Mit 405 Tonnen Gewicht durch Frankfurt – Schwertransport von einem Transformator

BYC-News begleitet den Transport

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In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (13. Januar 2022) startete der Schwerlasttransporter mit 405 Tonnen Gewicht gegen 22:00 Uhr von Frankfurt-Fechenheim nach Bergen-Enkheim. Dort traf er gegen 2:30 Uhr in der Nacht ein. BYC-News begleitete den Transport.


Stromversorgung für hunderttausende Haushalte

Die Hochspannungsleitungen des Netzbetreibers TenneT sind für weite Bereiche des Rhein-Main-Gebietes eine wichtige Lebensgrundlage. Über die Stromautobahnen kommt die elektrische Energie in die Metropolregion und wird über Umspannwerke wie die TenneT-Anlage Frankfurt-Nord verteilt. Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie und dem festgelegten Ende der Kohleverstromung gewinnt diese zentrale Infrastruktur weiter an Bedeutung. Insbesondere um den steigenden Strombedarf von Haushalten, Industrie und Rechenzentren auch zukünftig zu sichern. Darüber hinaus braucht es zukunftssichere Anlagen, um den Grünstrom aus Nordhessen und den küstennahen Regionen in Norddeutschland effizient in die Metropolregion Rhein/Main zu transportieren.

Hierfür müssen naturgemäß das Höchstspannungsnetz und damit verbunden auch die Umspannwerke modernisiert und ausgebaut werden. Eine besondere Herausforderungen stellen dabei Umspannwerke in und um Großstädte dar. Um die Stromversorgung hunderttausender Haushalte auch während der Arbeiten sicher zu stellen, kann nur in Abschnitten gearbeitet werden. Dabei stehen für die Abschaltung alter Transformatoren und das Errichten neuer Großgeräte nur wenige Wochen zur Verfügung. TenneT muss hierbei pro Transformator Jahre im Voraus planen und die Geräte beim Hersteller entsprechend in Jahresrhythmen getaktet bestellen und antransportieren. Für Frankfurt-Nord, eine 220/110 Kilovoltanlage die in den 1960er und 70er Jahren errichtet wurde, werden bis 2025 insgesamt vier neue Netzkuppeltransformatoren mit einer Leistung von jeweils 300 Megavoltampere (MVA) antransportiert und nach und nach in Betrieb genommen. Jedes dieser Großgeräte kann rein rechnerisch Strommengen für rund 400.000 Haushalte transformieren. Schwerlasttransport von Fechenheim über Seckbach und Bergen-Enkheim

43,5 Meter langer Schwertransport startet gegen 22:00 Uhr

Der erste der vier neuen Transformatoren für Frankfurt-Nord erreichte in der Nacht vom 12.01. auf den 13.01. sein Ziel. Vom Hersteller General Electric in Mönchengladbach ging es zunächst per Bahn zum Verschiebebahnhof Hanauer Landstraße in Frankfurt-Fechenheim. Dort wurde der Trafo am Vormittag des 11.01. umgeladen und für den Straßentransport vorbereitet. Um Auswirkungen auf den Straßenverkehr zu minimieren, startete der 43,5 Meter lange Schwertransport erst gegen 22:00 Uhr. Das Gesamtgewicht des Transport von 405 Tonnen wurde auf insgesamt 20 Achsen verteilt. So konnten die Hanauer Transportspezialisten der Spedition Kübler das Gewicht optimal verteilen und auch enge Kurven umfahren. Auf der Strecke, die zunächst über die Hanauer Landstraße in Fechenheim, die Casselastraße und anschließend in die Wächtersbacher Straße führte, kam es zu temporären Sperrungen. Das galt auch für den weiteren Verlauf entlang der Borsigallee und von dort über die Vilbeler Landtraße durch Bergen-Enkheim. Das Ziel „Am Galgen“ wurde gegen 2:30 Uhr erreicht, rund 3,5 Stunden früher als erwartet.

Eine echte Herausforderung war der Bereich der Hanauer Landstraße. Hier musste in entgegengesetzter Fahrtrichtung der Straße gefahren werden und kurzeitig der Fahrdraht der Straßenbahn mit einem Spezialfahrzeug angehoben werden.

Strom in eine niedrigere Spannungsebene transformieren

Die Hauptaufgaben der Umspannwerke Umspannwerke sind vergleichbar mit Autobahnabfahrten. Sie verbinden die Stromautobahnen der TenneT mit den Bundestraßen der Verteilnetzbetreiber. Herzstücke eines jeden Umspannwerks stellen dabei die Transformatoren dar, die den Strom in eine niedrigere Spannungsebene transformieren. Bei Bedarf können die Geräte auch in die entgegengesetzte Richtung Arbeiten, um lokal erzeugten Grünstrom abzutransportieren. In Frankfurt-Nord werden bis 2025 insgesamt vier sogenannte Netzkuppeltransformatoren errichtet. Sie verknüpfen die 220.000 Volt Ebene der TenneT mit dem 110.000 Volt Netz der NRM – Netzdienste Rhein-Main GmbH und der Avacon Netz GmbH. Und über diese Verteilnetze gelangt der Strom dann Richtung Verbraucher. Im großstädtischen Bereich sind Arbeiten im Umspannwerk eine besondere Herausforderung, denn hier ist der Stromverbrauch auf einem permanent hohe Niveau und die notwendigen Abschaltfenster dementsprechend sehr begrenzt. In der Regel bedarf es einer Mehrjährigen Vorplanungsphase, um während der Modernisierung auch alle Haushalte zuverlässig mit Strom zu versorgen.

TenneT investiert am Standort Frankfurt-Nord insgesamt rund 45 Millionen Euro in die zukunftssichere Stromversorgung und legt damit einen weiteren Baustein für das Wachstum der Mainmetropole. Weitere große Modernisierungs- und Ausbaumaßnahmen werden in enger Abstimmung mit den Netzdiensten Rhein-Main aktuell auch im Umspannwerken Frankfurt Südwest umgesetzt. Mit den Standorten in Karben, Dörnigheim und Großkrotzenburg wird TenneT in den kommenden Jahre alle seine bestehenden Umspannwerke im Rhein-Main-Gebiet für die Energiewende fit machen und auf den neuesten Stand der Technik bringen.