiter mit.

„Martin Büsser ist zweifelsfrei würdig, dass auch nach ihm eine Straße benannt wird“, macht Carolin Oldenstein deutlich, „und wir als Sozialdemokratie können auch mit dieser Benennung sehr gut leben.“ Die SPD hatte vorgeschlagen, einen nach Martin Büsser benannten Preis auszuloben, der jedes Jahr verliehen wird und die Straße stattdessen nach einer Frau zu benennen.

Vorausgegangen war der Diskussion im Ortsbeirat ein Austausch mit Anwohnerinnen und Anwohnern der Straße im Februar. Diese war mit auf Initiative der SPD durchgeführt worden.