BYC-NewsMainzMainz ist definitiv keine dynamische Stadt

Mainz ist definitiv keine dynamische Stadt

Sauberkeit ist dabei die Grundlage für jede Attraktivität

Mainzer Leserbrief: Sehr geehrte Redaktion, Mainz wirbt gerne als dynamische Stadt, die stetig wächst, mehr Übernachtungen verzeichnet und damit Besucher aus Nah und Fern anzieht. Doch wenn man sich abseits der offiziellen Statistiken und Werbeversprechen umschaut, zeigt sich ein anderes Bild: Viele Mainzerinnen und Mainzer wie auch Besucherinnen und Besucher erleben die Stadt oft als ungepflegt, mit eingeschränkter Vielfalt an Einkaufsmöglichkeiten und wenig urbanem Flair. Die Aufenthaltsqualität leidet, und damit bleibt Mainz hinter seinem eigenen Anspruch zurück.

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Sauberkeit ist dabei die Grundlage für jede Attraktivität

Gepflegte Straßen, Plätze, Grünflächen und öffentliche Einrichtungen sind nicht nur ein Zeichen von Respekt gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch ein entscheidender Faktor, damit Menschen länger in der Stadt verweilen und sich wohlfühlen. Wenn Müllberge, Hundekot oder Schmierereien das Bild prägen, sinkt die Bereitschaft, Zeit in der Innenstadt zu verbringen. Wer bleibt schon gern in einer Umgebung, die unsauber oder ungepflegt wirkt? Eine saubere Stadt schafft die Voraussetzung für alles Weitere: Aufenthaltsqualität, Wohlbefinden, Gastronomie, Einzelhandel – kurz: Leben in der Stadt.

Umso irritierender ist es, wenn der Oberbürgermeister mit großen Videos in den sozialen Medien bewirbt, dass die Stadt gereinigt wird. Ich kann dieses Vorgehen nicht nachvollziehen. Sauberkeit ist die Grundlage jeder Stadt und sollte selbstverständlich sein – die Arbeit der Reinigungskräfte der Stadt Mainz ist normaler, täglicher Dienst, der nicht beworben werden muss. Die Entsorgungsbetriebe posten ja auch nicht, dass sie heute den Müll abholen, und die Zulassungsstelle teilt nicht täglich mit, dass Fahrzeuge zugelassen werden. Solche PR-Aktionen wirken unsinnig und verkennen, dass Sauberkeit keine Marketingleistung, sondern eine Pflichtaufgabe ist.

Und genau hier hängt vieles zusammen. Mainz braucht eine größere Vielfalt an Geschäften und Angeboten. Der Einzelhandel wandelt sich durch Online-Shops, verändertes Konsumverhalten und wirtschaftlichen Druck, aber das bedeutet keineswegs das Ende des stationären Handels. Ganz im Gegenteil: Orte, die Erlebnis, Qualität und Authentizität bieten, haben weiterhin Zukunft. Menschen suchen nach Orten, an denen sie nicht nur einkaufen, sondern erleben können – ein Café, das zum Verweilen einlädt, ein Fachgeschäft, das Beratung und Service bietet, eine Buchhandlung, die Veranstaltungen organisiert. Die Formel für eine lebendige Innenstadt lautet daher: Erlebnis + Qualität = attraktive Stadt. Nur so können wir verhindern, dass Mainz zur reinen Durchgangsstation für Shoppingtouristen wird, die schnell kommen und gehen.

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Leider profitieren von steigenden Übernachtungszahlen in Mainz meist große Hotelketten

Kleine Hotels, Pensionen und familiengeführte Unterkünfte bleiben häufig auf der Strecke. Die Stadt kann noch so dynamisch wirken, wenn die Vorteile nicht gleichmäßig verteilt sind: Während internationale Ketten den Löwenanteil der Gäste einstreichen, kämpfen kleinere Anbieter ums Überleben. Das zeigt sich auch im Einzelhandel: Wenn die Innenstadt weniger attraktiv ist, bleiben Besucher aus, und kleine Läden schließen. Es entsteht ein Teufelskreis, den nur eine konsequente Aufwertung der Aufenthaltsqualität durchbrechen kann.

Was also muss geschehen? Mainz braucht ein umfassendes Konzept, das Sauberkeit, Vielfalt und Erlebnisqualität verbindet. Mehr Reinigungspersonal und konsequente Müllbeseitigung sind ein Anfang. Gleichzeitig müssen neue, attraktive Einzelhandelskonzepte gefördert werden, die sich bewusst vom reinen Online-Shopping abheben. Öffentliche Plätze und Straßen sollten nicht nur funktional, sondern attraktiv gestaltet sein, mit Sitzgelegenheiten, Grünflächen und kulturellen Impulsen. Initiativen wie Wochenmärkte, Straßenfeste oder temporäre Pop-up-Stores können zusätzliche Anreize schaffen, die Innenstadt wieder zum lebendigen Treffpunkt machen.

Mainz hat alle Voraussetzungen, eine Stadt zu sein, in der sich Einheimische wie Besucher gleichermaßen wohlfühlen. Doch dafür muss die Politik handeln und darf sich nicht allein auf Zahlen zu Übernachtungen oder touristischen Kennziffern verlassen. Aufenthaltsqualität ist kein Luxus, sie ist eine Voraussetzung für wirtschaftliche und soziale Vitalität. Wenn Sauberkeit, Erlebnis und Vielfalt in Mainz gestärkt werden, profitieren davon alle: Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie und vor allem die Menschen, die in dieser Stadt leben und sie erleben wollen.

Es ist Zeit, Mainz nicht nur als dynamische Stadt auf Broschüren zu feiern, sondern sie auch im Alltag so erlebbar zu machen. Nur dann wird Mainz zu einer Stadt, in der man gerne verweilt, einkauft, übernachtet und sich wohlfühlt – und in der der Einzelhandel auch in Zukunft eine Heimat hat.


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