BYC-NewsÜberregionalRobert Marc Lehmann zu den letzten Stunden für Wal Timmy

Robert Marc Lehmann zu den letzten Stunden für Wal Timmy

Atemabstände vergrößern sich – Experten bereiten Bergung vor, während die Kritik an den Behörden wächst

Die Nachricht, die seit Wochen die Region und das Netz bewegt, erreicht ihren traurigsten Tiefpunkt: Der Buckelwal, der als Wal Timmy vor Poel bekannt wurde, kämpft in der Kirchsee seinen letzten Kampf. Am Donnerstag, den 2. April 2026, bestätigten die Behörden, dass der Meeressäuger inzwischen nahezu bewegungslos im flachen Wasser treibt. Die medizinischen Indikatoren lassen keinen Zweifel am baldigen Ende: Innerhalb der letzten 24 Stunden haben sich die Abstände zwischen den Atemzügen des Tieres von vier auf fünf Minuten verlängert. Dies ist ein klares Zeichen für den fortschreitenden Verfall der Lebensfunktionen bei einem Tier dieser Größenordnung. Aktive Rettungsmaßnahmen wurden offiziell eingestellt; die Natur hat nun die Regie übernommen.

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Kritik vom Experten: Robert Marc Lehmann meldet sich zu Wort

Inmitten dieses „Worst-Case-Szenarios“ entbrennt eine heftige Debatte über den Umgang mit dem Tier. Der bekannte Meeresbiologe und YouTuber Robert Marc Lehmann, der Wal Timmy vor Poel bereits am Timmendorfer Strand untersuchte, äußerte sich in einer aktuellen Instagram-Story tief enttäuscht. Lehmann kritisiert vor allem das Krisenmanagement der Behörden. Seiner Ansicht nach wurden Experten wie er von entscheidenden Maßnahmen ausgeschlossen. Er hatte bereits frühzeitig versucht, das Geisternetz, das sich im Maul des Wals verfangen hatte, zu entfernen. Seine Prognose ist mittlerweile niederschmetternd: Lag die Überlebenschance vor einer Woche noch bei minimalen 0,1 Prozent, beziffert er sie nun auf lediglich 0,01 Prozent. „Wir befinden uns an einem Punkt, wo man nichts mehr für den Wal tun kann“, so das bittere Fazit des 48-Jährigen.

Die Rolle des Geisternetzes: Ursache oder Begleitumstand?

Die Frage nach der Ursache für das Schicksal von Wal Timmy vor Poel bleibt vorerst unbeantwortet. Seit der ersten Sichtung im Wismarer Hafen am 11. März war bekannt, dass der Wal ein über 50 Meter langes Fischernetz mit sich schleppte. Organisationen wie Sea Shepherd konnten zwar einen Teil der Leinen kappen, doch das Netz im Maul blieb bestehen. Lehmann gibt zu bedenken, dass neben dem Netz auch andere Faktoren wie Sonnenphänomene, die das Navigationssystem der Wale stören können, eine Rolle gespielt haben könnten. Absolute Gewissheit soll die spätere Nekropsie (Obduktion) im Deutschen Meeresmuseum in Stralsund bringen. Lehmann forderte bereits öffentlich, bei dieser Untersuchung anwesend sein zu dürfen, um den Fall lückenlos aufzuklären.

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Logistik für den Ernstfall

Während Wal Timmy vor Poel noch lebt, laufen im Hintergrund bereits die Vorbereitungen für die Zeit danach. Ein Vermessungsboot der Umweltschutzbehörde Mecklenburg-Vorpommern erkundet aktuell die Kirchsee. Da das Gewässer vor Poel sehr flach ist, muss die spätere Bergung des tonnenschweren Kadavers akribisch geplant werden. Es gilt zu verhindern, dass das Tier bei der Bergung weiter verletzt wird, um die wissenschaftliche Aussagekraft der Obduktion nicht zu gefährden. Für die Anwohner und die zahlreichen Menschen, die die Rettungsversuche in Timmendorf, Niedendorf und nun Poel verfolgt haben, bleibt nur das schmerzhafte Warten auf die finale Nachricht.

Ein Mahnmal für die Ostsee – Wal Timmy

Das Sterben von Wal Timmy vor Poel macht deutlich, wie gefährlich die hochfrequentierten und mit Altlasten der Fischerei gefüllten Küstengewässer für Irrgäste aus dem Atlantik sind. Die Debatte um Geisternetze in der Ostsee wird durch diesen Fall neue Nahrung erhalten. Auch wenn der Tod des Tieres nun unausweichlich scheint, fordern Umweltschützer, dass aus dieser Tragödie Konsequenzen für den Schutz der Meere gezogen werden müssen. Solange die Obduktionsergebnisse aus Stralsund noch ausstehen, bleibt Timmy ein Symbol für die Verletzlichkeit der marinen Riesen in einer vom Menschen geprägten Umwelt.

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